Elterngeld und Elterngeld Plus

21. September 2017
  • Wissen Kompakt
  • Familie und Kinder

Dieses Wissen kompakt bietet Hintergrundwissen, Zahlen und Fakten zum Elterngeld Plus und Elterngeld.

Ein Mann, eine Frau und drei Kinder sitzen auf einer Wiese
© Diakonie/Kathrin Harms

Zeit für die Familie – Durch das neue Elterngeld Plus soll Beruf und Familie besser vereinbart werden können

Was ist Elterngeld? Was ist das Elterngeld Plus?

Das Elterngeld und das Elterngeld Plus sollen es Eltern erleichtern, Beruf und Familie zu vereinbaren. Elterngeld ist eine Lohnersatzleistung für Eltern während der Erziehungszeit ihrer Kinder. Es kompensiert - für eine gewisse Zeit - den Ausfall oder die Reduzierung des bisherigen Einkommens.

Seit dem 1. Januar 2015 ist das Elterngeld neu geregelt. So ergänzt das Elterngeld Plus das bisherige Basiselterngeld. Entscheiden sich die Eltern, im gleichen Zeitraum in Teilzeit zu arbeiten und sich partnerschaftlich die Betreuung des Kindes zu teilen, gibt es einen sogenannten Partnerbonus: Eltern, die mindestens vier aufeinander folgende Monate zwischen 25 und 30 Wochenstunden arbeiten, erhalten beide jeweils für vier zusätzliche Monate Elterngeld Plus.

Neu ist zudem, dass die Elternzeit in drei statt bisher zwei Abschnitte aufgeteilt werden kann. Und: Eltern können nun nach dem dritten Geburtstag ihres Kindes länger Elternzeit nehmen - bis zum vollendeten achten Lebensjahr.

Die Neuregelungen gelten für Eltern von Kindern, die ab dem 1. Juli 2015 geboren werden.  

Organisation und Finanzierung

Elterngeld - das Basiselterngeld

Wer erhält Elterngeld?
Elterngeld können Eltern erhalten, die weniger als 30 Stunden wöchentlich arbeiten und ihre Kinder selbst betreuen.

Wie hoch ist das Elterngeld?
Das Elterngeld beträgt mindestens 300 Euro und maximal 1.800 Euro im Monat. Die Höhe richtet sich nach dem Einkommen des jeweiligen Elternteils. Sie liegt zwischen 65 und 67 Prozent des durchschnittlichen Nettoeinkommens in den letzten 12 Monaten vor der Geburt des Kindes. Auch während des Bezuges des bisherigen Elterngeldes können Eltern in Teilzeit, aber höchstens bis zu 30 Stunden wöchentlich arbeiten. Alle Einkünfte aus der Erwerbstätigkeit während des Elterngeldbezuges werden anteilig auf das Elterngeld angerechnet. Es gibt keinen Freibetrag, den man anrechnungsfrei zum Elterngeld dazuverdienen darf.

Empfänger von Arbeitslosengeld II (Hartz IV) erhalten zwar Elterngeld, doch wird es seit dem 1. Januar 2011 vollständig als Einkommen angerechnet.  

Wie lange gibt es Elterngeld?
Elterngeld gibt es grundsätzlich für maximal 12 Monate. In der Regel nimmt die Mutter Elterngeld in Anspruch. Nimmt dann der Vater mindestens zwei Monate Elternzeit, die so genannten Partnerschaftsmonate, kommen zwei Monate hinzu. Insgesamt können Eltern also maximal 14 Monate Elterngeld beziehen.

Elterngeld Plus

Warum wurde das Elterngeld Plus eingeführt?
Durch das neue Elterngeld Plus sollen Eltern Familie und Beruf besser vereinbaren können. Es bietet mehr Flexibilität durch mehr Wahlmöglichkeiten und unterstützt vor allem Eltern, die nach der Geburt ihres Kindes früh wieder arbeiten gehen.  

