Harter Lockdown erfordert flexible Schutzkonzepte für besonders bedürftige Menschen

14. Dezember 2020
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Wegen der hohen Infektionszahlen wird der Lockdown bundesweit ab Mittwoch verschärft. Das öffentliche Leben wird heruntergefahren. Rigide Kontaktbeschränkungen, Ausgangssperren und andere Einschränkungen im öffentlichen Raum treffen Menschen besonders hart, die keine Wohnung haben oder in sehr beengten, stressanfälligen Verhältnissen leben. Erst recht gilt das für Menschen, die zu Hause von Gewalt bedroht sind und Ausweichmöglichkeiten brauchen. Für diese Gruppen müssen ganz schnell besondere Schutzkonzepte umgesetzt werden.

Mann sitzt mit einer Maske auf einem Bett
© Diakonie/Kathrin Harms

Ein harter Lockdown erfordert nach Ansicht der Diakonie besondere Schutzkonzepte, zum Beispiel mehr Übernachtungsplätze für obdachlose Menschen.

Maria Loheide, Vorstand Sozialpolitik der Diakonie Deutschland: "Menschen ohne Obdach, psychisch kranke Menschen oder Familien mit Jugendlichen, die in sehr beengten Verhältnissen leben, sind auf öffentliche Räume und Alternativen angewiesen. Einschränkungen der Bewegungsfreiheit und von Kontakten, das Leben in kleinen Wohnungen führen zu mehr Stress und Konflikten. Probleme in der Partnerschaft und der Familie können in Gewalt münden. Frauen und Kinder sind besonders gefährdet. Bei der Umsetzung von Corona-Schutzmaßnahmen ist es dringend notwendig, die Lebenssituation und Bedürfnisse dieser Gruppen zu berücksichtigen."

Dies sei eine politische und gesamtgesellschaftliche Aufgabe, sagt Loheide: "Wir alle sind gefordert, nach Alternativen und Lösungen zu suchen. Kirchen können unter Berücksichtigung von Hygiene-Auflagen Gemeindehäuser öffnen, Hotels und Jugendherbergen Zimmer zur Verfügung stellen oder Kommunen Zugang zu Duschen in ihren Schwimmbädern ermöglichen."

Für diese Menschen müssten Schutzräume und Orte für den Tagesaufenthalt geschaffen werden, so Loheide. "Außerdem muss das Angebot an Übernachtungsplätzen für Obdachlose flächendeckend erhöht werden, damit Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten werden können. Das Obdachlose vereinzelt Bußgelder zahlen müssen, weil sie Kontakt- und Ausgangssperren nicht einhalten können, darf nicht sein."

Die Pandemie hat dazu geführt, dass viele Hilfsangebote eingeschränkt wurden. So stehen etwa für Menschen ohne Obdach weniger Schlaf- und Wärmeplätze zur Verfügung. Auch für Frauen, die vor Gewalt fliehen müssen, gibt es weniger Wohnunterkünfte. Durch die Wintertemperaturen verschärft sich das Problem zusätzlich.

Mehr Informationen gibt es auf der Corona-Informationsseite der Diakonie Deutschland.

Für Rückfragen und weitere Informationen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

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