Die Energiepreise steigen und das bringt viele Menschen in eine soziale Notlage. Gerade gefährdete Gruppen und Menschen in prekären Lebenssituationen sind von Energiearmut sowie Arbeits- und Wohnungslosigkeit bedroht. Die Diakonie und die Evangelische Kirche möchten ihre Türen und Herzen öffnen: Mit Angeboten vor Ort und Informationen hier auf dieser Seite: Welche staatlichen Ansprüche habe ich bei hohen Heizkosten? Kann ich mich an eine Sozialberatung der Diakonie wenden? Was können wir als Kirche und Diakonie vor Ort tun?  

Aktuelle Nachrichten zur Aktion #wärmewinter finden Sie in unseren Meldungen aus Kirche und Diakonie.

Diese staatlichen Hilfen bei höheren Energiekosten gibt es

Die Enegiepreise steigen: Welche Kosten vom Staat übernommen werden, haben wir für einzelne Gruppen aufgeschlüsselt. Die Handreichung kann auch hier heruntergeladen werden.

Das Jobcenter (für Arbeitsuchende und ihre Angehörigen nach SGB II) beziehungsweise das Sozialamt (für sogenannte „Erwerbsunfähige“ nach SGB XII) übernimmt im Rahmen der Kosten der Unterkunft neben Miete auch die Heizkosten, sofern diese angemessen sind. Also auch höhere Abschlagszahlungen und Nachzahlungen, wenn die Energiekrise für die Kostensteigerungen verantwortlich ist. Ob ein höherer Verbrauch erforderlich war, soll im Einzelfall geprüft werden.

Auch hier müsste das Jobcenter erhöhte Heizkosten oder Nachforderungen für Heizenergie übernehmen, wenn Hilfebedürftigkeit besteht. Hier ist darauf zu achten, dass der Antrag im Monat der Fälligkeit beziehungsweise im Monat der Heizkostenerhöhung gestellt wird.

Beim Kinderzuschlag müssen bei den Heizkosten immer die tatsächlichen Vorauszahlungen zu Beginn des Bewilligungszeitraums berücksichtigt werden. Da der Kinderzuschlag für sechs Monate im Voraus gewährt wird, wäre aber im Einzelfall zu überprüfen, ob wegen erhöhter Abschlags- und Nachzahlungen ein Anspruch auf ergänzende Grundsicherungsleistungen besteht. Hier ist darauf zu achten, dass der Antrag auf ergänzende Leistungen beim Jobcenter beziehungsweise Sozialamt jeweils in dem Monat gestellt werden muss, in dem die Kosten (erstmals) anfallen.

Im Wohngeld ist ein begrenzter pauschaler Zuschuss zu den höheren Kosten vorgesehen. Der Zuschuss für einen Einpersonenhaushalt beträgt 270 Euro, für einen Zweipersonenhaushalt 350 Euro plus 70 Euro für jede weitere Person im Haushalt. Wenn dieser Zuschuss nicht reicht, kann über die erhöhten Energiekosten ein Anspruch auf ergänzende Grundsicherung begründet sein. Dieser wird dann wieder vom Jobcenter beziehungsweise Sozialamt geprüft.

Mit dem Wohngeldrechner des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen lässt sich berechnen, ob und wieviel Wohngeld es gibt. Weitere Informationen zum Anspruch auf Wohngeld gibt es in einem kurzen Video des WDR.

Für BAföG-Beziehende ist eine Einmalzahlung vorgesehen. Diese wird von Amts wegen gewährt, im Einzelfall sollte beim BAföG-Amt nachgefragt werden.

Auch für Rentner:innen soll es eine Einmalzahlung geben, soweit sie nicht schon grundsicherungsberechtigt sind.

