Illustration mit Mann und Frau, in deren Mitte ein Kind zu sehen ist
© Diakonie/Francesco Ciccolella
Diakonie Deutschland zum Monitoring des nicht-invasiven Pränataltests

Chance für ethische Debatte nutzen

08.10.2026

Der Bundestag will heute über einen fraktionsübergreifenden Antrag für ein Monitoring des nicht-invasiven Pränataltests (NIPT) abstimmen. Darin fordert der Bundestag die Bundesregierung auf, ein umfassendes Monitoring einzurichten, dessen Ergebnisse bis spätestens Ende Juni 2027 vorliegen sollen. Darüber hinaus soll ein interdisziplinäres Expertengremium aus Medizin, Ethik und Recht die Grundlagen der Kassenzulassung prüfen und Empfehlungen für eine rechtssichere und ethisch verantwortliche Weiterentwicklung erarbeiten.

Rüdiger Schuch, Präsident der Diakonie Deutschland: „Wir brauchen dringend eine ernsthafte gesellschaftliche Debatte darüber, was es bedeutet, wenn ein Pränataltest faktisch zu einem Screeningtest für alle Schwangeren wird. Der Antrag liefert dafür die notwendige Grundlage. Doch es geht hier nicht nur um Daten. Der Beschluss schafft Raum für eine ethische Debatte. Und es ist entscheidend, was wir daraus machen. Aus der Evaluation müssen Handlungsempfehlungen folgen. Dabei kommt es auf zwei Punkte an: die Wahlfreiheit werdender Eltern schützen und die gesellschaftliche Anerkennung von Menschen mit Behinderungen. Deshalb muss es zugleich darum gehen, Familien mit Kindern mit Behinderungen konkret zu unterstützen und ihre Lebensbedingungen spürbar zu verbessern.“ 

Die Diakonie Deutschland begleitet werdende Eltern deutschlandweit in über 300 Schwangerschafts- und Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen. Das Angebot umfasst auch die Beratung zu vorgeburtlichen Untersuchungen, auffälligen Befunden und medizinisch begründeten Spätabbrüchen.

Hintergrund zum NIPT 

Bei dem Test handelt es sich um ein Suchverfahren, mit dem mittels einer Blutprobe der Schwangeren das Risiko für Trisomie 13, 18 und 21 schon früh in der Schwangerschaft bestimmt werden kann. Die Diakonie Deutschland begrüßt den Parlamentsbeschluss und sieht darin die Chance für eine ethischen Debatte über die Grenzen solcher Bluttests.  

Der nicht-invasive Pränataltest (NIPT) ist seit Juli 2022 unter bestimmten Voraussetzungen eine Kassenleistung. Seitdem ist seine Nutzung stark gestiegen: Die vorliegenden Daten der BARMER zeigen, dass durchschnittlich fast 50 Prozent der Schwangeren 2024 einen NIPT in Anspruch nahmen, ein Jahr zuvor waren es noch 32 Prozent. Damit ist der Test faktisch zu einem Screeningtest geworden. Die Inanspruchnahmeraten variieren erheblich nach Alter – von etwa 25 Prozent bei unter 26-Jährigen bis zu 75 Prozent bei über 40-Jährigen.  

Kontakt

© Diakonie/Hermann Bredehorst

Kathrin Klinkusch

Pressesprecherin

030 652111780

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