Themenschwerpunkt

Kinderarmut

© Diakonie

Geld ungerecht verteilt

Rund drei Millionen Kinder sind in Deutschland von Armut bedroht. Aktuell führen Regelungen in der Steuer-, Familien- und Sozialpolitik zu unterschiedlichen Höhen des kindlichen Existenzminimums. Von den 148 familien- und acht ehebezogene Leistungen profitieren besonders Paare ohne Kinder oder Familien mit höherem Einkommen. Die Förderbeträge für in Armut lebende Kinder sind niedriger als die Steuerentlastung bei Familien mit Spitzeneinkommen. Weder der Kinderregelsatz noch das Bildungs- und Teilhabepaket sichern ein angemessenes Existenzminimum.

Gleiche Grundförderung einführen

Wir fordern eine einheitliche finanzielle Grundförderung, die das Existenzminimum aller Kinder abdeckt. Das Nebeneinander aus Kindergeld, Kinderfreibetrag, Kinderzuschlag, Kinderregelsätzen und Pauschalen des Bildungs- und Teilhabepakets ist zu kompliziert und ungerecht. Für in Armut lebende Kinder und Familien müssen zusätzliche Leistungen gewährt werden. Zudem benötigen wir auf kommunaler Ebene eine bessere Infrastruktur. Dazu zählen die Ganztagsbetreuung, kostengünstige Freizeitangebote und ein für einkommensarme Familien kostenfreies Schulmittagessen.

Petition gegen Kinderarmut

Jedes Kind ist gleich viel wert

Drei Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland leben in Armut. Wir fordern eine einheitliche Geldleistung für alle Kinder, die das Existenzminimum sichert. Ein gutes Aufwachsen darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen.

© Diakonie/Hermann Bredehorst
Maria Loheide, Vorstand Sozialpolitik der Diakonie Deutschland

„Wir brauchen eine einheitliche finanzielle Grundförderung, die das Existenzminimum aller Kinder abdeckt”

Nachgefragt

Über drei Millionen Kinder leben in Armut. Warum der Staat diese durch inkonsistente familienpolitische Leistungen verschärft, erklärt Ulrike Gebelein, Expertin für Fragen zur Kinderarmut bei der Diakonie.

Ulrike Gebelein: Derzeit gibt es 148 familienbezogene und acht ehebezogene Leistungen, von denen allerdings meistens Paare ohne Kinder oder Kinder aus Familien mit höherem Einkommen profitieren. Nehmen wir den Kinderfreibetrag und das Kindergeld. Die meisten Eltern bekommen 190 Euro Kindergeld monatlich. Da aber das Einkommen progressiv versteuert wird, ist der Entlastung bei Familien mit hohem Einkommen deutlich höher. Das geht bis über 270 Euro Nettoertrag.

Diese ungerechte Verteilung nimmt zu, wenn es um die drei Millionen Kinder und Jugendlichen geht, die unterhalb der Armutsgrenze leben. Der Kinderregelsatz liegt bei 237 Euro für Kinder bis sechs Jahre. Als Orientierungspunkt zur Berechnung dieses Satzes werden die unteren 20 Prozent der Haushaltseinkommen genommen. So dient die Armut der einen als Maßstab für die Existenzsicherung der anderen. 

Wenn der Staat das Existenzminimum realistisch ermitteln würde, müsste der Satz zwischen 30 und 70 Euro mehr betragen. Auch die Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket unterliegen keiner sauberen Bedarfsermittlung. Nur zehn Euro im Monat stehen für Sport, Musik oder kulturelle Angebote für Kinder zur Verfügung. 

Gebelein: Arme Kinder können oft keine Freunde mit nach Hause bringen, weil sie ihr Zimmer mit dem älteren Bruder oder der kleineren Schwester teilen müssen. Sie haben keinen Computer, sind nicht Mitglied in einem Sportverein oder können kein Instrument erlernen, häufiger wird auf eine ärztliche Behandlung verzichtet, wenn sie nicht von der Krankenkasse übernommen wird.

Und dann ist da noch der Punkt Bildung: Die Diakonie Niedersachen hat herausgefunden, dass das Geld für Schulmaterialien weit unter dem tatsächlichen Bedarf liegt. Kinder aus Hartz IV-Familien bekommen 100 Euro jährlich für den Schulbedarf, die tatsächlichen Ausgaben liegen bei circa 300 Euro pro Schuljahr. Das ist keine Chancengleichheit.

Gebelein: Wir brauchen eine einheitliche finanzielle Grundförderung, die das Existenzminimum aller Kinder abdeckt. Das bisherige Nebeneinander aus Kindergeld, Kinderfreibetrag, Kinderzuschlag, Kinderregelsätzen und Pauschalen des Bildungs- und Teilhabepakets ist viel zu kompliziert. Kinder, die mehr benötigen, weil sie zum Beispiel Diabetes haben oder Nachhilfe brauchen, müssen zusätzlich unterstützt werden. Eltern sollten diese finanzielle Unterstützung direkt erhalten.

Außerdem benötigen wir auf kommunaler Ebene eine bessere Infrastruktur. Dazu zählen nicht nur die Ganztagsbetreuung und der Ausbau der Betreuung von unter Dreijährigen. Kinder und Jugendliche brauchen einen kostenfreien oder kostengünstigen Zugang zu Schwimmbädern, Musik- und Sportvereinen. Auch das Geld für das Mittagessen in der Schule sollte direkt über eine Pauschale und nicht über die Familie abgerechnet werden.

Journal

Ausbildung in Teilzeit

Eine Chance für junge Mütter

Eine Teilzeitausbildung beim diakonischen Projekt "Sina" in Hannover hilft jungen Müttern einen Job zu finden.

© Diakonie/Ines Goetsch

Ansprechpartnerin und Ansprechpartner

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Ulrike Gebelein

Kinderpolitik, Familienförderung

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Michael David

Sozialpolitik gegen Ausgrenzung und Armut

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