Digitalisierung in der Pflege
300 Expertinnen und Experten aus Pflegepraxis, Politik und Forschung diskutierten über Potenziale und Hürden der Digitalisierung in der Pflege
25.02.2026
Auf Einladung der Diakonie Deutschland diskutierten heute rund 300 Expertinnen und Experten aus Pflegepraxis, Politik und Forschung über Potenziale und Hürden der Digitalisierung in der Pflege. Auf dem Podium debattierten die Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Katrin Staffler, mit Kai Käßhöfer, Geschäftsführer der evangelischen Stadtmission Karlsruhe; Kersten Höft, Einrichtungsleiter eines Seniorenzentrums in der Uckermark, Dr. Jeanette Winkelhage, Teamleiterin Digitalisierung bei der Forschungsstelle Pflegeversicherung des GKV-Spitzenverbandes und Maxie Lutze, Beraterin am Institut für Innovation und Technik (iit) und Gruppenleiterin „Demografischer und sozio-digitaler Wandel“.
Thema im digitalen Raum und bei den Teilnehmenden vor Ort war insbesondere, wie Innovation und Technikeinsatz in der Pflege gefördert werden können, ohne zusätzliche Belastungen für Pflegekräfte und Träger zu erzeugen.
Die Diakonie Deutschland ist überzeugt: Digitale Technologien können zur Erleichterung von Arbeitsprozessen in der Pflege beitragen und die Attraktivität des Pflegeberufes erhöhen. Die notwendigen Rahmenbedingungen lassen sich aber nicht ohne zeitlichen und finanziellen Mehraufwand bereitstellen. Nur so kann eine digitale Transformation den Bedürfnissen der Pflegebedürftigen und den Arbeitsprozessen der Pflegekräfte gerecht werden. Eine Reduzierung des Personals ist nach Überzeugung der Diakonie Deutschland weder das Ziel noch die notwendige Folge von Digitalisierung.
Elke Ronneberger, Bundesvorständin Sozialpolitik der Diakonie Deutschland: „Digitalisierung in der Pflege bietet großes Potenzial — von Telepflege über sprachgestützte Dokumentation bis zur digitalen Abrechnung. Entscheidend ist, dass die Technik die professionelle Pflege unterstützt und nicht durch reine Kostenkriterien bestimmt wird. Besonders in der Einführungsphase entstehen zusätzliche Aufwände, die finanziell und personell abgesichert werden müssen.“ Technologie in der Pflege müsse sich an den Anforderungen guter Versorgung orientieren und die Arbeit der Pflegekräfte unterstützen – nicht an kurzfristigen Kostenzielen.
Kai Käßhöfer kennt die Herausforderungen aus eigener Erfahrung: „Wir erleben täglich, dass moderne Technologien Prozesse vereinfachen, Doppelstrukturen vermeiden und mehr Zeit für die eigentliche Versorgung schaffen. Damit dieses Potenzial gehoben werden kann, braucht es jedoch verlässliche Rahmenbedingungen, eine solide Finanzierung der Einführungsphase und eine enge Begleitung der Teams.“
Kersten Höft, Leiter eines Seniorenzentrums in der Uckermark und Experte für Telepflege, unterstreicht: „Digitalisierung darf nicht als Sparmaßnahme verstanden werden, sondern als Investition in Qualität und Zukunftsfähigkeit der Pflege.“
Mit Blick auf die unkonkreten Ergebnisse der Bund-Länder-AG „Zukunftspakt Pflege“ appelliert die Diakonie Deutschland an die Gesundheitsministerin, jetzt in die Chancen der Digitalisierung als Baustein für eine zukunftsfähige Pflege zu investieren.
Die Pflegeeinrichtungen brauchen verlässliche Rahmenbedingungen und eine langfristige Finanzierung. Die Politik muss die richtigen Anreize schaffen, dass digitale Technologien auch in der Pflege entwickelt, gefördert und genutzt werden können.
Erforderlich sind aus Sicht des Verbandes insbesondere:
● eine gesetzlich abgesicherte, langfristige Refinanzierung digitaler Investitions- und Betriebskosten,
● eine Verpflichtung zu offenen standardisierten Schnittstellen für digitale Technologien ohne Zusatzkosten für die Pflegeeinrichtungen
● sowie ein Gleichschritt der unterschiedlichen Professionen im Gesundheitswesen in der bundesweiten Digitalisierungsstrategie des Gesundheitswesens, um nutzenstiftende Kommunikation an den Schnittstellen der Versorgung zu ermöglichen.
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