Illustration Hilfe Arbeitslose, Armut und soziale Ausgrenzung
© Diakonie/Francesco Ciccolella
Gemeinsame Pressemitteilung

Mehr mitreden, mehr Demokratie. Demokratische Teilhabe stärken.

Armutsgipfel 2026 von Diakonie Deutschland, Paritätischem Gesamtverband und Nationaler Armutskonferenz setzt ein Zeichen für sozialen Zusammenhalt und demokratische Teilhabe.

29.09.2026

Armut in Deutschland ist real. Sie bedeutet mehr als mit zu wenig Geld auskommen zu müssen. Sie geht an die Würde und das Selbstwertgefühl und grenzt aus. Menschen, die von Armut betroffen oder bedroht sind, erleben immer wieder Abwertung, Beleidigungen und Respektlosigkeit.  Am 30. September und 1. Oktober veranstalten die Diakonie Deutschland, der Paritätische Gesamtverband und die Nationale Armutskonferenz gemeinsam in Berlin-Kreuzberg den „Gipfel gegen Ungleichheit“. Mit dem Armutsgipfel machen die Verbände deutlich: Armutsbekämpfung ist eine Frage des sozialen Zusammenhalts und der demokratischen Teilhabe. Der Armutsgipfel wird von der Koordinierungsstelle der gewerkschaftlichen Arbeitslosengruppen, der Evangelischen Kirchengemeinde vor dem Halleschen Tor und der Arbeiterwohlfahrt unterstützt.  

Rüdiger Schuch, Präsident der Diakonie Deutschland, mahnt anlässlich des Armutsgipfels, die sozialen Voraussetzungen der Demokratie zu beachten: „Die Gründungseltern der Bundesrepublik Deutschland haben das Sozialstaatsprinzip und die soziale Verpflichtung des Eigentums ins Grundgesetz geschrieben. Heute haben viele Menschen den Eindruck, dass es in unserem Land nicht gerecht zugeht. Gerade Menschen mit Armutserfahrung stellen sehr oft fest, dass sie nicht im Blick der Politik sind. Soziale Sicherheit muss denselben politischen Stellenwert haben, wie innere und äußere Sicherheit. Zunehmender politischer Extremismus kann nur überwunden werden, wenn Menschen auf das Kernversprechen des Sozialstaats vertrauen können: Wer Hilfe und Unterstützung braucht, bekommt sie. Darauf möchte dieser Gipfel aufmerksam machen.“ 

Achim Meyer auf der Heyde, Vorsitzender des Paritätischen Gesamtverbandes, betont die Wichtigkeit von Partizipation armutsbetroffener Menschen: „Wir brauchen Empathie und Teilhabe, und keine Schuldzuweisung an die Betroffenen. Armutsbetroffene Menschen sind Expertinnen und Experten in eigener Sache und sollten viel häufiger gehört werden. Wenn heute über Armut gesprochen wird, werden die Betroffenen oft in ein schlechtes Licht gerückt. Ihnen wird unterstellt, sie seien selbst schuld an ihrer prekären Lage. Statt abwertender Debatten und Kürzungen brauchen wir eine Politik der effektiven Armutsbekämpfung: mehr Förderung, mehr soziale und berufliche Integration und eine bessere soziale Sicherung.“ 

Renate Antonie Krause, in der nationalen Armutskonferenz aktiv zur Überwindung von Altersarmut, weist auf die Gefahr von gesundheitlichen, sozialen und finanziellen Folgeschäden durch unsoziale Einsparvorhaben hin: „Die geplanten Kürzungen bei sozialen Leistungen erschweren eine gesunde Ernährung, verstärken gesundheitliche Probleme und führen zu massiven Folgelasten. Davon sind viele ältere Menschen betroffen, die diesen Staat mit ihren Steuerzahlungen aufgebaut haben und besonders viele Frauen, die Kinder erzogen und Angehörige gepflegt haben. Einsparungen führen zu langfristigen Folgeschäden. Hier muss umgesteuert und nachhaltige Sozialpolitik zum Maßstab werden.“ 

Monja Ben Messaoud, in der nationalen Armutskonferenz aus einer Schnittstellenperspektive für die Themen SGB II, exkludierende Stadtplanung und politische Kommunikation aktiv, sieht in dem aktuellen Existenzminimum den Aspekt einer Kostenunterdeckung gegeben. Auf die in der Neuen Grundsicherung verstärkt zu erwartenden Repressionen über das Anhalten von Sozialleistungen oder die Sanktionen blickt sie mit großer Sorge: „Eine solche erneute Wende in der Sozialpolitik steht für die Fortschreibung der Verstrafrechtlichung des Sozialrechts. Daher blicken Menschen in der Rechtssphäre des SGB II mit großer Angst auf diese Formen existenzieller Bedrohung.”  

Des Weiteren betont sie: „Die bisherigen Entwicklungen untergraben das Vertrauen in die Demokratie! Menschen mit Armutserfahrung müssen daher in der Sozialstaatsreform gleichberechtigt und konstant mit ihrer Expertise beteiligt werden. Eine umfassende Evaluation der Sozialgesetze und ihrer Auswirkungen auf die Menschen ist nötig.“ 


Hintergrund 

Der Gipfel gegen Ungleichheit 2026 in Berlin bringt Menschen mit Armutserfahrung, Politik, Wissenschaft und Verbände zusammen, um soziale Ungleichheit zu diskutieren und Lösungen zu entwickeln. Der Gipfel findet am Mittwoch, 30. September 2026 ab 13:00 Uhr und am Donnerstag, 1. Oktober 2026 bis 13:00 Uhr in Berlin-Kreuzberg in der Heilig-Kreuz-Kirche, beim Bundesverband der Arbeiterwohlfahrt und im IG-Metall-Haus statt. Die Veranstaltung zielt darauf ab, Partizipation und demokratische Teilhabe von Menschen mit Armutserfahrung zu fördern und den Dialog mit Politik, Wissenschaft und Öffentlichkeit zu stärken Sie bietet einen Raum, in dem Betroffene ihre Erfahrungen teilen, ihre Stimme erheben und gemeinsam mit Fachleuten Lösungen für soziale Ungleichheit entwickeln können. 

Weitere Informationen

„Welcher Sozialstaatstyp bist du?“ Mit einem Persönlichkeitstest wollen Diakonie Deutschland und Nationale Armutskonferenz auf den Wert des Sozialstaats hinweisen und zum Gespräch anregen. Dieser wurde zusammen mit dem Armutsnetzwerk, dem Evangelischen Verband Kirche-Wirtschaft-Arbeitswelt und Aktiven aus der katholischen Jugendsozialarbeit erarbeitet.

Kontakt

© Diakonie/Hermann Bredehorst

Kathrin Klinkusch

Pressesprecherin

030 652111780

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