Themenschwerpunkt

Telefon­seelsorge

© Diakonie/Kathrin Harms

Krisenhilfe in suizidalen Situationen

Etwa 7.500 Ehrenamtliche, die durch Fachkräfte ausgebildet und begleitet werden, leisten in den Stellen der Telefonseelsorge rund um die Uhr den Dienst am Telefon. Sie führen rund 1.800.000 Seelsorge- und Beratungsgespräche im Jahr mit Menschen in akuten Krisen oder längerfristig schwierigen Lebenssituationen: Ängste, seelische und körperliche Einschränkungen und Beziehungsfragen sind die häufigsten Themen der Gespräche. Eine wichtige Aufgabe ist Auseinandersetzung mit suizidalen Situationen.

Mehr Männer gewinnen

Wir wollen das Engagement der haupt- und ehrenamtlichen Telefonseelsorgerinnen und Telefonseelsorger ins Zentrum der Wahrnehmung rücken. Eine breitgefächerte Unterstützung für dieses Angebot ist unbedingt notwendig. Rund ein Drittel der Anrufenden ist männlich, hier wünschen wir uns mehr männliche Ehrenamtliche. Außerdem unterstützen wir die weltweite Vernetzung der Telefonseelsorge mit Ländern wie Indien, Kamerun und Sierra Leone, die technisch und fachlich für telefonseelsorgerische Angebote ausgestattet werden sollen.

Ulrich Lilie, Präsident der Diakonie Deutschland

„Die 7.500 ehrenamtlichen Männer und Frauen in der Telefonseelsorge gehören für mich zu den unsichtbaren Engeln unserer Zeit”

Nachgefragt

Auch 60 Jahre nach ihrer Gründung laufen die Drähte bei der Telefonseelsorge heiß. Warum das Sorgenteilen nichts an seiner Dringlichkeit verloren hat, erklärt Bernd Blömeke, Referent für Telefonseelsorge.

Bernd Blömeke: Die Themen bleiben gleich. Häufig werden im Gespräch ein oder mehrere Aspekte genannt, aber dann wird deutlich, wie alles miteinander zusammenhängt. Es geht in den Gesprächen daher vor allem darum, als Person, als Ganzes wahrgenommen zu werden. Auslöser des Anrufs ist vielleicht eine akute Beziehungskrise oder eine starke finanzielle Belastung, aber dahinter stecken oft Probleme in der Vergangenheit, die im Gespräch zutage treten. Die Grundintention der Telefonseelsorge war von Anfang an, dem Anrufenden einen Kontakt von Mensch zu Mensch anzubieten. Deswegen arbeiten ja auch überwiegend Ehrenamtliche am Telefon. Es geht viel mehr um die menschliche Nähe, das Mitgefühl und Verstehen als um den professionellen, therapeutischen Rat.

Blömeke: In Zeiten von Facebook, WhatsApp und Co. gewinnt man den Eindruck, dass die Menschen genug Möglichkeiten zum Austausch haben. Telefonseelsorge bietet aber etwas, das all diese modernen Kommunikationskanäle nicht leisten können: den Kontakt mit einem realen Gegenüber, dessen Reaktion ich unmittelbar wahrnehme. Es gibt eben Situationen, in denen es eben nicht reicht, ein Anliegen textlich zu formulieren und abzuschicken. Situationen, in denen sie sich zudem vor dem Gesehen-werden scheuen. Da ist die Telefonseelsorge die ideale Anlaufstelle.

Neben der telefonischen Beratung sowie der Chat- und Mail-Beratung ist auch eine Face-to-Face-Beratung in einigen regionalen Beratungsstellen möglich, in denen nur Hauptamtliche arbeiten. Auch auf das Angebot der "Offene Tür"-Stellen und anderer Beratungsstellen wird am Telefon verwiesen, wenn bei einem Gespräch deutlich wird, dass weiterführende Hilfe erforderlich ist. Deshalb bemühen wir uns darum, die Anrufenden möglichst regional zu verteilen. Um der hohen Nachfrage entsprechen zu können, benötigen wir eigentlich noch weitere Telefonseelsorge-Stellen mit Ehrenamtlichen.

Blömeke: Beim Ehrenamt haben wir erfreulicherweise ein gleichbleibend hohes Engagement. Mehr als früher gibt es jedoch Ehrenamtliche, die sich nicht dauerhaft engagieren können, sondern über kürzere Zeiträume. Das liegt daran, dass sich die beruflichen und familiären Situationen heute deutlich schneller verändern. Außerdem haben wir natürlich eine starke Konkurrenz, denn es gibt viele spannende Themenbereiche, in denen man sich ehrenamtlich engagieren kann. Und Telefonseelsorge liegt auch nicht allen. Man muss nicht nur sehr geduldig sein, sondern auch ein Gespräch führen, fokussieren und vor allem beenden können. Wir möchten vor allem mehr Männer für das Ehrenamt bei der Telefonseelsorge gewinnen. Immerhin ist auch ein Drittel der Hilfesuchenden männlich und unser Anliegen ist, dass sich Geschlecht, Alter sowie berufliche Situation und Familienstand der Anrufenden auch bei den Ehrenamtlichen widerspiegeln.

Aktuelles

Journal

Telefonseelsorge

Hilfe am Hörer

Wenn die Sorgen groß sind: Erich Franken bietet Lebenshilfe auch für Menschen in suizidalen Situationen.

© Diakonie/Markus J. Feger

Ansprechpartner

© Hermann Bredehorst

Dr. Bernd Blömeke

Telefonseelsorge

030 65211-1682

[email protected]

Fachverband

Evangelische Konferenz für Telefonseelsorge und Offene Tür

Berlin

www.telefonseelsorge.de