Armuts- und Reichtumsbericht: Sozialpolitische Befunde nicht verstecken

10. Januar 2017
  • Pressemitteilung
  • Armut und Arbeit

Anlässlich der heutigen Expertenanhörung zum 5. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung kritisiert die Diakonie Deutschland, dass die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Bericht nur sehr verdeckt auftauchen. 

"Während das Bundeskabinett zu Beginn jedes Kapitels zunächst die wirtschaftlichen Erfolge vermeldet, stehen die sozialpolitischen Befunde versteckt in hinteren Textteilen. Die wichtigen Befunde zur Kinderarmut, Wohnungsnot oder Benachteiligung aufgrund des Geschlechts werden nicht systematisch aufgearbeitet", sagt Maria Loheide, Vorstand Sozialpolitik der Diakonie Deutschland. Letztlich bilde der Bericht das Tauziehen zwischen verschiedenen Ressorts über die richtige Interpretation der Wirklichkeit ab.

Wie wichtig die Diskussionen über Armut und Reichtum sind, zeigten die letzten Monate: "Arbeitslosigkeit und Sozialleistungsbezug nehmen zwar ab, die relative Armut hat in den letzten Jahren aber zugenommen. Die reichsten Haushalte haben einen immer größeren Anteil am Gesamteinkommen, das in Deutschland erwirtschaftet wird. Die ärmsten Haushalte bekommen immer weniger ab. Kinder wachsen in Familien auf, die ausgegrenzt sind. Nach wie vor droht Frauen, insbesondere nach Trennungen und als Alleinerziehende, nicht nur aktuell Armut, sondern auch im Alter", bekräftigt Loheide.  

"Seit vielen Jahren fordern wir, dass ein unabhängiger Sachverständigenrat aus Betroffenen, Sozialpartnern, Wissenschaft und Verbänden die Armutsentwicklung in Deutschland begutachtet und der Bundesregierung wesentliche wirtschaftliche Empfehlungen geben sollte. Die Diakonie Deutschland appelliert an die Bundesregierung, auf  `Schönfärberei` zu verzichten, diesen Sachverständigenrat endlich ins Leben zu rufen und den Armuts- und Reichtumsbericht mit der Expertise zu versehen, die für das Thema angemessen ist", betont Loheide.

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