Konferenz für Diakonie und Entwicklung
Demokratie unter Druck: Sozialpolitik und Entwicklungszusammenarbeit im Fokus
15.10.2026
Die wachsenden Zustimmungswerte rechtspopulistischer und rechtsextremer Parteien in Deutschland, in europäischen Ländern und weltweit sind angesichts ihres Menschenbildes, ihrer politischen Zielsetzung und ihres Politikverständnisses besorgniserregend – für die gemeinnützige Wohlfahrtspflege wie für die Entwicklungszusammenarbeit gleichermaßen. Mit den sozial- und entwicklungspolitischen Herausforderungen beschäftigten sich die Delegierten der Konferenz Diakonie und Entwicklung am 14. und 15. Oktober in Berlin. Schwerpunkt war das Thema "Deutschland im Herbst 2026". Gastredner war Prof. Frank Nullmeier vom Deutschen Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung (DIFIS) und SOCIUM Universität Bremen.
Der Bremer Politikwissenschaftler betonte das Bestehen einer Dauerregierungskrise seit 2022 und den fehlenden Konsens in der politischen Mitte. Hinzu komme die Außenpolitik als Konsens- und Konfliktfeld. Er benannte die Folgen der „Zeitenwende" für die Sozialpolitik.
Rüdiger Schuch, EWDE-Vorstandsvorsitzender und Präsident der Diakonie Deutschland:
„Der Sozialstaat ist nicht nur ein Kostenfaktor. Er ist ein Wertschöpfungsfaktor, ein Gelingensfaktor für Wohlstand und sozialen Zusammenhalt. Uns ist klar, dass wir strukturelle Reformen der sozialen Sicherungssysteme brauchen, doch mit Augenmaß. Die aktuell von der Bundesregierung geplanten Reformen belasten gerade Menschen mit kleinen Einkommen besonders hoch. Und sie haben weder das innovative Potential noch die besonderen Refinanzierungsbedingungen der gemeinnützigen Wohlfahrtspflege im Blick. Nicht zuletzt angesichts der wachsenden Zustimmungswerte für die AfD und ihre rechtsextremen politischen Narrative muss der Sozialstaat effizienter und gerechter werden. Die Diakonie arbeitet kritisch-konstruktiv an der Entwicklung und Umsetzung einer klugen Sozialpolitik mit. Wir machen dabei deutlich, welche unverzichtbare Arbeit unsere Dienste und Einrichtungen leisten und welche Werte uns leiten. Unser subsidiär organisierter Wohlfahrtsstaat braucht die vertrauensvolle und wirkungsvolle Zusammenarbeit mit der Freien Wohlfahrtspflege und mit einer engagierten Zivilgesellschaft.“
Dr. Dagmar Pruin, stellvertretende EWDE-Vorstandsvorsitzende und Präsidentin Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe:
„Weltweit steht die Demokratie unter Druck. Regierungen verschärfen Gesetze, trocknen Fördermittel aus und schüchtern engagierte Menschen ein. ‚Shrinking Spaces‘ – also schrumpfender Handlungsspielraum – ist längst kein abstrakter Begriff mehr, sondern Lebensrealität für Millionen Menschen. Umso wichtiger ist es, die Arbeit unserer Partner für Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit und Demokratie weiter weltweit zu unterstützen.“
Weitere Tagesordnungspunkte waren Vorstands- und Ausschussberichte, die Genehmigung des Jahresabschlusses des EWDE zum 31. Dezember 2025 und des Wirtschaftsplans für das Jahr 2027. Die Delegierten beschlossen auch die Neufassung der Satzung des Evangelischen Werkes für Diakonie und Entwicklung. Künftig wird auf die Position des Bundesvorstandes Sozialpolitik in der Diakonie Deutschland verzichtet sowie die Mitgliederzahl der Konferenz von 112 auf 100 reduziert.
Die Konferenz Diakonie und Entwicklung entscheidet als höchstes Beschlussgremium über Grundsatzfragen des Evangelischen Werks für Diakonie und Entwicklung (EWDE), welches die drei Marken Diakonie Deutschland, Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe vereint.
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