Themenschwerpunkt

Generalistische Pflege­ausbildung

© Wannsee-Schule Berlin/Gudrun Arndt

Eine Pflegeausbildung für alle

Die Anforderungen an die Pflege haben sich verändert. Der Anteil sehr alter Menschen mit multimorbiden Krankheitsbildern und Demenzerkrankungen steigt. Sie werden in Krankenhäusern und in stationären Pflegeeinrichtungen versorgt. Eine Ausbildung für nur einen Versorgungsbereich ist nicht mehr zeitgemäß. In einer neuen Pflegeausbildung sollen darum die Alten-, Kranken und Kinderkrankenpflege verbunden werden. Für die neuen Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner bedeutet dies mehr Flexibilität, weil sie im Laufe ihres Berufslebens problemlos den Arbeitsbereich wechseln können. Außerdem wird die generalistische Pflegeausbildung im gesamten EU-Ausland anerkannt.

Herausforderung für Pflegeschulen

Wir begrüßen die Verabschiedung des Pflegeberufereformgesetzes im Sommer 2017. Allerdings bedeutet das Gesetz für unsere Pflegeschulen eine große organisatorische Herausforderung. Deswegen arbeitet die Diakonie an der schwierigen Umsetzung weiterhin engagiert mit.

Ulrich Lilie, Präsident der Diakonie Deutschland

„Der Kompromiss der Koalition zur Pflegeberufereform ist ein großer Schritt auf dem Weg zu einer generalistischen Pflegeausbildung. ”

Nachgefragt

Die Pflegeausbildung wird neu geregelt. Was sich ändert, erklärt Manfred Carrier, Pflegeexperte der Diakonie Deutschland.

Manfred Carrier: „Generalistische Pflegeausbildung“ meint eine neue zeitgemäße Pflegeausbildung, die die bisherigen Ausbildungen der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege verbindet. Mit dem neuen Berufsabschluss „Pflegefachfrau/-mann“ können die examinierten Fachkräfte in allen Pflegebereichen arbeiten. Geregelt ist die generalistische Ausbildung im Pflegeberufereformgesetz, das im Juni 2017 vom Bundestag beschlossen wurde. Sie startet ab Januar 2020. In den ersten beiden Ausbildungsjahren werden alle Auszubildenden gemeinsam generalistisch unterrichtet und praktisch ausgebildet. Im dritten Jahr gibt es die Möglichkeit, die generalistische Ausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann fortzusetzen oder die Pflegeausbildung mit den bekannten Abschlüssen in der Kinderkranken- oder Altenpflege zu vollenden.

Carrier: Eine zukunftsgerechte Pflegeausbildung kann nicht mehr nur auf eine Lebensphase oder einen Versorgungsbereich ausgerichtet sein, sondern muss für die neuen, umfassenderen Herausforderungen in der Pflege qualifizieren. Durch eine generalistische Ausbildung erhalten die Auszubildenden ein umfassendes pflegerisches Verständnis, das es ihnen ermöglicht, sich schnell in die jeweiligen Spezialgebiete mit ihren unterschiedlichen Anforderungen einzuarbeiten. Die Pflegefachfrauen und –männer werden in der Lage sein, in allen Bereichen der Pflege – Akutpflege, Kinderkrankenpflege, stationäre oder ambulante Langzeitpflege sowie allgemein-, geronto-, kinder- oder jugendpsychiatrische Versorgung – tätig zu werden. Das führt zu mehr beruflicher Flexibilität in den verschiedenen Arbeitsbereichen.  Die generalistische Pflegeausbildung macht den Pflegeberuf attraktiver und wirkt dem Fachkräftemangel in der Pflege entgegen. Zudem erhöht sie die Qualität der Pflege.

Carrier: Zwischen den verschiedenen Ausbildungen gab es schon immer viele Überscheidungen, und praktische Erfahrungen in einem Bereich lassen sich nutzbringend in andere Bereiche übertragen. Die Anforderungen an die Pflege und die pflegerischen Versorgungsstrukturen haben sich in den letzten Jahren verändert und sind vielschichtiger geworden. In Pflegeeinrichtungen und durch ambulante Dienste werden Menschen zunehmend auch medizinisch versorgt. Umgekehrt steigt in medizinischen Versorgungseinrichtungen wie Krankenhäusern der Anteil der Menschen, die pflegebedürftig sind – etwa aufgrund einer Demenzerkrankung oder ihres hohen Alters. Die Trennung zwischen akuter Pflege und Langzeitpflege weicht zunehmend auf. Es ist in den letzten Jahren zunehmend zu einer Vernetzung zwischen den verschiedenen pflegerischen Versorgungsbereichen gekommen.

Reportagen

Neue Pflegeausbildung

Für ein stärkeres Wir

Die Bundesregierung plant eine neue Pflegeausbildung, die Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege verbindet. Wie Auszubildende und Pflegeexperten darüber denken: diakonie.de hat nachgefragt.

© Diakonie/Claudine da Rocha

Ansprechpartner

© Hermann Bredehorst

Manfred Carrier

Stationäre und teilstationäre Altenhilfe und Pflege

030 65211-1671

[email protected]

Zuständige Fachverbände

Deutscher Evangelischer Verband für Altenarbeit und Pflege (DEVAP)

Berlin

www.devap.info

Deutscher Evangelischer Krankenhausverband

Berlin

www.dekv.de