Elterngeld wirkt – deshalb darf es nicht gekürzt werden
Deutschland hat so wenige Geburten wie seit Jahrzehnten nicht. Die Bundesregierung plant Kürzungen beim Elterngeld. Das ist das Gegenteil einer familienorientierten Politik.
08.10.2026
Laut Statistischem Bundesamt werden in Deutschland so wenige Kinder geboren wie seit der Nachkriegszeit nicht mehr. Die gewünschte Kinderzahl liegt nach den Erhebungen des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung aber deutlich höher.
Wie die Studie frauen leben 4 zeigt, hängt die Entscheidung für Kinder stärker als früher von den Rahmenbedingungen ab. Zum Beispiel in Niedersachsen nennen Frauen als Gründe gegen (weitere) Kinder vor allem finanzielle Umstände und zu große Sorgen wegen der aktuellen Krisen (jeweils 31 Prozent) sowie partnerschaftsbezogene Gründe (31 Prozent). 24 Prozent sehen nicht ausreichende Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Wer Familien stärken will, darf nicht kürzen
Die in den Medien bekannt gewordenen Kürzungspläne der Bundesregierung haben bereits negative Reaktionen hervorgerufen. Zu Recht: Wer will, dass sich mehr Menschen für ein Kind entscheiden, muss Familien den Rücken stärken.
Der Gesetzentwurf des Bundesfamilienministeriums sieht vor, die Bezugsdauer des Elterngeldes von 14 auf zwölf Monate zu kürzen. Jeweils drei Monate sollen für jeden Elternteil exklusiv sein, sechs Monate frei aufteilbar. Kann nur ein Elternteil Elterngeld beziehen, endet die Absicherung also schon im neunten Lebensmonat des Kindes, lange bevor viele Familien einen Kitaplatz haben.
Nach Ansicht der Diakonie würden die Kürzungspläne Alleinerziehende sowie Familien mit geringerem und mittlerem Einkommen besonders hart treffen, da sie die Partnermonate oft nicht frei aufteilen können.
Das Elterngeld wirkt
Seit 2007 gibt das Elterngeld Eltern finanziellen Spielraum im ersten Lebensjahr ihres Kindes. Die Zahlen zeigen, dass es wirkt. Vor dem Elterngeld nahmen nur rund 3 Prozent der Väter Erziehungsgeld in Anspruch. Bei den 2022 geborenen Kindern lag die Väterbeteiligung laut Familienportal des Bundesfamilienministeriums bei 46,3 Prozent. 2025 erhielten rund 1,61 Millionen Mütter und Väter Elterngeld, und 40,3 Prozent planten ElterngeldPlus ein, ein neuer Höchstwert. Das Elterngeld erreicht also fast alle Familien, fördert Partnerschaftlichkeit und wird flexibel genutzt.
Die Ministerin zeigt sich offen
Bundesfamilienministerin Karin Prien hat Ende September erklärt, die Sparmaßnahmen beim Elterngeld noch einmal zu überprüfen. Auf die Frage, ob sie sich vorstellen könne, die 14 Monate beizubehalten, antwortete sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: „Dafür bin ich offen.“
Gemeinsam mit der evangelischen arbeitsgemeinschaft familie (eaf), dem Familienbund der Katholiken und dem Sozialdienst katholischer Frauen Gesamtverein (SkF) haben wir deshalb ein Positionspapier vorgelegt. Darin fordern wir:
- Die 14 Monate Basiselterngeld bleiben. Zusätzliche, nicht übertragbare Partnermonate sind ein Ausbau und keine Umverteilung.
- Jede Familie braucht mindestens zwölf Monate. Das gilt auch, wenn nur ein Elternteil Elterngeld beziehen kann. Sonst endet die Absicherung schon mit dem neunten Lebensmonat des Kindes.
- Keine Lücke vor dem Kitaplatz. Trotz Rechtsanspruch fehlen weiterhin Plätze, und auch die Eingewöhnung braucht Zeit.
- Mindest- und Höchstbetrag müssen an die Preisentwicklung angepasst werden. Die geplanten Anhebungen des Mindestbetrags auf 330 Euro (bisher 300 Euro) und des Höchstbetrags auf 1.900 Euro (bisher 1.800 Euro) bleiben weit hinter einem Inflationsausgleich zurück. Viele Familien können sich deshalb die Elternzeit des besserverdienenden Elternteils nicht leisten.
Wer Partnerschaftlichkeit stärken will, darf Familien nicht Sicherheit und Zeit nehmen. Die Entscheidung für ein Kind ist langfristig, und die Rahmenbedingungen sollten es auch sein.
Wir nehmen die Ministerin beim Wort
Eine Prüfung allein ändert noch nichts. Deshalb appellieren wir an das Familienministerium und die gesamte Bundesregierung: Machen Sie aus der Offenheit eine Entscheidung. Erhalten Sie die 14 Monate, sichern Sie jeder Familie mindestens zwölf Monate zu und passen Sie die Beträge an die Preisentwicklung an.
Elterngeld stärken statt kürzen!