Schulden im Alter – ein Bundesmodellprojekt
Immer mehr ältere Menschen sind überschuldet. In dem Bundesmodellprojekt „Sozialräumliche soziale Schuldnerberatung für Senior:innen“ hat die Diakonie Deutschland neue Zugänge für ältere Menschen zum Angebot der Schuldnerberatung erprobt.
Die Überschuldung älterer Menschen nimmt zu, sie finden aber selten den Weg in die Schuldnerberatung
Die meisten Menschen wünschen sich, im Alter aktiv und selbstbestimmt leben zu können. Durch den Übergang vom Erwerbsleben in die Rente / Pension, durch gesundheitliche Einschränkungen oder den Tod des Partners/ der Partnerin können Senioren und Seniorinnen jedoch in Situationen kommen, in denen es für sie kaum möglich ist, ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen.
Die Überschuldung privater Haushalte betrifft auch zunehmend ältere Menschen: In Deutschland nahm die Zahl überschuldeter Verbraucher:innen von 2024 bis 2025 bei den Personen über 60 Jahren überdurchschnittlich stark zu (+ 3,4 Prozent). 6,5 Prozent der 60 bis 69 Jährigen gelten als überschuldet. In den Beratungsstellen ist dieser Trend aktuell nicht abgebildet. Senior:innen nehmen deutlich seltener als andere Altersgruppen Unterstützung von Schuldnerberatungsstellen in Anspruch- sei es aus Unkenntnis, aus Scham oder wegen Mobilitätseinschränkungen. Hinzu kommen Hürden wie eine fehlende Barrierefreiheit in den Beratungsstellen, lange Anfahrtswege insbesondere im ländlichen Raum oder lange Wartezeiten. Die Folgen für die zahlenmäßig wachsende Zielgruppe der einkommensarmen und überschuldeten Senior:innen sind gravierend.
Die Praxis der Schuldnerberatung ist durch eine „Komm-Struktur“ geprägt. Eine aufsuchende „Geh-Struktur“ der Beratungsstellen in Kombination mit einer konsequenten Netzwerkorientierung kann bisher selten realisiert werden. Die Schuldnerberatung steht also vor der Herausforderung, ihr Angebot für überschuldete ältere Menschen mit altersbedingten Mobilitätseinschränkungen besser zugänglich zu machen. In einem Bundesmodellprojekt hat die Diakonie Wege für aufsuchende Ansätze erprobt. Das Ziel war, Senior:innen dort Beratung anzubieten, wo sie sich aufhalten: Zu Hause, im Pflegeheim, beim Mittagstisch oder in einem Senior:innentreff.
Schulden im Alter: So erhalten Sie Unterstützung und finden einen Weg aus der finanziellen Krise
Viele Seniorinnen und Senioren sehen sich im Alter mit finanziellen Herausforderungen konfrontiert, die durch Schulden oder begrenzte Einkünfte entstehen. Doch auch in dieser Lebensphase gibt es zahlreiche Möglichkeiten, Unterstützung zu erhalten und einen klaren Überblick über die eigene finanzielle Situation zu gewinnen. Der erste Schritt ist, die persönliche und finanzielle Lage genau zu klären. Hierzu gehört eine detaillierte Bestandsaufnahme der bestehenden Schulden, Kredite und Zahlungsverpflichtungen.
Professionelle Beratung hilft dabei, einen nachhaltigen Plan für die Haushaltsführung zu entwickeln und Möglichkeiten für staatliche Hilfen wie Grundsicherung oder Pflegegeld zu nutzen. Oft ist es auch notwendig, Anträge zu stellen oder mit Behörden in Kontakt zu treten – eine Unterstützung in diesen Prozessen ist von großer Bedeutung, um alle Ansprüche geltend zu machen.
Zudem bieten viele Beratungsstellen Hilfe bei der Einführung von Schuldnerschutzmaßnahmen, etwa durch die Prüfung von Forderungen und eine Überprüfung der aktuellen Verbindlichkeiten. Auch die direkte Unterstützung bei Verhandlungen mit Gläubigern oder die Schuldenregulierung sind wesentliche Bausteine, um die finanzielle Belastung zu verringern und den notwendigen Lebensunterhalt zu sichern.
Es gibt auch rechtliche Aspekte zu beachten, insbesondere wenn es um die Frage geht, wie Schulden vererbt werden. Hier kann eine rechtzeitige Beratung dazu beitragen, den finanziellen Druck zu mindern und eine Lösung zu finden.
Insgesamt gilt: Es gibt viele Wege, die finanziellen Herausforderungen im Alter zu meistern – lassen Sie sich nicht entmutigen, sondern suchen Sie rechtzeitig Unterstützung!
Auf der Website der Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung e.V. finden Sie allgemeine Informationen zum Thema Schulden und haben die Möglichkeit, eine Beratungsstelle in Ihrer Region zu finden, die Sie unterstützt.
Bundesmodellprojekt "Sozialräumliche soziale Schuldnerberatung für Senior:innen"
Ausgangspunkt des Modellprojektes war die Erkenntnis, dass ältere Menschen viel seltener die Unterstützung von Schuldnerberatungsstellen in Anspruch nehmen als andere Altersgruppen. Zugleich steigt die Schuldenproblematik in der Altersgruppe der ab 60-Jährigen in den letzten Jahren überdurchschnittlich stark an. An dieser Stelle setzt das Bundesmodellprojekt an.
Weitere Informationen
Kontakt
Wiebke Rockhoff
Armutsbekämpfung, Allgemeine Sozialarbeit und Schuldnerberatung
wiebke.rockhoff@diakonie.de 030 652111640