Starkes Signal für die Freie Wohlfahrtspflege und den Sozialstaat
Forsa-Umfrage zeigt: Mehrheit der Bevölkerung setzt auf gemeinnützige Angebote und Werteorientierung
28.09.2026
Wenn es um soziale Infrastruktur wie Kinderbetreuung, Altenpflege und -hilfe oder Beratung in Krisen geht, lehnt die Bevölkerung radikale Einheitslösungen ab. Das geht aus einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Diakonie Deutschland hervor. Fast die Hälfte der Befragten (48 Prozent) fordert ausdrücklich ein Zusammenspiel verschiedener Träger. Ein gutes Drittel (36 Prozent) sieht die Hauptverantwortung für die Erbringung solcher Leistungen beim Staat. Zwölf Prozent sprechen sich primär für freie gemeinnützige Organisationen aus. Eindeutig fällt das Urteil über kommerzielle Anbieter aus: Lediglich ein Prozent der Menschen möchten soziale Leistungen vorrangig privaten Unternehmen überlassen. Die Erwartung der Bevölkerung richtet sich damit klar auf gemeinwohlorientierte Strukturen.
Diakonie-Präsident Rüdiger Schuch: „Die Menschen in Deutschland wünschen sich bei sozialen Aufgaben kein Entweder-oder zwischen Staat und freien, gemeinnützigen Trägern, sondern ein starkes Miteinander. Die Umfrage zeigt: Gemeinnützige Träger und ein handlungsfähiger Staat genießen großes Vertrauen. Wo Verantwortung übernommen wird und Werte glaubwürdig gelebt werden, wirkt soziale Arbeit. Das ist ein starkes Signal für die Diakonie und die Freie Wohlfahrtspflege insgesamt.“
Die Umfrage macht deutlich, welche Kriterien für das Vertrauen der Menschen entscheidend sind. An der Spitze der Erwartungen stehen Glaubwürdigkeit und Haltung:
- 71 Prozent legen besonderen Wert darauf, dass Träger transparent über ihre Arbeit informieren.
- 68 Prozent erwarten eine Orientierung an klaren Werten.
- 55 Prozent ist es wichtig, dass die Anbieter gemeinnützig arbeiten.
Mit einem dichten Netz aus Kitas, Pflegeeinrichtungen und Beratungsstellen unterstützt die Freie Wohlfahrtspflege Menschen in jeder Lebenslage und in sozialer Not – gemeinnützig, unabhängig und wertegebunden. Bei der Diakonie arbeiten und engagieren sich rund 1,4 Millionen Menschen, um jährlich etwa zehn Millionen Menschen deutschlandweit mit verschiedenen Pflege-, Beratungs- und Hilfsangeboten zu unterstützen.
In Zeiten knapper Kassen und einschneidender Reformen sende die Umfrage zugleich ein Signal an die Bundesregierung für einen starken Sozialstaat. „Reine Spardebatten helfen nicht weiter, wenn es um die Daseinsvorsorge geht. Die Regierungskoalition muss diese Botschaft ernst nehmen und dafür sorgen, dass sich diese Erwartungen der Menschen in der Politik widerspiegeln“, so Schuch weiter.
Die Erfahrung mit Angeboten freier, gemeinnütziger Träger ist in der Bevölkerung weit verbreitet, vor allem bei der Gruppe der 30- bis 59-Jährigen. Angesichts der Bandbreite von der Kita über die Beratungsstelle bis zur Pflege zeigt das die Alltagsnähe der Freien Wohlfahrtspflege. Leben Kinder im Haushalt, wurde ein Angebot freier Träger mit 55 Prozent weit häufiger genutzt als in Haushalten ohne Kinder mit 40 Prozent. Kein anderes Merkmal unterscheidet die Befragten so deutlich wie das Alter: Jüngere Menschen zwischen 18 und 29 Jahren setzen mit 47 Prozent deutlich häufiger auf den Staat als die über 60-Jährigen mit 33 Prozent. Umgekehrt gewinnt das Modell der Mischung mit dem Alter an Zuspruch, von 40 Prozent bei den Jüngsten auf 52 Prozent bei den Ältesten.
Vor diesem Hintergrund und mit Blick auf eine immer älter werdende Gesellschaft betont der Diakonie-Präsident, dass der Sozialstaat in Deutschland vom Zusammenspiel lebt: „Der Staat trägt Verantwortung – aber er soll nicht jede soziale Aufgabe selbst organisieren. Gemeinnützige Träger sind ein unverzichtbarer Partner, wenn es darum geht, Menschen verlässlich, wohnortnah und niedrigschwellig zu unterstützen. Bei den anstehenden Reformen des Sozialstaats muss diese bewährte Zusammenarbeit erhalten bleiben.“
Hinweis:
Die repräsentative Umfrage zum Thema „Erwartungen an soziale Träger“ wurde von forsa – Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH im Auftrag der Diakonie Deutschland durchgeführt. Befragt wurden 2.000 Personen ab 18 Jahren, die nach einem systematischen Zufallsverfahren ausgewählt wurden. Die Befragung wurde vom 13. bis 17. Juli 2026 telefonisch durchgeführt.
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