Chancengleichheit, Demokratie und Begegnung: Deutscher Nachbarschaftspreis 2018 verliehen

5. September 2018
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  • Freiwilliges Engagement
  • Integration und Teilhabe

Spannung bis zuletzt: Bei der Preisverleihung des Deutschen Nachbarschaftspreises am 5. September in der Ufa-Fabrik in Berlin verkündete die Bundesjury die Gewinner der diesjährigen Hauptpreise.

"Gute Nachbarschaft ist aus unserer Sicht ein hochpolitisches Thema. Es geht dabei im Kern um soziale Gerechtigkeit und die Frage, wie wir miteinander leben wollen. Es geht um Zugänge zu Unterstützungs-, Bildungs- und Hilfsangeboten, um individuelle Rechtsansprüche und Zugang zu finanziellen Ressourcen. Wir setzen uns für offene und inklusive Nachbarschaften ein, die zu lebenswerten Quartieren beitragen" sagt Maria Loheide, Vorstand Sozialpolitik und Jury-Mitglied beim Nachbarschaftspreis 2018. "Die nominierten und prämierten Projekte machen Mut, sich zu engagieren und gegenseitig zu unterstützen. Deswegen unterstützen wir den Deutschen Nachbarschaftspreis. Denn nur so können wir im Kleinen und auch im Großen etwas verändern."

Der 1. Platz (10.000 Euro Preisgeld) ging an das Projekt "Tausche Bildung für Wohnen" aus Duisburg-Marxloh (Nordrhein-Westfalen). Bei diesem Stadtteilprojekt eröffnen Bildungspaten benachteiligten Kindern neue Chancen und können im Gegenzug für ihr Engagement mietfrei im Viertel wohnen.

Der 2. Platz (7.000 Euro Preisgeld) gewann der "Demokratiebahnhof in Anklam" (Mecklenburg-Vorpommern). Das Jugend- und Kulturzentrum trägt zur Entwicklung einer lebendigen Zivilgesellschaft bei und ermutigt junge Menschen, ihre Fähigkeiten im Interesse des Gemeinwohls einzubringen.

Der 3. Platz (5.000 Euro Preisgeld) ging an das Projekt "Nauwieser Picknick in Saarbrücken" (Saarland). Die Nauwieser Nachbarn organisieren in Eigenregie ein jährliches Picknick mit Anwohnern aus allen Alters-, Herkunfts- und Einkommensgruppen und stärken so die lokale Gemeinschaft.

Die drei Bundessieger wurden aus den 16 Landessiegern ermittelt, die ebenfalls auf der Preisverleihung ausgezeichnet wurden und ein Preisgeld von 2.000 Euro erhalten. Der Publikumspreisträger "Mein Ickern" aus dem Ruhrgebiet, der aus dem Online-Voting mit 2.500 Stimmen hervorging, freut sich über ein Preisgeld von 5.000 Euro.

Hintergrund

Der mit über 50.000 Euro dotierte Deutsche Nachbarschaftspreis wurde 2017 von der nebenan.de Stiftung ins Leben gerufen und zeichnet Initiativen aus, die sich in ihrer Nachbarschaft für ein offenes, solidarisches und demokratisches Miteinander engagieren. 2018 gab es über 1.000 Bewerbungen. Der Preis wird gefördert von der Deutschen Fernsehlotterie, der Diakonie Deutschland, EDEKA, Vonovia, Zalando und unterstützt von einem großen Netzwerk an Partnern, wie z.B. dem Deutschen Städtetag und der WALL AG.

Umfrage-Ergebnisse: Nachbarschaft macht stark

Eine Umfrage unter den über 100 nominierten Projekten aus dem gesamten Bundesgebiet ergab, dass 50 Prozent der Befragten anti-demokratische Tendenzen und gesellschaftliche Spaltung als größte gesellschaftliche Herausforderung in Deutschland ansehen. Fragt man jedoch nach den Herausforderungen in der direkten Umgebung, zeigt sich ein differenzierteres Bild:

Die größte Bedeutung haben hier die Wohnsituation und steigende Mieten (22,9 %), gefolgt von konkreten Problemen wie Landflucht (14,6 %) und Armut (10,4 %), mit denen anti-demokratischen Tendenzen als nahezu gleichauf bewertet werden (12,5 %). Die tatsächlichen Problemlagen der Menschen vor Ort sind also deutlich konkreter und vielfältiger als die öffentlich wahrgenommene Problemlage auf der Meta-Ebene der Gesellschaft.

Ansprechpartnerin

© Hermann Bredehorst

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