Im Regelsatz der Grundsicherung ist eine sehr niedrige Stromkostenpauschale vorgesehen. Bei stark gestiegenen Kosten kann ein Antrag auf Kostenübernahme als Härtefall versucht werden. Die Übernahme von Nachforderungen kann als Darlehen beim Jobcenter beantragt werden, wenn ein Anspruch auf Leistungen für Arbeitsuchende nach SGB II besteht. Im Anschluss ist es sinnvoll, einen Antrag auf Umwandlung des Darlehens in eine Beihilfe nach § 44 SGB II zu beantragen, weil die Rückforderung „angesichts außergewöhnlicher Preissteigerungen bei einer derart gewichtigen Ausgabeposition“ eine unbillige Härte darstellt. Bei Problemen und Widersprüchen suchen Sie Hilfe in Sozialberatungsstellen.

Eine Härtefallregelung im SGB XII fehlt, hier könnte eine flexible Erhöhung des Regelsatzes nach § 27a Abs. 4 SGB XII realisiert werden. Dies ist Entscheidung der kommunalen Träger der Sozialhilfe. Fragen Sie beim Sozialamt oder bei Beratungsstellen nach.

Bei Nichtleistungsberechtigten nach dem SGB II/SGB XII mit geringen Einkünften über dem Leistungsniveau beziehungsweise Beziehende von Kinderzuschlag, Wohngeld oder Ausbildungsförderungsleistungen ist denkbar, dass durch erhöhte energiekosten Hilfebedürftigkeit nach dem SGB II/SGB XII ausgelöst wird; dies würde die Anerkennung als Härtefall voraussetzen.

Es ist sinnvoll, im Zweifelsfall Anträge zu stellen und bei Ablehnung mit Widerspruch zu reagieren. Auch der Gang zum Sozialgericht steht ohne Gerichtskosten offen. Fragen Sie bei Sozialberatungsstellen vor Ort, ob es lokal Hilfe bei der Rechtsvertretung gibt oder wie Anwaltskosten bei Gericht beantragt werden können. In jedem Fall gilt: Leistungsansprüche durch Antrag überprüfen, durch Sozialberatungsstellen bei Bedarf Unterstützung geben lassen.

Der #wärmewinter in den Sozialen Medien

#wärmewinter: Aktion ist erfolgreich angelaufen

Brief von Dr. Annette Kurschus, Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland und Ulrich Lilie, Präsident der Diakonie Deutschland
an die Kirchengemeinden und diakonischen Werke in Deutschland.

© EKD/ Jens Schulze und Diakonie/Thomas Meyer

Was Kirchengemeinden für Betroffene der Energiekrise tun können

Energiekrise und Inflation bringen viele Menschen an ihre Belastungsgrenzen. Gerade gefährdete Gruppen und Menschen in prekären Lebenssituationen sind von 
Energiearmut sowie Arbeits­ und Wohnungslosigkeit bedroht. Wie können Sie als Kirchengemeinde der sozialen und realen Kälte Nächstenliebe und Mitmenschlichkeit entgegensetzen? Diese Handreichung wurden von midi - Evangelische Arbeitsstelle für missionarische Kirchenentwicklung und diakonische Profilbildung mit Diakonie Deutschland, EKD und dem Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD erarbeitet.  

Nehmen Sie Kontakt zur Diakonie in Ihrem Kirchenkreis auf und fragen Sie, was gerade gebraucht wird. Fragen Sie auch andere soziale Träger, die Kommune, Vereine vor Ort. Und: Sprechen Sie direkt mit Betroffenen. Erfahren Sie so, was gerade am meisten gebraucht wird.

Vernetzen Sie sich mit der Diakonie, anderen sozialen Trägern, der Kommune, Nachbarschaftszentren oder Bürgerinitiativen. Treffen Sie sich regelmäßig, klären Sie gemeinsame Ziele und suchen Sie nach sozialräumlichen Ressourcen und Unterstützungsmöglichkeiten. Beziehen Sie möglichst immer Hilfesuchende mit ein. 

Vermeiden Sie Doppelungen bzw. Lücken. Haben Sie Mut zu Arbeitsteilung bzw. zur Konzentration nur auf bestimmte Zielgruppen. Gehen Sie aktiv auf Presse und Medien zu. Lassen Sie Hilfesuchende mit deren Geschichten zu Wort kommen.

