"Wir wollen nicht zurückgehen"

21. November 2018
  • Kampagne UNERHÖRT!
  • Flucht und Migration

Über ihrem Bett hängt die Deutschlandfahne. Yarah (9) und Azad (8) aus Syrien sind 2013 ins niedersächsische Dorf Sibbesse gekommen und möchten dortbleiben. Der kurdischen Familie droht nun die Abschiebung nach Rumänien. Hören Sie ihre Geschichte.

Diese Geschichte ist Teil der Kampagne UNERHÖRT! Nicht alles, was erzählt wird, entspricht unserem Menschenbild oder den Positionen der Diakonie. Darüber müssen wir reden. Zuhören bedeutet nicht automatisch Zustimmung.

Zuhören statt verurteilen

Mit "UNERHÖRT!" wirbt die Diakonie Deutschland für eine offene Gesellschaft: Viele Menschen haben heute das Gefühl, nicht gehört zu werden. Sie fühlen sich an den Rand gedrängt in einer immer unübersichtlicheren Welt, in der das Tempo steigt und Gerechtigkeit auf der Strecke zu bleiben droht.

Jede Lebensgeschichte hat ein Recht darauf, gehört zu werden - auch wenn sie Widerspruch herausfordert. Es lohnt sich zum Beispiel, sehr genau hinzuhören, warum sich Menschen von der offenen Gesellschaft distanzieren. Auch sie sind Teil unserer freien und offenen Gesellschaft und können sie mitgestalten, für sie eintreten. Wir sind überzeugt: Zuhören und Streiten hilft hier weiter, und weder Zuhören noch Streiten ist einfach.

Die Kampagne, die von 2018 bis 2020 läuft, will wachrütteln und zugleich aufzeigen, dass die Diakonie zuhört, Lösungen bereithält und eintritt für eine offene und vielfältige Gesellschaft. Die Diakonie will diese Diskussion anstoßen und führen als Plattform für einen Diskurs rund um soziale Teilhabe.

Yarahs und Azads Geschichte zum Nachlesen

Yarah: Ich heiße Yarah, bin neun Jahre alt. Ich bin nach Deutschland gekommen, weil in unserem Land Krieg war. Früher haben wir in Syrien gelebt, dann haben wir in Rumänien gelebt und jetzt leben wir in Deutschland.

Azad: Ich heiße Azad, ich bin acht Jahre alt. Wir sind erst von Syrien in den Irak gegangen, dann sind wir mit dem Auto nach Rumänien und dann weiß ich, wie wir nach Deutschland gekommen sind. Das habe ich nicht mehr im Kopf.

Yarah: Ich weiß es aber noch. Dann haben sie gesagt, entweder macht Ihr Abdrücke oder Ihr kommt ins Gefängnis. Dann haben wir Abdrücke gemacht und dann sind wir schnell nach Deutschland gekommen, weil wir wollten nicht ins Gefängnis kommen.

Azad: Als ich gekommen bin, war ich noch drei Jahre alt. Da war ich noch im Kindergarten. Dann ist meine Schwester in die Schule gegangen und dann bin ich irgendwann auch in die Schule gegangen.

Yarah: Ich habe ganz viele Freunde und ich will nicht mehr zurückgehen. Also ich finde alles in Deutschland schön, alles.

Azad: Ich finde auch alles in Deutschland schön. Mein Freund, der wohnt auch neben mir. Der heißt Ben. Wir wollen nicht zurückgehen. Wir wollen hierbleiben.

Yarah: Als wir von Abschiebung gehört haben, haben wir geweint.

Azad: Ich möchte, dass wir hier bleiben in Deutschland.

Yarah: Ich will auch, dass wir hierbleiben und glücklich sind.

Redaktion: Diakonie/Ulrike Pape