Beratung ja – aber nur mit dem richtigen Ergebnis?
Die Schwangerschaftskonfliktberatung ist gesetzlich geschützt und muss ergebnisoffen sein. Ein Antrag der AfD-Fraktion stellt dieses Prinzip grundsätzlich in Frage.
Auf den ersten Blick richtet sich der am 9. Juli 2026 im Bundestag beratene Antrag der AfD-Fraktion nur gegen eine Organisation. Die AfD fordert, pro familia von der Schwangerschaftskonfliktberatung auszuschließen und laufende sowie zukünftige Zahlungen umgehend einzustellen. Doch der Antrag reicht weit darüber hinaus: Er ist ein Angriff auf das gesamte System staatlich anerkannter Schwangerschaftskonfliktberatung, auf die Trägerpluralität und auf das reproduktive Selbstbestimmungsrecht von Frauen.
Die AfD will, dass die Bundesregierung im Rahmen der Bundesaufsicht darauf hinwirkt, dass Beratungsstellen nur dann anerkannt werden, wenn sie „nach ihrer Grundeinstellung die Gewähr bieten, zum Schutz des ungeborenen Lebens zu beraten". In Bundesländern, in denen dies nicht erfüllt sei, soll die Anerkennung der Beratungsstellen widerrufen werden. Das wäre das Ende einer ergebnisoffenen Beratung – und ein Verstoß gegen das Schwangerschaftskonfliktgesetz, das eine solche ausdrücklich vorschreibt.
Die Beratung der Diakonie ist immer ergebnisoffen
Mit mehr als 300 Schwangerschafts- und Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen im Verbund der Diakonie gehören wir zu den größten Anbietern in Deutschland. Unsere Beratung ist immer ergebnisoffen: Wir begleiten Frauen und Paare in einer oft schwierigen Situation – ohne Vorfestlegung, ohne Druck, mit dem Ziel, die Frauen und Männer zu stärken. Der Antrag zeigt deutlich, wo die AfD beim Thema Familie nicht steht: an der Seite von Frauen, Männern und Paaren in schwierigen Lebenssituationen.
Die Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen: Im Jahr 2024 wurden deutschlandweit 106.455 Schwangerschaftsabbrüche gezählt. Damit hat sich die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche in den letzten zwanzig Jahren um mehr als 20.000 reduziert. Von einer akuten Verschärfung der Situation kann keine Rede sein. Das bestehende Beratungssystem funktioniert – es braucht Stärkung, keine ideologische Einschränkung.
Die vom Bundesgesundheitsministerium beauftragte Studie „Lebenslagen ungewollt Schwangerer – Angebote der Beratung und Versorgung (ELSA)“ zeigt, wo tatsächlich Handlungsbedarf besteht: Ungewollt schwangere Frauen sind häufig mehrfach belastet – durch finanzielle Unsicherheit, fehlende soziale Unterstützung und eingeschränkte Kinderbetreuung. Finanzielle Barrieren spielen eine zentrale Rolle. Wer also wirklich mehr Frauen den Weg zu einem Kind ermöglichen möchte, muss bei den Ursachen ansetzen: bezahlbares Wohnen, verlässliche Kinderbetreuung, auskömmliche Einkommen und starke Familienleistungen wie das Elterngeld.
Der AfD-Antrag liefert dazu keinen konstruktiven Vorschlag. Stattdessen soll das bestehende, gut funktionierende Beratungssystem geschwächt werden. Die Diakonie Deutschland lehnt das entschieden ab – und wird sich weiter dafür einsetzen, dass Frauen in einer schwierigen Lebenssituation professionelle, ergebnisoffene und würdevolle Beratung erhalten.