Stellen Sie Kontaktdaten von Beratungsangeboten (z. B. Sozial- und Schuldnerberatung oderWohnungslosenhilfe), Leistungsstellen (z. B. Jobcenter, Sozialamt oder Wohngeldstelle) und Nothilfen (z. B. Tafeln, Kleiderkammern, Sozialkaufhäuser oder Foodsharing) zusammen. Wichtig: Setzen Sie nur um, was Sie sich zutrauen. Besser weniger zuverlässig verwirklichen, als zu viel tun zu wollen und dann Absagen erteilen zu müssen.

Lassen Sie Kirchen und Gemeinderäume, wenn möglich, über die übliche Nutzungsdauer hinaus geöffnet bzw. prüfen Sie, welche Räume unkompliziert geheizt werden und viele Menschen beherbergen können. Vielleicht lassen sich z. B. Gottesdienst und Wärmeangebot kombinieren. Sorgen Sie für gastliche Atmosphäre: mit Kaffee und Getränken, Ansprechpartner*innen, gegebenenfalls Dolmetscher*innen oder Spielmöglichkeiten für Kinder. Prüfen Sie, ob Sie Räume nur für Frauen schaffen können.

Bieten Sie der Diakonie, anderen Wohlfahrtsverbänden, Sozialberatungsstellen, Kommunen, Tafeln etc. an, in Ihren Räumen Hilfesuchende niedrigschwellig zu beraten (Sozial-, Schuldner- und Energieberatung...) bzw. Versorgungsangebote zu etablieren (Essensausgabestelle, Foodsharing...).

Stellen Sie warme Kleidung und, wo möglich, Gelegenheit zum warmen Duschen zur Verfügung. Sprechen Sie z. B. Gewerbetreibende an, die konkrete Sachleistungen zur Verfügung stellen können. Lassen Sie Hilfesuchende selbst entscheiden, was sie brauchen. Achten Sie den Wunsch nach Anonymität und Vertraulichkeit. Sorgen Sie für einen Notfallplan und Erste-Hilfe-Angebote. Achten Sie auf Hygienevorgaben.

Prüfen Sie, ob Sie auch eine dezentrale Versorgung realisieren können (Lieferung, mobile Essensbank, vertrauliche Vermittlung über Pfarramt...), um Schamgrenzen zu überwinden bzw. wenig mobile Menschen zu erreichen.

 Raten Sie Betroffenen, in jedem Fall professionelle soziale Beratung in Anspruch zu nehmen. Trotzdem hier ein paar wichtige Fakten.

  • Haushalte sollten immer als erstes prüfen, ob sie Anspruch auf Kinderzuschlag und Wohngeld haben (siehe Links).
  • Haushalte, die Leistungen nach SGB II oder XII beziehen, haben bei angemessenem Verbrauch grundsätzlich Anspruch auf vollständige Übernahme ihrer Heizkosten sowie möglicher Nachzahlungen.
  • Auch Haushalte, die bisher keinen Anspruch auf Sozialleistungen hatten (auch Rentner*innen), können bei hohen Heizkostennachzahlungen anspruchsberechtigt sein und vorübergehende Leistungen beim Jobcenter beantragen.
  • Wichtig: Der Antrag muss im Monat der Fälligkeit der Nachzahlung beim Jobcenter gestellt werden – danach ist es zu spät.
  • Wenn Gasversorger bzw. Vermieter*in die monatlichen Abschläge für die Heizkosten deutlich erhöhen möchten: nicht zustimmen! Nur bei einer hohen Nachzahlung in einem Monat besteht eventuell die Möglichkeit der einmaligen Unterstützung durch das Jobcenter.
  • Wirken Sie Wohnungskündigungen sowie Gas- und Stromsperren entgegen. Organisieren Sie dazu mit Ihren Partnern Runde Tische gemeinsam mit Wohnungsgesellschaften, Kleinvermieter*innen, Energieversorgern, Stadtwerken, örtlichen Mietervereinigungen, Jobcenter, Verbraucherzentrale, Schuldnerberatungsstellen und Wohnungsnotfallhilfe.

