Diakonie warnt vor Rolle rückwärts beim Frauenbild durch Corona-Pandemie

20. Mai 2020
  • Pressemitteilung
  • Corona
  • Familie und Kinder
  • Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt nicht aus dem Blick verlieren
  • Rollenbild darf sich nicht in Care-Arbeit und Kinderbetreuung manifestieren
  • Politik und Arbeitgeber müssen frauen- und gleichstellungspolitische Schieflage verhindern
Illustration: Wegweiser mit Schlagworten zu Geschlechtergerechtigkeit
© Diakonie/Claudia Heblik

Die Corona-Pandemie verschärft aktuell die berufliche Ungleichheit zwischen berufstätigen Frauen und Männern.

Die Diakonie Deutschland warnt in der Corona-Krise vor einer Rolle rückwärts beim Frauenbild und der Geschlechtergerechtigkeit. Die Corona-Pandemie verschärft aktuell die berufliche Ungleichheit zwischen berufstätigen Frauen und Männern, so auch das Ergebnis einer jüngst veröffentlichten Online-Befragung im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung. In Haushalten mit mindestens einem Kind unter 14 Jahren haben 27 Prozent der Frauen, aber nur 16 Prozent der Männer ihre Arbeitszeit reduziert, um die Kinderbetreuung zu gewährleisten. Bei Haushalten mit geringem oder mittlerem Einkommen fällt die Diskrepanz noch größer aus. Danach lastet die Corona-bedingte zusätzliche Betreuungs- und Erziehungsarbeit mehrheitlich auf den Frauen, auch reduzieren berufstätige Frauen weitaus häufiger als Männer ihre Arbeitszeit oder arbeiten spät abends oder früh morgens. Das befördert die bereits bestehende frauen- und gleichstellungspolitische Schieflage und schadet erheblich der Gesundheit von Frauen.

„Für Frauen hat sich die ohnehin schwierige Situation durch Corona erheblich verschärft. Sie müssen Tele-Arbeit, Beschulung und Betreuung der Kinder, insbesondere als Alleinerziehende, alleine bewältigen, was schlicht nicht funktioniert. Homeoffice ist keine Lösung, wenn die Kinder nicht in die Kindertagesstätte oder Schule können und zudem die komplette Versorgung der Familie auf den Schultern der Frauen lastet“, sagt Maria Loheide, Diakonie-Vorstand Sozialpolitik.

„Die über Jahrzehnte erkämpfte Gleichstellung und Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Frauen und Männer droht zu kippen. Alte Muster und Rollenbilder feiern Hochkonjunktur. Frauen arbeiten trotz guter Ausbildung und Berufsabschlüsse ohnehin schon oft nur in Teilzeit, wenn Kinder da sind. Jetzt drohen ihnen auch noch weitere erhebliche Einkommenseinbußen aufgrund von Kurzarbeit. Die Gefahr ist groß, dass sie den Anschluss auf dem Arbeitsmarkt verlieren und erhebliche Einbußen bei der eigenen Karriere hinnehmen müssen. Viele Frauen fühlen sich in einer Sackgasse und sind mit ihren Kräften am Ende“, so Loheide.

Die Diakonie Deutschland spricht sich für eine deutliche Entlastung von erwerbstätigen Frauen und Männern aus, die Familie und Beruf im Home Office vereinbaren müssen. Dazu gehört die baldige Öffnung von Kitas und Schulen für alle und auch die Versorgung von zu pflegenden Angehörigen beispielsweise wieder in einer Tagespflege.

„Der drohende Rollback macht mir große Sorgen. Wir dürfen die Frauen mit den Problemen nicht allein lassen. Die Fortschritte der vergangenen Jahrzehnte in der Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Männer und Frauen, die Erwerbstätigkeit von Frauen und Karrierechancen von Frauen dürfen durch die Krise nicht an Dynamik verlieren. Ganz im Gegenteil, wir müssen jetzt erst recht aus diesen Erfahrungen lernen, Initiativen und Bündnisse starten und politische Maßnahmen zur Gleichstellung fordern“, so Loheide.

Um einen Rückfall in alte Rollenmuster zu verhindern, und um nicht weiter die Einkommens- und Vermögensunterschiede von Männern und Frauen anwachsen zu lassen, ist neben der besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die Aufwertung frauenspezifischer sozialer Berufe und eine gleichwertige Entlohnung unerlässlich. Dadurch werden verstärkt Anreize geschaffen, dass mehr als bisher familiäre Aufgaben partnerschaftlich zwischen den Müttern und Vätern geteilt werden. Hier könnten Teilzeitregelungen mit Lohnersatz eine Lösung sein. Die Corona-Krise hat mehr als deutlich gezeigt, dass die Politik bei ihren weiteren Entscheidungen familienpolitische und damit gleichstellungs- und frauenpolitische Belange stärker in den Blick nehmen muss. Aber auch Arbeitgeber müssen Rahmenbedingungen schaffen, die Eltern entlasten und Druck von ihnen nehmen, um somit eine partnerschaftliche Aufteilung der Sorgearbeit zu ermöglichen – nur so kann die Gesellschaft als Ganzes gewinnen.

Mehr Informationen:

Umfrage Hans-Böckler-Stiftung

Corona-Informationsseite der Diakonie Deutschland

Themenschwerpunkt Pflegeversicherung

Gleichstellungsatlas der Diakonie Deutschland

Für Rückfragen und weitere Informationen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

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© Hermann Bredehorst

Kathrin Klinkusch

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