Paul Gerhard Braune

Geboren 16.12.1887 in Tornow/Neumark, gestorben 19. September 1954 in BethelPfarrer, Leiter der Hoffnungstaler Anstalten Lobetal

Der in einem preußisch-konservativem Milieu sozialisierte und im  Geiste Adolf Stöckers erzogene Pfarrerssohn studierte von 1906-1909 Theologie in Bethel, Halle und Berlin. Prägend war die Begegnung mit Friedrich von Bodelschwingh d.Ä. und die praktische Mitarbeit in Bethel.

1913 ordiniert, übernahm Braune die Pfarrstelle in Hohenkrähnig/Neumark, folgte jedoch schon 1922 einem Ruf Friedrich von Bodelschwinghs d.J. und wurde Leiter der durch Krieg und Nachkrieg in ökonomische Not geratenen Hoffnungstaler Anstalten Lobetal nördlich von Bernau b. Berlin, die er sanierte. Durch die Gründung zahlreicher Arbeiterkolonien rund um Berlin entwickelte sich das Werk unter seiner Ägide zum größten Verbund von Wandererführsorgeeinrichtungen im Reich.

Seit 1926 führte Braune die Geschäfte der drei reichsweit agierenden interkonfessionellen Wandererführsorgeverbände. In seinen von Pragmatismus und Vehemenz gekennzeichneten Verhandlungen auf ministerialer Ebene eröffnete er den Zugriff auf Finanzierungsquellen der sozialen Sicherungssysteme der Weimarer Republik. Das politische System lehnte er als Deutschnationaler jedoch in Gegnerschaft zur Sozialdemokratie ab.

Seit 1926 Mitglied im Centralausschuss für die Innere Mission, wurde Braune 1932 dessen Vizepräsident. In dem durch Vertreter der Deutschen Christen dominierten Vorstand trat er konsequent gegen eine Vereinnahmung der Inneren Mission durch die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt ein.

Als bedeutender Akt protestantischen Widerstandes im Nationalsozialismus gilt  Braunes Kampf gegen die sog. Euthanasie im Zusammenwirken mit Friedrich von Bodelschwingh d.J.. Es gelang ihm, den Abtransport von Bewohnerinnen zu verhindern. Informationen über planmäßige Verlegungen und massenhafte Todesmeldungen aus dem gesamten Reichsgebiet verdichtete er zu einer Denkschrift, die in der Reichskanzlei abgegeben wurde. Braunes Kampf gegen die Euthanasie und gegen die Vereinnahmung der Inneren Mission führten 1940 zu seiner Inhaftierung durch die Gestapo.

Insbesondere nach der sog. Reichskristallnacht half Braune in engem Zusammenwirken mit dem Büro Grüber  und nach Auflösung des Büros konspirativ, zahlreichen sog. nichtarischen Christen und jüdischen Menschen, von denen einige in den Hoffnungstaler Anstalten bewahrt werden konnten. 1943 setzte sich Braune für verhaftete homosexuelle Bewohner der Hoffnungstaler Anstalten ein und schrieb, erfolglos, Gnadengesuche für die zum Tode Verurteilten.

Als Präsident der Inneren Mission (Ost) avancierte Braune nach 1945 zu ihrem einflussreichsten Vertreter in der SBZ/DDR. 1953 gelang ihm durch die Abwehr der staatlichen Übernahme Lobetals ein genereller Erfolg, der das eigenständige Fortbestehen der Inneren Mission in der DDR sichern half.

Autor: Jan Cantow

Literatur

Jan Cantow, Jochen-Christoph Kaiser (Hgg.), Paul Gerhard Braune (1887-1954). Ein Mann der Kirche und Diakonie in schwieriger Zeit, Stuttgart (Kohlhammer) 2005.

Berta Braune, Hoffnung gegen die Not. Mein Leben mit Paul Braune, Wuppertal (R. Brockhaus)1983 und Berlin 1989.