Pflegerin und alte Frau sitzen zusammen und sprechen
© Diakonie/Kathrin Harms
Pflege unter Druck

Was im Pflegeneuordnungsgesetz steht und wie es sich im Pflegealltag auswirkt

Die Pflegeversicherung steckt in einer tiefen Finanzkrise. Die Bundesregierung will mit einer Pflegereform gegensteuern – aus Sicht der Diakonie belastet sie dabei jedoch einseitig Pflegebedürftige, ihre Angehörigen und Pflegedienste.

Mit dem geplanten Pflegeneuordnungsgesetz will die Bundesregierung die Finanzen der sozialen Pflegeversicherung stabilisieren und die Versorgung der Menschen verbessern. Dafür soll die Pflegeversicherung neu ausgerichtet werden.  

Auf dieser Seite erfahren Sie, was sich ändern soll, welche Folgen die geplanten Änderungen für Pflegebedürftige, pflegende Angehörige, Pflegekräfte und Pflegeeinrichtungen haben können und welche Forderungen die Diakonie an die Pflegereform stellt. 

Warum eine Pflegereform notwendig ist

Die Pflegeversicherung steht vor großen finanziellen Herausforderungen: steigende Ausgaben in der Pflege und die wachsende Zahl von pflegebedürftigen Menschen belasten die Pflegekassen zunehmend. Für 2027 wird ein Finanzierungsdefizit von etwa 7,5 Milliarden Euro erwartet. Ohne weitere Maßnahmen könnte das Defizit bis 2030 auf rund 17,4 Milliarden Euro anwachsen.  

Darüber hinaus braucht es eine Strukturreform mit verlässlichen Rahmenbedingungen für die Pflege. Dazu gehören eine vollständige Refinanzierung der tatsächlichen Kosten, mehr Unterstützung für pflegende Angehörige und Pflegefachpersonen in Einrichtungen und Diensten sowie weniger Bürokratie. 

Es besteht daher dringender Handlungsbedarf.  

Das geplante Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) sieht verschiedene Änderungen bei den Leistungen, den Leistungsstrukturen und bei der Finanzierung der Pflege vor, um die Ausgaben der Pflegeversicherung zu begrenzen.  Aus Sicht der Diakonie belastet die Reform vor allem Pflegebedürftige, ihre Angehörigen, professionelle Pflegekräfte sowie Pflegedienste und Pflegeeinrichtungen. Es handelt sich letztlich um ein reines Sparprogramm auf Kosten der Betroffenen mit erheblichen sozialen und versorgungspolitischen Risiken. 

Was sich bei der Pflege ändern könnte

Mit der geplanten Pflegereform will die Bundesregierung die soziale Pflegeversicherung langfristig finanziell sichern und die Leistungen neu ordnen. Die wichtigsten geplanten Änderungen im Überblick:  

Für die Diakonie setzt der vorliegende Gesetzentwurf zum PNOG* zu stark auf kurzfristige Einsparungen. Leistungskürzungen, strengere Zugangsvoraussetzungen zu Pflegegraden und höhere Eigenbelastungen könnten die Situation von pflegebedürftigen Menschen, ihren pflegenden Angehörigen, Pflegekräften sowie von ambulanten Pflegediensten und Pflegeeinrichtungen deutlich verschlechtern.   

Die Änderungen durch das PNOG sollen im Winter 2026 beschlossen werden. 

* PNOG: Die Abkürzung steht für das Pflegeneuordnungsgesetz. 

Was bedeuten die Änderungen konkret für die Menschen?

Unsere Beispiele aus dem Pflegealltag zeigen, wie die geplanten Änderungen — von Leistungsanpassungen bis zu Kürzungen — den Alltag von Pflegebedürftigen, ihren Angehörigen und Pflegediensten unmittelbar belasten.

Stimmen aus der Praxis
© Immanuel Malcharzyk

Die Diakonie ist eine der großen Anbieterinnen von Pflege und Altenhilfe in Deutschland. Bundesweit gibt es 6.281 rechtlich selbständige Angebote und Dienste der Altenhilfe, die Mitglied der Diakonie sind. Davon sind 1.433 Diakoniestationen, die die Menschen bundesweit in ihrem Zuhause versorgen. In der Altenhilfe arbeiten 29 Prozent der rund 687.000 hauptamtlichen Mitarbeitenden der Diakonie. 

Die geplanten Änderungen in der Pflegeversicherung betreffen damit nicht nur einzelne Pflegeangebote, sondern ein bundesweites und dichtes Versorgungsnetz, das viele pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen benötigen und in Anspruch nehmen. 

FAQ zur geplanten Pflegereform ab 2027

Wir fordern eine zukunftssichere Pflege

  • Porträtfoto von Rüdiger Schuch, Präsident der Diakonie Deutschland
    © Diakonie/Die Hoffotografen

    Die Herausforderungen, vor denen die Pflegeversicherung steht, sind gewaltig. Deutschland muss neue Wege gehen, um die Pflegefinanzierung zu stabilisieren und die finanziellen Lasten einer älter werdenden Gesellschaft gerecht zu verteilen.

    Rüdiger Schuch Präsident der Diakonie

Eine Reform der Pflegeversicherung ist dringend notwendig. Die finanziellen Probleme der Pflegeversicherung dürfen aber nicht auf Pflegebedürftige, pflegende Angehörige, Pflegekräfte und Pflegeeinrichtungen abgewälzt werden. Was wir brauchen, sind nachhaltige Reformen und eine langfristig gesicherte Finanzierung der Pflege.  

Auch die Versorgungsstrukturen geraten unter Druck: Wenn Leistungen gekürzt werden, ambulante Pflegedienste keine Alltagshilfen mehr anbieten können und ihnen die pflegefachliche Beratung sowie Anleitung entzogen wird, verlieren Pflegebedürftige wichtige Unterstützung. Gleichzeitig brauchen ambulante Pflegedienste und stationäre Einrichtungen verlässliche Rahmenbedingungen, um ausreichend Personal zu gewinnen und gute Pflege sicherzustellen. 

Eine Pflegereform muss die Menschen in den Mittelpunkt stellen: Pflegebedürftige und ihre Angehörigen ebenso wie Pflegekräfte, Pflegedienste und Pflegeeinrichtungen. Denn gute Pflege gelingt nur, wenn beide Seiten die Unterstützung und verlässliche Rahmenbedingungen bekommen, die sie brauchen. Dazu zählen eine vollständige Refinanzierung der tariflichen Vergütung, mehr Unterstützung für pflegende Angehörige sowie für  Pflegefachpersonen in Einrichtungen und Diensten und weniger Bürokratie. 

Wir fordern den Gesundheitsminister Carsten Linnemann und die Bundesregierung auf, das Pflegeneuordnungsgesetz grundlegend nachzubessern. Die Finanzierung der sozialen Pflegeversicherung muss langfristig gesichert werden – ohne die Lasten auf Pflegebedürftige, Angehörige und die Einrichtungen und Dienste der Pflege abzuwälzen. Damit Pflege menschlich und bezahlbar bleibt.  

 

 

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