Wie funktioniert das Elterngeld Plus?
Mit dem Elterngeld Plus können Eltern, die in Teilzeit arbeiten, künftig doppelt so lang Elterngeld beziehen wie mit dem Basiselterngeld - insgesamt bis zu 28 Monate. Die Höhe berechnet sich grundsätzlich wie die des Basiselterngeldes. Allerdings wird maximal die Hälfte dieses Betrages pro Monat ausgezahlt - dafür aber über einen bis zu doppelt so langen Zeitraum. Das bedeutet: Wenn beide Eltern arbeiten, verbrauchen sie damit nur einen Elterngeldmonat anstatt bisher zwei Monate. Eltern können zwischen Basiselterngeld und Elterngeld Plus wählen oder beides kombinieren. Dadurch haben Eltern viele Möglichkeiten. Aber: Es ist auch komplizierter. 

Was sind die Partnerschaftsbonusmonate?
Den Partnerschaftsbonus erhalten Eltern, die im gleichen Zeitraum mindestens vier aufeinanderfolgende Monate 25 bis 30 Stunden wöchentlich arbeiten. Sie bekommen jeweils für vier zusätzliche Monate Elterngeld Plus.Alleinerziehende haben auch einen Anspruch auf den Partnerschaftsbonus von vier zusätzlichen Monaten Elterngeld Plus, wenn sie in mindestens vier aufeinanderfolgenden Monaten nicht weniger als 25 und nicht mehr als 30 Wochenstunden im Monatsdurchschnitt erwerbstätig sind. 

Für wen lohnt sich das Elterngeld Plus?
Elterngeld Plus fördert vor allem Eltern, die sich nach der Geburt eines Kindes für einen schnelleren beruflichen Wiedereinstieg entscheiden und sich die Erwerbs- und Erziehungsarbeit für mindestens vier Lebensmonate ihres Kindes gleichberechtigt teilen.

Für wen und wie es sich im Detail lohnt, beziehungsweise wie Basiselterngeld und Elterngeld Plus am besten kombiniert werden, ist vom Einzelfall abhängig. Dazu informieren und helfen Beratungsstellen. 

Was ist noch neu?

  • Die Regelungen zur Elternzeit gelten für Geburten ab dem 1. Juli 2015. Auch weiterhin
 werden pro Elternteil 36 Monate unbezahlte Auszeit vom Job bis zum dritten Geburtstag des Kindes möglich sein. Aber die Elternzeit lässt sich nun flexibler gestalten: Eltern können ihre Elternzeit jeweils in drei statt bisher zwei Abschnitte aufteilen.
  • Bisher durften Eltern bis zu 12 Monate der möglichen dreijährigen Elternzeit auch nach dem dritten Lebensjahr des Kindes nehmen. Nun haben sie Anspruch auf 24 Monate Elternzeit zwischen dem dritten und achten Geburtstag des Kindes. So können Eltern ihre Kinder auch später für eine gewisse Zeit intensiv begleiten, wenn dies notwendig wird - zum Beispiel beim Eintritt in die Schule. Spätestens sieben Wochen vor Beginn der Elternzeit muss diese beim Arbeitgeber beantragt werden. Die Frist zur Ankündigung der geplanten Elternzeit vom dritten bis einschließlich achten Lebensjahr des Kindes verlängert sich auf 13 Wochen.
  • Zwillingseltern erhalten nicht mehr doppeltes Elterngeld. Stattdessen gibt es einen Bonus von 300 Euro monatlich je Mehrling.

 Historie und Ausblick

 1. Januar 1986 bis 31. Dezember 2006

Gesetz zum Erziehungsgeld und zur Elternzeit (Bundeserziehungsgeldgesetz                             BErzGG): Für Geburten in diesem Zeitraum ist das Erziehungsgeld eine Ausgleichsleistung für den Elternteil - in der überwiegenden Anzahl Mütter - der das Kind erzieht. Für maximal 24 Monate wird ein Regelbetrag in Höhe von 300 Euro gezahlt. Dabei ist es unerheblich, ob die Antragstellerin erwerbslos ist oder nicht.Der "Erziehungsurlaub" bezeichnet eine Arbeitsfreistellung zur Betreuung und Erziehung von Kindern; diese Bezeichnung wird zum 1. Januar 2001 durch den Begriff Elternzeit ersetzt.  

