Thema

Nachhaltigkeit

© Diakonie Saar

Lebensgrundlagen erhalten, die Menschenrechte weltweit achten

Was wir hier heute tun, hat Konsequenzen für Menschen anderswo und für spätere Generationen. Ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte hängen dabei eng miteinander zusammen. Für die Diakonie gehören auch die Bewahrung der Schöpfung und verantwortungsvolles Wirtschaften zum christlichen Selbstverständnis. Dabei orientiert sie sich an den nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen – den 17 „Sustainable Development Goals“.

Nachhaltigkeit in der Diakonie

Die Diakonie bietet zahlreiche soziale Dienstleistungen an. Die Arbeit der Krankenhäuser, Pflegedienste, Kindergärten und Flüchtlingsheime hat dabei auch Auswirkungen auf die Umwelt und auf das Leben von Menschen in anderen Ländern: Der Einsatz von Büromaterial und Lebensmitteln, von Verbandszeug und Dienstkleidung trägt unabsichtlich zur Übernutzung von Böden und Wasserreserven bei, der Chemikalieneinsatz in der Produktion schädigt die natürliche Umwelt. 

Mit Hilfe von Umweltmanagementsystemen, Klimaschutzmaßnahmen oder dem gezielten Einkauf fair gehandelter Produkte haben sich viele diakonische Einrichtungen auf den Weg gemacht, um diese „Risiken und Nebenwirkungen“ ihrer sozialen Arbeit zu verringern.

Ulrich Lilie, Präsident der Diakonie Deutschland

„Wir leben in der Einen Welt und wir haben alle eine Verantwortung, dass sie auch für unsere Kinder und Kindeskinder lebenswert bleibt. Als Diakonie möchten wir unseren Beitrag dazu leisten, dass nachhaltig gewirtschaftet wird - nicht auf Kosten von Mensch und Natur!”

Nachgefragt

Wie die Diakonie das Thema Nachhaltigkeit angeht, erläutert Dr. Marianne Dehne, Referentin für Nachhaltigkeit der Diakonie Deutschland.

Marianne Dehne: In der Diakonie setzen wir uns von Haus aus für soziale Belange, Menschen in Not und den gesellschaftlichen Zusammenhalt ein. Das heißt, die „soziale Säule“ der Nachhaltigkeit ist bei uns in den besten Händen. Wir leisten einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung von mindestens zehn der 17 nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen in Deutschland. Dazu zählen beispielsweise „Keine Armut“, „Gesundheit und Wohlergehen“ und „Hochwertige Bildung“. 

Allerdings haben wir noch sehr viel mehr Handlungsmöglichkeiten, wenn wir den Blick auf ökologische Aspekte und die Einhaltung von Menschenrechten weltweit ausdehnen. Gerade den Themen Klimaschutz und Nachhaltige Beschaffung können und müssen wir uns noch stärker engagieren.

Das ist umso wichtiger, als wir rein mengenmäßig wirklich einen Unterschied machen könnten: Wenn alle 31.600 diakonischen Einrichtungen im großen Stil Energie einsparen und ökofaire Produkte einkaufen würden, wäre für den Planeten und die Menschen in den Produktionsländern viel gewonnen!

Dehne: Mit dem Netzwerk „Nachhaltigkeit @ Diakonie“, das sich seit 2018 zweimal jährlich trifft und für alle interessierten Vertreter*innen der Diakonie offen ist, haben wir eine Plattform zum persönlichen Austausch geschaffen. Zwischen den Treffen werden Infomails versendet mit Hinweisen auf interessante Links und Tools, Fördermöglichkeiten, Unterstützungsangebote und aktuelle Entwicklungen. Wir bieten Veranstaltungen an und setzen inhaltliche Schwerpunkte zur Profilbildung, wie zum Beispiel beim Thema „Nachhaltige Textilien“. Dazu haben wir 2019 gemeinsam mit dem Bundesentwicklungsministerium eine Machbarkeitsstudie durchgeführt. Derzeit überlegen wir, wie es beim Thema Klimaschutz weitergehen kann.

Außerdem versuchen wir natürlich, das Thema Nachhaltigkeit so konsequent wie möglich im eigenen Haus umzusetzen, also in unserer Geschäftsstelle im Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung. Das Gebäude selbst entspricht dem Goldstandard der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen. Wir haben ein Umweltmanagementsystem, sind zertifiziert nach dem audit berufundfamilie und berücksichtigen bei unseren Finanzanlagen anspruchsvolle ethische Anlagekriterien. Großen Wert legen wir auch auf die nachhaltige Beschaffung.

Dehne: Wir müssen immer den doppelten Blick haben: Erstens sind wir natürlich gefordert, aus sozialpolitischer Sicht Stellung zu beziehen, damit Klima- und Umweltschutz nicht auf Kosten benachteiligter Bevölkerungsgruppen geht. So muss Energie auch für einkommensschwache Haushalte bezahlbar bleiben und die notwendige Sanierung von Gebäuden darf nicht die Mieten in die Höhe treiben. Das heißt aber nicht, dass wir Klimaschutz und soziale Aspekte gegeneinander ausspielen wollen, im Gegenteil! 

Zweitens müssen wir uns in der Politik auch dafür einsetzen, dass die diakonischen Einrichtungen Unterstützung erhalten für die großen Umstellungsprozesse, die zur Bewältigung der Klimakrise und anderer Herausforderungen notwendig sind. Als gemeinnützige Sozialunternehmen haben sie von sich aus wenig finanzielle Spielräume dafür - und wir wollen ja, dass es schnell vorangeht. 

Ansprechpartner

© Hermann Bredehorst

Dr. Marianne Dehne

Ökonomie

030 65211-1828

[email protected]