APROPOS RESILIENZ

In Zeiten multipler globaler und regionaler Krisen, deren vielfältige Folgen auch im Sozial- und Gesundheitsbereich mit Wucht ankommen, steht die Diakonie vor großen Herausforderungen. Aber es gibt auch gute Beispiele des Gelingens, die erzählt werden müssen.

Illustration einer Frau und eines Mannes, die sich gegenseitig im Arm halten und ein Kronenkreuz zwischen sich tragen

„Mit Mut und Zuversicht“, so ist dieser Jahresbericht überschrieben. Ein diakonisches Motto, ein christliches, eines, das signalisiert: Als Christinnen und Christen haben wir allen Grund dazu, mutig und zuversichtlich zu sein, und wir teilen dies der Welt mit.

Und doch klingt in diesem Motto auch an, dass es oft mühsam ist, den Mut hoch und die Zuversicht aufrecht zu halten. Denn wo Mut und Zuversicht zum hoffnungsvollen Motto ernannt werden, ist die Grundstimmung meist gerade nicht von Zuversicht geprägt. Vielmehr liegen zahllose Gründe vor, den Mut zu verlieren. Die Folgen globaler Krisen und Kriege bekommen wir täglich zu spüren.

Die Folgen globaler Krisen

Wir bekommen sie zu spüren im Umgang mit Klient:innen, die vor Krisen und Kriegen geflüchtet sind. Wir bekommen sie zu spüren, wenn Kürzungen im Sozial- und Gesundheitsbereich vorgenommen werden, auch als Folge erhöhter Investitionen in die innere und die äußere Sicherheit. Wir bekommen sie zu spüren, wenn Menschen in unseren Einrichtungen unter der Hitze eines viel zu heißen Sommers leiden. Und wir spüren den demografischen Wandel und den Fachkräftemangel bereits jetzt, wissend, dass sie sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten noch massiver auswirken werden. Die Dynamik der digitalen Entwicklung und der neuen KI-Technologien birgt gleichermaßen große Chancen und erhebliche Risiken für die Zukunft. Und es sind vor allem junge Menschen, deren Leben in besonderer Weise von Anfang an massiv von diesen Entwicklungen beeinflusst wird.

Verlustängste und Verunsicherung

Illustration einer weinenden Frau

Als Folge all dessen erleben wir eine wachsende gesellschaftliche Polarisierung, Verlustängste und Verunsicherung – im Gespräch mit Ratsuchenden, Patient:innen und Klient:innen, im Austausch mit Kolleg:innen, in unserer sozialpolitischen Arbeit und auch in unserem privaten Umfeld.

Unsere Arbeit für die Schwächsten, die Verwundbarsten, die Schutzlosesten wird bisweilen infrage gestellt, mitunter werden wir als Diakonie angefeindet. Zum einen durch die wachsende Zustimmung zu populistischen und extremistischen Parteien und deren Vision einer autoritären Staats- und Regierungsform. Zum anderen aber auch durch ein schwindendes Verständnis für das Prinzip der Subsidiarität insgesamt, auch unter Vertreter:innen demokratischer Parteien.

Hoffnungsvolle Signale

Illustration eines Menschen, auf dessen T-Shirt sich ein Weg mit Wegweiser schlängelt

Und alldem zum Trotz: Es gibt sie, die guten, die hoffnungsvollen Signale. Zumeist erleben wir, dass der Diakonie nach wie vor – und das zu Recht – großes Vertrauen entgegengebracht wird. Sowohl von den Menschen, die sich der Diakonie auf der Suche nach Unterstützung anvertrauen, als auch von den Menschen, die die Diakonie als Arbeitgeberin wählen. Und ebenso kommen diese Signale aus der Politik, die in der Diakonie auf kommunaler, aber auch auf Landes- und Bundesebene eine verlässliche und kompetente Ansprechpartnerin hat – und dies auch zu schätzen weiß.

Im Bundesverband formulieren wir Positionen und Stellungnahmen, die wir in die Auseinandersetzung mit der Bundespolitik einbringen. Das konstruktiv-kritische Gespräch zwischen Freier Wohlfahrtspflege und Politik ist essenziell – und es gelingt.

Wenn wir auch manchmal unsere Kritik besonders laut und kreativ vorbringen müssen, wie mit der Postkartenaktion an Bundeskanzler Friedrich Merz. Mehr als 70.000 Postkarten unter dem Motto „Wer jetzt kürzt, zahlt später drauf“ wurden an den Kanzler versendet, um gegen Vorschläge zu massiven Kürzungen im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe und der Eingliederungshilfe zu protestieren. Die Diakonie mit ihrer hunderttausendfachen Expertise in allen Bereichen der Gesundheits- und Sozialpolitik, mit ihrer Erfahrung aus rund 34.000 Diensten und Einrichtungen – sie wird gehört und geschätzt. Und es liegt an uns, als Bundesverband und als Diakonie insgesamt, unsere Arbeit immer wieder zu erklären, anschaulich, lebendig, mit fachlicher Expertise und Beispielen aus der Praxis. Es liegt an uns, das Prinzip der Subsidiarität zu erklären, wo es droht, in Vergessenheit zu geraten, und es als ein Fundament unserer demokratischen, eigenverantwortlichen, resilienten Gesellschaft zu verteidigen, wo es angegriffen wird.

