Zwischen Hype und Realität
25.02.2026
Zur Aufzeichnung der Veranstaltung
Digitalisierung als Baustein für die Pflege von morgen
Auf Einladung der Diakonie Deutschland diskutierten am 25.02.2026 rund 300 Expertinnen und Experten über Potenziale und Hürden der Digitalisierung in der Pflege. Digitalisierung in der Pflege wurde dabei aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet: aus der Praxis, aus Sicht der Träger, der Politik und der Forschung. Dies machte die Diskussion lebendig. Denn es gibt unterschiedliche Realitäten und Erwartungen. Und auch Finanzierungsfragen.
Auf dem Podium debattierten die Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Katrin Staffler, mit Kai Käßhöfer, Geschäftsführer der evangelischen Stadtmission Karlsruhe; Kersten Höft, Einrichtungsleiter eines Seniorenzentrums in der Uckermark, Dr. Jeanette Winkelhage, Teamleiterin Digitalisierung bei der Forschungsstelle Pflegeversicherung des GKV-Spitzenverbandes und Maxie Lutze, Beraterin am Institut für Innovation und Technik (iit) und Gruppenleiterin „Demografischer und sozio-digitaler Wandel“.
Alle waren sich einig, dass digitale Technik die Dokumentation und Verwaltung in der Pflege einfacher machen kann. Laut einer Studie könne sprachgestützte Dokumentation pro Schicht 18 bis 60 Minuten Zeit sparen, und es habe sich sogar die Qualität der Aufzeichnungen durch diese Innovation verbessert.
Bedeutet das tatsächlich dann auch mehr Zeit für die Pflege am Menschen? Dies wurde auf dem Podium, aber auch von den Teilnehmden in Frage gestellt. Denn klar ist: Auch Digitalisierung kostet Zeit, insbesondere am Anfang. Hinzu kommt, dass die Implementierung von digitalen Tools auch Geld kostet: in der Startphase entsteht oft Mehrarbeit, der Schulungsbedarf ist groß und sowieso sind immer noch bestehende Fragen zum Datenschutz nicht geklärt. Hier braucht es Konzepte um sicherzustellen, dass die möglicherweise irgendwann eingesparte Zeit auch in der direkten Pflege ankommt - und nicht in bürokratischen Anforderungen oder Kostensenkungsmaßnahmen erstickt.
Wenn die Digitalisierung eines Unternehmens nicht gezielt und planvoll durchgeführt wird, könne das auch zum sogenannten Technostress führen, erfuhren die Teilnehmenden. Technostress ist eine psychische und körperliche Belastung, die entsteht, wenn digitale Technologien Anforderungen übersteigen oder schlecht integriert und ungeübt sind. Viele IT-Systeme passen noch nicht gut zusammen, es fehlen die entsprechenden Schnittstellen, es ist noch nicht intutiv und umständlich. Dies führt zu Frustration und Konzentrationsproblemen. Und das wiederum steht konträr zur gewünschten Entlastung.
Können wir Technostress durch gute Schulungen, einfache Systeme und klare Abläufe verringern? Wie können wir verhindern, dass Technik mehr belastet als entlastet? Auf dem Podium wurde dazu immer die frühe Einbindung der Mitarbeitenden, praxisnahe Schulungen, auch und insbesondere für Führungskräfte, klare Prozesse und benutzerfreundliche Systeme hervorgehoben.
Die Pflege will bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen mitreden, auf Augenhöhe mit anderen Professionen. Pilotprojekte können zeigen, was praktisch funktioniert – und was nicht. Es sollen nicht Fehler bei der Digitalisierung in anderen Bereichen wiederholt werden, wie zum Beispiel beim Digitalpakt Schule, betonte die Pflegebevollmächtige Frau Staffler.
Auch das Wort „Mut” ist gefallen. Mut zum Fehler machen, Mut zum Fehler eingestehen. Und dann aber wieder das Ziel vor Augen haben: Digitalisierung muss praxisnah, finanzierbar und gemeinsam mit Pflegenden und Ärzt:innen umgesetzt werden. Digitalisierung muss Nutzen in der pflegerischen Versorgung stiften. Digitale Lösungen können die Pflege verbessern – aber nur, wenn sie gemeinsam entwickelt, finanziell abgesichert und praxisnah eingeführt werden.
Die Veranstaltung war Teil einer Veranstaltungsreihe, die seit 2024 gemeinsam von Diakonie Deutschland und den Referent*innen der diakonischen Landesverbände vorbereitet und durchgeführt wird.