Themenschwerpunkt

Vertrauliche Geburt

© Diakonisches Werk Wiesbaden

Die vertrauliche Geburt bietet schwangeren Frauen die Möglichkeit, ihr Kind medizinisch sicher und ohne Preisgabe ihrer Identität zur Welt zu bringen. Einmalig werden die Daten der werdenden Mutter von einer Beraterin erfasst und danach sicher hinterlegt. Im Alter von 16 Jahren kann das Kind die Identität seiner Mutter erfahren. Dadurch ist – im Gegensatz zur gesetzlich ungeregelten anonymen Geburt – das Grundrecht des Kindes auf Kenntnis der eigenen Herkunft gewährleistet.

Anonyme Geburten überflüssig machen

Wir begrüßen ausdrücklich den Ausbau der Hilfen für Schwangere in psychosozialen Krisen und die gestärkten Rechte des Kindes. So werden Babyklappen und anonyme Geburten langfristig überflüssig. Dafür muss der Einsatz der Schwangerschaftsberatungsstellen in vielfältigen Kooperationen entsprechend finanziert werden. Wir erwarten vom Bund mehr geeignete Maßnahmen, die das Verständnis für Eltern erhöhen, die ihr Kind zur Adoption freigeben.

Maria Loheide, Vorstand Sozialpolitik der Diakonie Deutschland

„Mit der vertraulichen Geburt gibt es erstmals eine legale Regelung die hilft, Kindesaussetzungen zu verhindern”

Nachgefragt

Das Gesetz zur vertraulichen Geburt ist seit dem 1. Mai 2014 in Kraft. Was die vertrauliche Geburt ist, erklärt Angelika Wolff, Referentin für Familienberatung und Frühe Hilfen der Diakonie.

Angelika Wolff: Die vertrauliche Geburt ist ein neues Verfahren für schwangere Frauen, die ihre Schwangerschaft geheim halten möchten: Es stellt ein legales und sicheres Angebot dar und soll Babyklappen und anonyme Geburten in Zukunft überflüssig machen. Vertraulich bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die schwangere Frau gemeinsam mit der Schwangerschaftsberatungsstelle den Konflikt besprechen kann und ein Weg gefunden wird, das Kind unter medizinischer Begleitung sicher zu gebären und dabei ihre Anonymität zu wahren. In dem Prozess der vertraulichen Geburt muss die Mutter nur ein einziges Mal ihre Daten angeben. Diese Angaben der Mutter werden streng vertraulich behandelt, für das Kind jedoch sicher aufbewahrt. So erhält es zu einem angemessen Zeitpunkt Antworten auf Fragen wie: “Wer ist meine leibliche Mutter?“ oder “Was zeichnet meine Herkunft aus?“. Die vertrauliche Geburt unterscheidet sich maßgeblich von den bisherigen Angeboten, die nicht wirklich legal sind. Bei der vertraulichen Geburt ist die Mutter rechtlich abgesichert und muss keinerlei Gefährdung des Kindes eingehen. 

Wolff: Nach einigen erschreckenden Kindesaussetzungen und -tötungen wurden 1999 die ersten Angebote – beispielsweise in Form der Babyklappe –  für schwangere Frauen in Notlagen geschaffen. Damals herrschte die Annahme, es gäbe eine fest eingegrenzte Zielgruppe: Minderjährig, ohne Arbeit, ohne festen Wohnsitz, drogenabhängig, ein gewalttätiger Partner oder sogar Zuhälter. Jetzt wurden erste Erhebungen durchgeführt. Die Ergebnisse sind zwar sehr vage, da Nutzerinnen Angaben daher oft scheuen. Doch es zeigt sich, dass die Gruppe der Betroffenen überraschend heterogen ist. Nur ein sehr begrenzter Teil der Frauen, die ihr Kind in eine Babyklappe legten oder es anonym geboren haben, gehörten der mutmaßlichen Zielgruppe an. Bei vielen Frauen spielten Faktoren in die Entscheidung mit hinein, die gar nicht auf der Hand liegen: “Ich habe bereits  Kinder, ein weiteres würde mich völlig überfordern" oder “Mein Partner möchte kein Kind mehr. Wenn er erfährt, dass ich nochmal schwanger bin, verlässt er mich.“ Generell handeln die Frauen oft aufgrund von sozialem Druck, den sie vom Partner, den eigenen Eltern oder der Gesellschaft ausgehend verspüren.

Wolff: Die Diakonie begrüßt das neue Angebot der vertraulichen Geburt: Sie sichert Mutter und Kind in erster Linie medizinische Versorgung und eine sichere Geburt. Darüber hinaus schließt die vertrauliche Geburt einen guten Kompromiss zwischen den Rechten der Mutter und denen des Kindes: Die Identität der Mutter wird bis zum 16. Geburtstag des Kindes unter Verschluss gehalten. Zudem kann sie Fotos und Informationen für ihr Kind hinterlegen– für einige Frauen ist es sehr tröstlich zu wissen, dass das eigene Kind Andenken an  seine leibliche Mutter erhält. Für das Kind wiederum bedeutet die vertrauliche Geburt, dass es in jedem Falle seine Herkunft erfahren kann. Zudem erhalten Neugeborene durch die vertrauliche Geburt viel schneller einen eigenen Rechtsstatus als bei der Regelung der Babyklappe. Rein körperlich und emotional hat es natürlich eine Existenz. Über eine gesicherte Identität, den sogenannten Personenstand, und eine Staatsbürgerschaft verfügt es erst, wenn es beim Standesamt angemeldet ist. Doch nicht nur die Rechte von Mutter und Kind werden gewahrt: Auch Ärzte, Klinikpersonal und Behörden bekommen endlich Handlungssicherheit beim Umgang mit Frauen in Notlagen. Schließlich sollte Helfen immer legal sein.

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