"Wir können zusammen viele Leben retten"

23. Dezember 2021
  • Kampagne UNERHÖRT!
  • Corona

Diakonie-Präsident Ulrich Lilie hat sich für eine allgemeine Impfpflicht ausgesprochen, um die Verletzlichsten in der Gesellschaft zu schützen.

Die Haltung der Diakonie Deutschland ist klar PRO Impfen! Aber wir bleiben offen für Gespräche mit den zögerlichen, unentschlossenen, skeptischen Stimmen. Unter "DANKE! IHR GEIMPFTEN." sammeln wir, weshalb sich verschiedene Menschen haben impfen lassen, auch von jenen, die zunächst vielleicht unentschlossen waren. Die Erzählungen sind Teil der Kampagne UNERHÖRT! 

"Es gibt sehr bittere Lernwege. Dass ich mich hier vehement für eine allgemeine Impfpflicht zum Schutz der Verletzlichsten in unserer Gesellschaft ausspreche, verdankt sich den schmerzhaft gewonnen Einsichten aus der immer dramatischeren Corona-Situation in diesem Herbst und Winter: Die erneut in die Höhe schießenden Inzidenzen, die wieder verheerenden Verhältnisse auf den Intensivstationen und die Gewissheit, dass mit der hochansteckenden Omikron-Variante die 5. Welle schon begonnen hat, trotz einer Vielzahl von gleichzeitigen Maßnahmen wie den gut eingeübten Hygiene- und Abstandsregeln, den Kontaktbeschränkungen und dem Impfen bzw. Boostern. 

Das Ziel aller Bemühungen ist: Übertragungsketten zu unterbrechen, Krankheitsverläufe zu mildern und diejenigen besonders zu schützen, die sonst schutzlos wären: Kinder, Menschen mit Behinderung, chronisch Kranke und Alte. Ja, die Impfung schützt leider nicht vollständig vor einer Erkrankung. Ja, sie wird bestimmt wiederholt werden müssen. Aber: geimpft zu sein mildert die Symptome und verlangsamt das Tempo, mit dem das Virus die Gesellschaft durchlaufen kann. Es werden weniger Menschen gleichzeitig krank. 

Impfen ist für mich derzeit ein sehr konkreter Ausdruck von Nächstenliebe. Wie man diese Solidarität auch nennt: Wir können ein engmaschiges Netz der Menschenfreundlichkeit und der Verantwortung knüpfen und zusammen viele Leben retten. Zusammen - ob alt oder jung, Akademikerin oder Handwerker, mit oder ohne deutschen Pass -  bilden wir ein großes, vielfältiges und nicht kaltherziges, sondern warmherziges Wir. So geht Anteilnahme, Rücksicht und Zusammenhalt. Und die Menschen, die sich tatsächlich nicht impfen lassen können, schützen wir damit mit.

Persönliche Freiheit ist auch für mich ein sehr hohes Gut, aber in diesem konkreten Fall der Pandemie halte ich den Verzicht auf dieses Segment persönlicher Freiheit für unverzichtbar.  Corona lehrt uns aktuell auch eine Lektion als Gesellschaft: eine zukunftsfähige Gemeinschaft braucht zukünftig eine neue Balance von Freiheit und Pflicht. Aktuell haben wir eine Pflicht, das Leben und die Gesundheit der anderen zu schützen: Auch die, deren medizinisch dringend notwendige Behandlungen wegen Corona verschoben werden müssen, oder die mit einem akuten Notfall keinen Platz auf der Intensivstation finden, oder die schon lange über ihre Belastungsgrenze arbeiten, weil vor allem die Ungeimpften immer schwerer erkranken, unnötig sterben. 

Es gibt bittere Lernwege und wichtige Lektionen für uns alle. Die gute Nachricht ist: Wir brauchen das vermeidbare Sterben und Leiden nicht länger hinzunehmen. Wir haben mit den Impfstoffen wirksame Mittel gegen schwere Krankheitsverläufe: Impfen schützt!"