Medikamentenabhängigkeit ist eine stille Sucht

23. Juni 2016
  • Pressemitteilung
  • Gesundheit und Pflege

Anlässlich des Weltdrogentages am 26. Juni macht die Diakonie Deutschland auf die etwa 1,5 Millionen Menschen in Deutschland aufmerksam, die medikamentenabhängig sind.

"Vor allem Frauen und ältere Menschen nehmen Schlaf- und Beruhigungsmittel missbräuchlich ein -  also ohne klare Indikation, in unangemessen hoher Dosis oder länger als notwendig", sagt Maria Loheide, Vorstand Sozialpolitik der Diakonie Deutschland.

"Vielen Betroffenen ist gar nicht bewusst, dass sie abhängig sind, da ihnen die Mittel oft seit Jahren von ihrem Hausarzt verschrieben wurden", erklärt Loheide. Da sie im Alltag zunächst weiterhin gut "funktionierten" und die eigene Abhängigkeit und mögliche Entzugssymptome nicht als solche erkennen würden, vergingen oft Jahre bis die Suchtproblematik wahrgenommen werde. Nur ein ganz geringer Prozentsatz suche Hilfe und wende sich an die Suchtberatungsstellen.

"Wir brauchen eine kritische Diskussion über die Verordnungspraxis von Schlaf- und Beruhigungsmitteln. Außerdem müssen wir uns fragen, wie wir mit Schmerz und Leid, Überforderung und Einsamkeit umgehen. Wie können Nachbarschaft, Freunde und Familie erkennen, dass jemand das Gefühl hat, in der Leistungsgesellschaft nicht mehr mithalten zu können, oder dass ihn Ängste und Unsicherheiten um den Schlaf bringen. Neben professioneller Hilfe brauchen wir mehr Aufmerksamkeit und Verantwortung füreinander", betont Loheide.

Die Diakonie Deutschland unterstützt eine Präventionskampagne der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen, mit der Apotheker, Ärzte und Patienten auf die Risiken von Benzodiazepinen aufmerksam gemacht werden sollen. Die "4-K-Regel" zur richtigen Anwendung dieser am häufigsten verordneten Schlaf- und Beruhigungsmittel lautet: klare Indikation, kleinste notwendige Dosis, kurze Anwendung und kein schlagartiges Absetzen.

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