KLIMASCHUTZ IST MENSCHENSCHUTZ
Die Folgen der Klimakrise sind längst im Alltag der Diakonie angekommen. Hitze, Extremwetter und neue Anforderungen an nachhaltiges Wirtschaften stellen Einrichtungen und Dienste vor große Herausforderungen. Mit Zuversicht, Innovationskraft und konkreten Maßnahmen für Hitzeschutz, Klimaanpassung und nachhaltiges Wirtschaften entwickeln viele diakonische Träger Lösungen für die Zukunft.
Zuversichtlich vorangehen – das tun diakonische Einrichtungen, die versuchen, immer klimafreundlicher zu wirtschaften. Denn Klimaschutz ist Menschenschutz. Es geht bei allen Maßnahmen immer darum, dass wir alle weiterhin möglichst gesund auf unserem Heimatplaneten leben können. Und damit die Erde sich nicht zu sehr erwärmt, müssen wir handeln.
Schon jetzt haben diakonische Unternehmen mit den Folgen der Klimakrise umzugehen: Hitze ist das größte durch sie bedingte Gesundheitsrisiko in Deutschland – und betrifft uns alle.
Hitzebelastung steigt
Besonders gefährdet sind ältere Menschen, chronisch Kranke, Kinder, Menschen, die im Freien arbeiten oder obdachlos sind. Aber auch wer in schlecht isolierten Gebäuden lebt, leidet unter hohen Temperaturen.
Die Hitzebelastung hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Extreme Hitzeereignisse mit lang anhaltenden Temperaturen um und über 40 Grad können auch in Deutschland häufiger auftreten. Darauf müssen wir uns besser vorbereiten. Deshalb beschäftigte sich die 6. Strategietagung Nachhaltigkeit von der Diakonie Deutschland, dem Verband diakonischer Dienstgeber und der Bank für Diakonie und Kirche damit, wie man Klimarisiken erkennen, Resilienz stärken und neue Regulierungen antizipieren kann.
Mit guten Beispielen voran
Wie Klimaschutz und Klimaanpassung konkret gelingen können, zeigen zahlreiche Einrichtungen. Sabine Kutschus, Geschäftsführerin der Dienste für Menschen gGmbH, teilte ihre Erfahrungen bei der klimafreundlichen und -resilienten Sanierung von drei Pflegeeinrichtungen unter den Aspekten Hitzeschutz, Klimapositivität und Refinanzierung. Ihr Fazit: „Es geht in der Regel viel mehr als gedacht. Die Investitionskosten sind hoch und die Technologien anspruchsvoll. Wir werten es als Vorteil, dass durch die durchgeführten Maßnahmen die Abhängigkeiten von externen Energieversorgern sinken, und schätzen die Effekte auf die Wohnqualität der Bewohnerinnen und Bewohner. Also, es lohnt sich.“
Wie man schon ohne große Umbauten im Alltag einer diakonischen Einrichtung Hitzeschutz umsetzen kann, zeigt Katharina Haverkamp in der Handreichung „Klimaanpassung in diakonischen Einrichtungen“.
Voneinander lernen und Lösungen entwickeln
Um das Thema voranzutreiben, entwerfen Einrichtungen von Diakonie, Parität und Deutschem Roten Kreuz gemeinsam mit der Uni Kassel Sanierungsfahrpläne für konkrete Bauvorhaben. Im Projekt werden die Träger von der Uni Kassel beraten, Blaupausen für die Verhandlungen mit Kostenträgern entwickelt und Argumente ausgetestet. „Es ist uns wichtig, von den Erfahrungen anderer lernen und profitieren zu können, und gleichermaßen auch unsere eigenen Herausforderungen und Lösungsansätze teilen zu dürfen. Aus der Zusammenarbeit versprechen wir uns vor allem Lösungsansätze, wie die Finanzierung klimarelevanter Investitionen für Sozialunternehmen machbar gestaltet werden kann“, sagt Daniel Kuhn, Technischer Leiter und Klimamanager der Diakonie Kork.
