Wolfgang Deininger: Rente ist ein bisschen niedrig

12. April 2018
  • Kampagne UNERHÖRT!

Wolfgang Deininger ist 83 Jahre und lebt in Stuttgart. Der Schwabe findet seine Rente zu niedrig. Aber mit seinem Leben ist er zufrieden.

Zuhören statt verurteilen

Diese Geschichte ist Teil der Kampagne UNERHÖRT! Damit wirbt die Diakonie Deutschland für eine offene Gesellschaft: Viele Menschen haben heute das Gefühl, nicht gehört zu werden. Sie fühlen sich an den Rand gedrängt in einer immer unübersichtlicheren Welt, in der das Tempo steigt und Gerechtigkeit auf der Strecke zu bleiben droht. Doch jede Lebensgeschichte hat ein Recht darauf, gehört zu werden.

Manche Geschichte fordert Widerspruch heraus. Zuhören bedeutet nicht automatisch Zustimmung. Und nicht alles, was erzählt wird, entspricht unserem Menschenbild oder den Positionen der Diakonie. Darüber müssen wir reden - denn häufig steckt hinter einer Geschichte eine existenzielle Notlage.

Die Kampagne, die von 2018 bis 2020 laufen soll, will wachrütteln und zugleich aufzeigen, dass die Diakonie zuhört, Lösungen bereithält und eintritt für eine offene und vielfältige Gesellschaft. Die Diakonie will diese Diskussion anstoßen und führen, sie will zur Plattform für einen Diskurs rund um soziale Teilhabe werden.

Wolfgang Deiningers Geschichte zum Nachlesen

Ich heiße Wolfgang Deininger, wohne in Stuttgart, Bad Cannstatt. Ich bin 83 Jahre alt. Mein Garten bringt so viel Obst, dass ich sogar die Schwäbische Tafel beliefern kann. Ich bin froh, dass ich aufstehen kann. Das ist mal das erste. Und dass ich marschieren kann. Dass ich rauf komme in meine Kirche. Ich komme zur Vesperkirche. Vor allem mal kriegt man günstiges Essen. Man ist aufgehoben den ganzen Tag, obwohl ich ja ein Zu Hause habe, aber ich bin halt unter Menschen. Ich und meine Frau, wir kommen rauf zum Essen und da sitze ich dann halt drin und schwätze mit meinen anderen. Und das freut mich am meisten.

Unsere Rente ist ein bisschen niedrig, ja, aber was will ich machen? Ja die sollte einigermaßen erhöht werden. Und sonderbar: unsere Frauen, die früher die Backsteine geputzt haben, dass man wieder aufbauen können hat, die haben gar nichts. Und wenn es dann an die Rente geht, dann haben sie gleich zweimal nichts. Das müsste manchmal her – eine andere Regierung. Die soll Deutschland lassen, wie es ist.

Und also ich bin sehr sehr zufrieden. Warum soll ich nicht zufrieden sein? Ich habe doch alles.

 

Text und Audio: Dikonie/Justine Schuchardt