  • Porträtfoto von Dr. Jörg Kruttschnitt, Vorstand Finanzen, Personal und Recht der Diakonie Deutschland
    © Diakonie/Die Hoffotografen

    Es liegt an uns, das Prinzip der Subsidiarität zu erklären, wo es droht, in Vergessenheit zu geraten, und es als ein Fundament unserer demokratischen, eigenverantwortlichen, resilienten Gesellschaft zu verteidigen, wo es angegriffen wird.

    Dr. Jörg Kruttschnitt Vorstand Finanzen, Personal und Recht der Diakonie Deutschland

Christliche Werte als Kompass

Illustration einer Kirche in cyan

Und apropos Resilienz: Als Diakonie haben wir ein Fundament, das trägt, das uns resilient macht. Und das ist unser christliches Werteverständnis, unsere Überzeugung, dass jeder Mensch vor Gott gleich und von Gott gleichermaßen geliebt ist. Bei allen sozial-, gesundheits- und gesellschaftspolitischen Fragen, zu denen wir uns mit unserer fachlichen Expertise positionieren, trägt uns dieses Fundament, von dem aus wir unsere Forderungen und unsere Haltung formulieren. Gerade in einer Zeit, die von Verunsicherung und Verlusterfahrungen geprägt ist, stellt diese Bezugnahme einen essenziellen Kompass dar. Es ist ermutigend, dass wir immer wieder, gerade im Gespräch mit Menschen, die selbst der Kirche fernstehen, den Appell hören: Erzählt davon, dass ihr Christ:innen seid! Macht es sichtbar! Es ist relevant! Ihr werdet mit dieser Stimme gebraucht!

Manchmal braucht genau das Mut. Aber wir bekommen Rückenwind, zum Beispiel durch die Urteile des Bundesverfassungsgerichts im September 2025 und des Bundesarbeitsgerichts im Mai 2026, die das Selbstbestimmungsrecht von Kirche und Diakonie stärken. Es ist gerade dieses starke Bekenntnis, das die Diakonie als Arbeitgeberin auch für Menschen attraktiv macht, die selbst nicht Christ:innen sind, die aber die christlichen Werte teilen. So kann die Diakonie beides sein: erkennbar evangelisch und zugleich vielfältig.

  • Porträtfoto von Rüdiger Schuch, Präsident der Diakonie Deutschland
    © Diakonie/Die Hoffotografen

    Es ist ermutigend, dass wir immer wieder, gerade im Gespräch mit Menschen, die selbst der Kirche fernstehen, den Appell hören: Erzählt davon, dass ihr Christinnen und Christen seid! Macht es sichtbar! Es ist relevant! Ihr werdet mit dieser Stimme gebraucht!

    Rüdiger Schuch Präsident der Diakonie Deutschland

Veränderung zum Guten

Ja, manchmal braucht es Mut, um zuversichtlich zu sein. Aber blicken wir zurück auf das vergangene Jahr, sehen wir, dass es gute Gründe gibt, diesen Mut aufzubringen. Denn gerade aus ihm entsteht die Kraft, die nötig ist, um Veränderung zum Guten zu bewirken.

Illustration eines Menschen, der aus seinen Händen ein Herz formt

Als Vorstand der Diakonie Deutschland blicken wir daher zuversichtlich in die Zukunft und zeigen das auch nach außen: Mit einem frisch überarbeiteten Corporate Design, das ab 2027 allen diakonischen Werken und Trägern zur Verfügung stehen wird, werden wir nicht nur moderner und barriereärmer, sondern als Diakonie insgesamt sichtbarer und leichter wiedererkennbar. Und mit der neuen Wertekampagne der Diakonie Deutschland, die im Frühjahr 2027 startet, wird Mut für die kommenden Jahre zum Motto erklärt. 

Wir freuen uns darauf, diesen Weg mit unseren Mitgliedern, den Mitarbeitenden in unseren Diensten und Einrichtungen, den Menschen, mit denen wir verbunden sind, gemeinsam zu gehen.

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Rüdiger Schuch – Präsident der Diakonie Deutschland

Dr. Jörg Kruttschnitt – Vorstand Finanzen, Personal und Recht der Diakonie Deutschland

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