Informationen zu Ansprüchen und nützliche Links gibt es beim Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD.  Hier finden Sie eine Arbeitshilfe "Explodierende Energiepreise. Welche Möglichkeiten der Kostenübernahme stehen im Sozialrecht zur Verfügung?"

Sammeln Sie Geldspenden und verteilen Sie sie unkompliziert. Lassen Sie sich dabei von Ihren Partnern beraten. Sprechen Sie den lokalen Einzelhandel wegen Lebensmittelgutscheinen oder Ähnliches an. Auch kleine „Zuschüsse“ können eine große Wirkung entfalten, um erst einmal Atem schöpfen bzw. den nächsten Einkauf tätigen zu können.

Bei sozialen Angeboten entstehen der Kirchengemeinde oft zusätzliche Kosten für Heizung, Personal, Material, Verpflegung usw. Die EKD empfiehlt den Landeskirchen, die Kirchensteuermehreinnahmen aus der Energiepauschale für Betroffene bzw. soziale Projekte an der Basis einzusetzen. Mehrere Landeskirchen haben bereits entsprechende Regelungen getroffen. Fragen Sie bei Ihrer Landeskirche oder Ihrem regionalen diakonischen Werk nach, welche Unterstützungs- und Fördermöglichkeiten bestehen.

Bilder für Social Media und für Plakate

Für Beiträge auf Social Media, für Aushänge im Schaukasten oder kleine Plakate gibt es Vorlagen, die über Canva angepasst werden können. Canva ist ein Online-Design- und Publishing-Tool, welches kostenfrei genutzt werden kann. Die Links führen zu Vorlagen, in welche die Angebote einer Gemeinde oder einer Einrichtung eingetragen werden können. Beim ersten Aufruf der Website wird man gebeten, sich zu registrieren. Wenn sich nur eine Person registriert, dann ist Canva kostenfrei. Für gemeinnützige Organisationen gibt es die Möglichkeit, Canva mit wesentlich mehr Funktionen kostenlos zu nutzen. Mehr Informationen dazu können Sie hier lesen.

Wir bitten darum, die Vorlagen im Grunddesign zu nutzen und nur den Inhalt zu ändern. Die Schriftart, die Farben, die Platzierung der Wärmewinter-Wort-Bild-Marke sowie die der Logos der EKD und Diakonie Deutschland sollen unverändert bleiben. Die Platzierung des restlichen Textes und eventueller Bilder kann angepasst werden. Ein kurzes Video zur Einführung in Canva ist hier zu finden.

Die Wort-Bild-Marke der Aktion kann ebenfalls für eigene Beiträge genutzt werden und steht hier zum Download bereit.

Aktionen vor Ort

  • #wärmewinter in Dillenburg: Jeden Tag ein warmes Angebot

    Menschen sollen einen Ort finden, wo sie sich aufräumen können und wohlfühlen: In Dillenburg haben sich Gemeinden und Verbände zusammen geschlossen. Jeden Tag gibt es ein anderes "warmes" Angebot. 

    © Caritas Wetzlar Ide
  • #wärmewinter in Dresden: Sieben Kirchen öffnen nachts ihre Türen

    Ausruhen im Warmen: In Dresden öffnen nachts sieben Kirchen ihre Türen für Wohnungslose. Die ökumenische Aktion „Nachtcafé“ ist ein Projekt verschiedener Kirchengemeinden und der Diakonie Dresden – und hat schon lange Tradition.

    © Diakonie Dresden
  • #wärmewinter: Wärmende Orte schaffen

    Diakonie-Präsident Ulrich Lilie bloggt über die Aktion #wärmewinter und wärmende Orte in unserer Gesellschaft.

    © Irina Frescher/Diakonie Sulzbach-Rosenberg

Der #wärmewinter im Onlineshop

Im Online-Shop der Diakonie finden Sie eine Auswahl von Produkten zum #wärmewinter. Passend zur Aktion gibt es Mützen, Handwärmer oder Sitzkissen, die Sie tragen oder weiterverschenken können.