Voruteile abbauen – beim Neustart helfen

24. Juli 2019
  • Pressemitteilung
  • Flucht und Migration

"Es ist ein starkes zivilgesellschaftliches Signal, dass sich jetzt Menschen zusammenfinden und Mentorinnengruppen für die Begleitung von Flüchtlingen bilden," sagt Diakonie-Präsident Ulrich Lilie zum Beginn der zweiten Stufe des Aufnahmeprogramm NesT (Neustart im Team) für Flüchtlinge.

Nach dem Start des Programms am 6. Mai steht jetzt die weitere Gewinnung von Mentoren im Vordergrund.

"Mit der Übernahme von privater Verantwortung und eigenem finanziellen und organisatorischen Engagement in Kirche und Diakonie kann, zusätzlich zur staatlichen Aufnahme von Resettlement-Flüchtlingen, besonders schutzbedürftigen Flüchtlingen ein sicherer legaler Weg nach Deutschland geebnet werden. NesT ermöglicht es, Flüchtlinge bei der Integration vom ersten Tag an gut zu begleiten und schafft eine Möglichkeit sich ganz konkret für Menschen mit Schutzbedarf zu engagieren. Es ist sehr viel besser konkret einem Menschen zu helfen, als sich allgemein über den Zustand der ganzen Welt zu beklagen“, so Lilie weiter.

Lilie verwies in dem Zusammenhang auf die Pariser Erklärung vom 7. März 2019, in der deutsche und französische Verbände und Flüchtlingsorganisationen eine abgestimmte europäische Asyl- und Integrationspolitik anmahnen. "Es geht um ein starkes Signal in Richtung Öffentlichkeit, für Demokratie und Vielfalt, für rechtsstaatliche Asylverfahren in Europa und für eine menschenrechtsbasierte Aufnahmepolitik. Dabei ist es wichtig, sich nicht nur auf eine Vision eines geeinten Europas der Menschenrechte zurückzubesinnen, sondern konkret auch den Integrationsprozess vor Ort in den Kommunen gut zu gestalten. Das Programm NesT ist ein wegweisender zivilgesellschaftlicher Beitrag, an dem die Diakonie sich engagiert und breit beteiligt.“

Weltweit wird der Bedarf an Resettlement auf über 1,4 Millionen Menschen in Flüchtlingslagern des UNHCR geschätzt. Diese Menschen haben in den Erstaufnahmeländern keine dauerhafte Perspektive, so Präsident Lilie. Die Stärkung von Resettlement in Deutschland, auch durch NesT, sei daher ein wichtiger Baustein für den Ausbau von legalen Zufluchtswegen. Die kirchlich-diakonische Arbeit mit Geflüchteten werde dadurch ergänzt.

Hintergrund

Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen schätzt den Bedarf an Resettlement für 2019 weltweit auf über 1,4 Millionen Plätze. Damit ist der Bedarf um 17% höher als im vergangenen Jahr. Es besteht Bedarf in über 60 Ländern, aus langanhaltenden wie auch aus akuten Fluchtsituationen. Die internationale Staatengemeinschaft hat sich mit der New Yorker Erklärung verpflichtet, mit bestehenden und neu geschaffenen legalen Aufnahmeprogrammen die von UNHCR angegeben Resettlementbedarfe zu decken. Von 163.200 Resettlement-Einreichungen an 35 Staaten in 2016 sanken die Resettlement-Submissionen in 2017 auf 75.200, stiegen 2018 zwar etwas an (81.337 Einreichungen), jedoch beteiligten sich nur noch 29 Staaten.

Zum dritten Mal in Folge und mit einer Steigerung von 26% gegenüber dem Vorjahr stellen syrische Flüchtlinge die Bevölkerung mit dem höchsten Resettlementbedarf dar (42% des Gesamtbedarfs). Die zweitgrößte Gruppe, mit einer 10%-Steigerung seit 2018, stammt aus der Demokratischen Republik Kongo (DRC). Flüchtlinge aus dem Süd-Sudan repräsentieren die drittgrößte Bevölkerungsgruppe, wobei deren Resettlementbedarf seit 2018 um 71% gestiegen ist. Beide Flüchtlingsgruppen stellen etwa 11% des Gesamtbedarfs dar.

Informationen für Interessierte finden sich auf der Webseite von NesT. Dort ist der MentorInnen-Leitfaden abrufbar, Termine der nächsten Informationsveranstaltungen und Schulungen sowie die Kontaktdaten der zivilgesellschaftlichen Kontaktstelle ZKS, die bei der Mentorinnengewinnung unterstützt.

 

 

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Stephan Röger

Co-Leitung Aktuelles (interim) Social Media stellv. Pressesprecher

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