Diakonie und Caritas: Soziale Einrichtungen nicht im Regen stehen lassen

16. Dezember 2020
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Wenn in Deutschland ab heute der harte Lockdown gilt, sind die sozialen Einrichtungen und Dienste von Caritas und Diakonie besonders gefordert. Denn alle Menschen, die von diesen Einrichtungen begleitet und versorgt werden, brauchen die Hilfe dringender denn je.

Zwei Pflegekräfte sitzen neben einer älteren Dame, die eine Puppe im Arm hält
© epd-bild/Klaus Honigschnabel

Die Menschen brauchen die Hilfe der sozialen Einrichtungen und Dienste von Diakonie und Caritas dringender denn je. Gerade in der Pflege ist die Lage sehr angespannt, der Personalmangel ist groß. Die Pflegekräfte geben sich größte Mühe, die eingeschränkten sozialen Kontakte wenigstens teilweise zu kompensieren - zum Beispiel im Rollenspiel mit einer Therapiepuppe.

Vor allem für Obdachlose, Kinder und Familien sowie für pflegebedürftige Menschen ist die Arbeit der Diakonie und Caritas häufig lebensnotwendig. Da das Virus für alte Menschen besonders gefährlich ist, ist die Situation gerade in vielen Pflegeheimen sehr ernst. Beratungsstellen und andere Dienste müssen ihrerseits zunehmend mehr Menschen zur Seite stehen, denn die Notlagen verschärfen sich.

Und über all dem schwebt wie ein Damokles-Schwert die Sorge um eine nachhaltige Finanzierung der Einrichtungen. So fassen Caritas-Präsident Peter Neher und Diakonie-Präsident Ulrich Lilie in einer gemeinsamen Pressekonferenz die gegenwärtige Lage in den beiden größten Wohlfahrtsverbänden Deutschlands zusammen.

Rettungsschirme nicht auskömmlich

Die staatlichen Rettungsschirme kompensieren das Corona-bedingte Defizit nur in gut 30 Prozent der sozialen Einrichtungen. Das ist das vorläufige Ergebnis einer Umfrage der Bank für Sozialwirtschaft unter Akteuren des Sozial- und Gesundheitswesens, aus der Neher und Lilie heute erste Ergebnisse vorgestellt haben.

„Die Rettungsschirme, die die Politik gespannt hat, helfen sehr, die Folgen der Pandemie in unseren Einrichtungen und Diensten abzufedern. Sie können aber nicht alles auffangen“, so Diakonie-Präsident Lilie. „Und jetzt schon ist absehbar, dass wir über den 31. März hinaus an Lösungen denken müssen. Denn wir werden bis dahin mitnichten wieder in einem normalen Modus sein.“

Soziale Einrichtungen, die wegen Abstandsregeln nicht wie gewohnt ihre Dienste anbieten oder die normalerweise zur Verfügung stehenden Plätze belegen können, sind sowohl mit rückläufigen Einnahmen konfrontiert als auch mit zusätzlichen Aufwendungen. Es müssen zum Beispiel Baumaßnahmen finanziert werden, etwa um Menschen voneinander abzuschirmen, oder zusätzliches Personal, zum Beispiel um Corona-Tests durchzuführen. Gemeinnützige Träger haben aber keine finanziellen Rücklagen, von denen sie schöpfen können.

Notlagen verschärfen sich

Die Präsidenten beider Verbände sind besorgt um die Existenz der sozialen Angebote – in einer Zeit, in der diese in besonderer Weise und zunehmend gebraucht werden.

„Die Kolleginnen und Kollegen in den Beratungsstellen merken, dass sich die Notlagen verschärfen – nicht nur die finanziellen, auch die emotionalen und psychischen. Sie erwarten, dass sich diese Situation noch zuspitzen wird“, so Caritas-Präsident Neher. „Die Menschen sind auf eine verlässliche soziale Infrastruktur angewiesen, auf Hilfe, die unsere Dienste nur anbieten können, wenn es sie noch gibt und wenn sie refinanziert werden.“

Weihnachten als Fest der Hoffnung

Akut sind Einrichtungen und Dienste mit den Vorbereitungen der Weihnachtszeit gefordert. Das stellt vor allem die Einrichtungen in der Altenhilfe vor enorme Herausforderungen „Die Isolation der Bewohnerinnen und Bewohner soll bei größtmöglichem Schutz vermieden werden. Dazu braucht es Testkapazitäten vor Ort, aber auch Personal, das durch Infektionen und Quarantäne-Maßnahmen von Tag zu Tag knapper wird. Die Personalsituation in der Pflege ist die größte Herausforderung. Es waren schon vor der Pandemie zu wenige Pflegekräfte im Einsatz. Corona hat gezeigt, dass das Pflegesystem dringend reformiert werden muss. Das ist die größte sozialpolitische Aufgabe 2021“, so Lilie.

Die Einrichtungen und Dienste von Caritas und Diakonie setzen alles daran, dass Weihnachten auch dieses Jahr ein Fest der Hoffnung wird. Mit viel Fantasie wird versucht, Vieles möglich zu machen.

Gerade in der Pflege ist die Lage sehr angespannt, die Mitarbeitenden sind erschöpft. Dennoch wird es in den meisten Häusern Weihnachtsfeiern für die Bewohnerinnen und Bewohner geben, wenn auch nüchterner als sonst; viele haben spezielle Besuchskonzepte für die Weihnachtstage entwickelt. Auch in anderen Bereichen, beispielsweise in der Wohnungslosenhilfe und in der Jugendhilfe, gibt es Konzepte und Ideen, um Weihnachten trotz aller Widrigkeiten zu feiern.

Für ihr hohes Engagement und ihren Erfindungsgeist, natürlich auch über Weihnachten hinaus, danken Neher und Lilie sehr herzlich allen Mitarbeitenden beider Verbände. „Dieses Jahr hat die Mitarbeitenden viel Kraft gekostet. Sie haben hohen Einsatz gezeigt – und manche haben in ihrem Dienst an den Menschen auch ihre Gesundheit riskiert. Das wollen wir nicht vergessen und sind sehr dankbar dafür“, so die Präsidenten.

Zur Umfrage:

Die Bank für Sozialwirtschaft befragt noch bis zum 20. Dezember 2020 Vorstände und Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer des Sozial- und Gesundheitswesens zu den Auswirkungen der Pandemie insbesondere auf ihre finanzielle Situation. Die hier vorgestellten Ergebnisse entsprechen dem Stand zum 11. Dezember 2020. Die Bank für Sozialwirtschaft wird die endgültigen Ergebnisse der Umfrage im Januar veröffentlichen.

Kontakt:

Kathrin Klinkusch, Pressesprecherin Diakonie Deutschland, Tel. +49 30-65211-1878, Email: [email protected], www.diakonie.de

Mathilde Langendorf, Pressesprecherin Deutscher Caritasverband, Tel. +49 30 28444 743, Email: [email protected], www.caritas.de

Für Rückfragen und weitere Informationen stehen wir gerne zur Verfügung.

Ansprechpartnerin

© Hermann Bredehorst

Kathrin Klinkusch

Pressesprecherin

030 65211-1780

[email protected]