Projekt 1.000 Gärten
Auch im Rahmen des Projekts „1.000 Gärten“ der Diakonie und des Naturschutzbunds Deutschland (NABU) haben zahlreiche diakonische Einrichtungen auf niedrigschwelligem Weg einen Beitrag zu Klimaanpassung und Biodiversität geleistet.
Es wurden Beete angelegt, Blumen und Bäume gepflanzt. Damit wurde nicht nur an die Umwelt gedacht, sondern auch gemeinschaftliches Engagement gefördert.
Das P.A.N. Zentrum der Fürst Donnersmarck-Stiftung hat zum Beispiel das Außengelände seines Rehabilitationszentrums naturnah und insektenfreundlich umgestaltet. „Ein besonderes Highlight ist unsere Eidechsenburg: Auf den aufgewärmten Steinen sieht man sie regelmäßig beim Sonnenbaden“, berichtet Daniel Schleher, Freizeitpädagoge im P.A.N. Zentrum.
Nachhaltigkeitsberichterstattung bleibt wichtig
Der vergangene Diakonie-Jahresbericht berichtete über die Vorgaben des „Green Deal“ der Europäischen Union und was sie für diakonische Unternehmen bedeuten. Inzwischen wurde der Green Deal erheblich abgeschwächt. Mit den Stimmen der Europäischen Volkspartei (EVP) und den rechtsaußen Parteien im Europaparlament wurde beschlossen, dass eine Pflicht zur Nachhaltigkeitsberichterstattung nur noch für Unternehmen mit mindestens eintausend Beschäftigten und 450 Millionen Euro Umsatz besteht. Somit hat der Druck, einen Nachhaltigkeitsbericht zu verfassen, für viele Unternehmen stark nachgelassen.
Allerdings fragen weiterhin Banken und Versicherungen nach der Leistung in diesem Bereich. Denn Banken müssen gegenüber der Europäischen Zentralbank (EZB) berichten, welche ESG-Risiken (Environmental, Social, Governance) sie eingehen. Dr. Ekkehard Thiesler, Vorstandsvorsitzender der Bank für Kirche und Diakonie, berichtete bei der Strategietagung Nachhaltigkeit, dass erste Banken in Europa von der EZB abgemahnt wurden, weil sie die europäischen Nachhaltigkeitsvorgaben nicht eingehalten haben. Nachhaltiges Wirtschaften bleibt also auch bei der Kreditvergabe relevant! Und ein freiwilliger Nachhaltigkeitsbericht nach dem VSME-Standard ist eine gute Möglichkeit, vorhandene Leistungen darzustellen und sich kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Damit die freiwillige Nachhaltigkeitsberichterstattung für Träger und Einrichtungen der Freien Wohlfahrt möglichst einfach gelingt, hat die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege einen Leitfaden dazu veröffentlicht. Außerdem findet man auf der Eingabemaske des Deutschen Nachhaltigkeitskodex branchenspezifische Hinweise zum Ausfüllen des Berichts in der DNK-Datenbank.
Schöpfung bewahren – mit Mut und Zuversicht
Zahlreiche Vertreterinnen von diakonischen und caritativen Einrichtungen nehmen den biblischen Auftrag zur Bewahrung der Schöpfung beim Wort und arbeiten seit Anfang 2026 in Arbeitsgruppen zu den Themen Klimaanpassung, Energiemanagement, Beschaffung, Biodiversität, Treibhausgasbilanzierung, Einbindung von Mitarbeitenden und Nachhaltigkeitskommunikation eng zusammen. Die Ergebnisse präsentierten sie am 15. und 16. September 2026 beim CSR-Netzwerktreffen von Caritas und Diakonie in Hofgeismar.
Es macht Mut, dass so viele weiter dranbleiben und mit Zuversicht vorangehen, auch wenn sich politische Rahmenbedingungen ändern.
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Johanna Gary – Leitung Gruppe Nachhaltigkeit der Diakonie Deutschland