1. Januar 2007          

Das Gesetz zum Elterngeld und zur Elternzeit (BEEG) gilt für Kinder, die ab dem 1. Januar 2007 geboren werden. Das Elterngeld und der Anspruch aufElternzeit lösen das Erziehungsgeld bzw. den Erziehungsurlaub ab. Damit soll fürjunge Familien ein Schonraum geschaffen werden. Das Elterngeld soll es Mütternund Vätern erleichtern, nach der Geburt des Kindes eine berufliche Auszeit zunehmen. Anders als das Erziehungsgeld ist das Elterngeld eine Leistung, die daswegfallende Erwerbseinkommen der Eltern nach der Geburt eines Kindes anteilig(in der Regel zu 65 Prozent) ersetzt. Elterngeld wird also in Abhängigkeit zur Höhedes vor der Geburt des Babys erzielten Einkommens quasi als Lohnersatzleistunggezahlt. 

1. Januar 2015            

Das Gesetz zur Einführung des Elterngeld Plus mit Partnerschaftsbonus und einer flexibleren Elternzeit im Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz tritt in Kraft. Mit dem Elterngeld Plus sollen vor allem Eltern gefördert werden, die sich nach der Geburt eines Kindes für einen schnelleren beruflichen Wiedereinstieg entscheiden und sich die Erwerbs- und Erziehungsarbeit gleichberechtigt teilen. 

1. Juli 2015                 

Die Neuregelungen zum Elterngeld Plus treten für Eltern von Kindern, die ab dem 1. Juli 2015 geboren werden, in Kraft.

Hintergrund und Zahlen 

Mütter beziehen in der Regel für etwa ein Jahr Elterngeld. So haben 2016 etwa 78 Prozent der Mütter Elterngeld bezogen und 22 Prozent Väter. Dies geht aus Angaben des Statistischen Bundesamtes vom Juni 2017 hervor. Für Väter von im Jahr 2016 geborenen Kindern, die vor der Geburt des Kindes erwerbstätig waren, lag der durchschnittliche Elterngeldanspruch bei 1.266 Euro, für Mütter bei 921 Euro im Monat. Eltern, die vor der Geburt des Kindes nicht erwerbstätig waren, erhielten durchschnittlich 331 Euro (Mütter) beziehungsweise 334 Euro (Väter) monatlich.

Bewertung der Diakonie Deutschland 

Grundsätzlich gilt: Familien brauchen gemeinsame Zeit. Immer mehr junge Familien streben eine gleichberechtigte Rollenverteilung in Familie und Partnerschaft an. Dennoch müssen sich die Familienmitglieder häufig den Erfordernissen der Arbeitswelt unterordnen. Das heißt: Dauer, Verteilung und Rhythmus der Arbeitszeit und der Ort der Arbeitsstelle bestimmen ganz wesentlich die zeitlichen Ressourcen und Gestaltungsmöglichkeiten von Familien.  

Die Diakonie Deutschland unterstützt die Regelungen des Elterngeld Plus mit Partnerschaftsbonus, da sie die zeitliche Flexibilität für Eltern bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf erhöhen. Die neuen Regelungen sind allerdings sehr komplex. Daher ist es nach Ansicht der Diakonie unerlässlich, Eltern bei der Antragsstellung umfassend zu beraten. Zudem müssen aus Sicht der Diakonie Deutschland die Betreuungsangebote sowohl für Kinder in den ersten Lebensjahren, als auch für Schulkinder ausgebaut und qualitativ gut ausgestaltet werden, um Eltern die Entscheidung leichter zu machen, diese Leistung in Anspruch zu nehmen. 

Text: Diakonie/Sarah Spitzer

Ansprechpartnerin

© Hermann Bredehorst

Ulrike Gebelein

Kinderpolitik, Familienförderung, Evangelische Familienerholung

030 65211-1687

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