"Unerhört! Vom Verlieren und Finden des Zusammenhalts" - Lesung und Gespräch

25. Oktober 2019
  • Kampagne UNERHÖRT!
  • Armut und Arbeit
  • Engagement und Hilfe

"Die Gesellschaft bricht auseinander - was können wir tun?" Diakonie-Präsident Ulrich Lilie und Ralph Brinkhaus, Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, diskutierten im Rahmen der Buch-Lesung "Unerhört! Vom Verlieren und Finden des Zusammenhalts" am 23. Oktober 2019 in der Berliner Stadtmission über die gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit.

© Diakonie/Iris Möker

Chefkorrespondentin epd Corinna Buschow diskutiert mit Diakonie-Präsident Ulrich Lilie (links im Bild) und Ralph Brinkhaus (rechts im Bild), Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, bei der Buch-Lesung "Unerhört! Vom Verlieren und Finden des Zusammenhalts".

"Zuhören ist ein wichtiger Schritt, damit Menschen sich gesehen fühlen und gesellschaftlicher Zusammenhalt gestärkt wird", so Ralph Brinkhaus, Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Gespräch mit Diakonie-Präsident Ulrich Lilie.

Zuvor hatte Lilie aus seinem Buch "Unerhört! Vom Verlieren und Finden des Zusammenhalts" gelesen. "Ich erlebe, dass Dialoge zunehmend inszeniert werden, aber letztlich nichts mehr mit Zuhören zu tun haben", merkt Lilie an und fordert Politiker zu einer ganz neuen Aufmerksamkeit auf: "Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen erfordert Ressourcen und einen sorgsamen Umgang mit Positionen", so Lilie. Ralph Brinkhaus erzählt von seinen Erfahrungen, die er als Politiker macht und den verbalen Angriffen, denen er ausgesetzt ist: "Die Empörungskultur ist gewaltig und ist durch die sozialen Medien noch gewaltiger geworden. Sie müssen ein dickes Fell haben, wenn Sie Ecken und Kanten zeigen wollen".

Die mangelnde Bereitschaft, einander zuzuhören, betrifft alle Bereiche, darin sind sich die Gesprächspartner einig und wünschen sich mehr Zeit, um auch längere Gedanken entwickeln zu können. Die Gesellschaft verändert sich und Politiker sollten nicht nur denen Zuhören, die sich lautstark zu Wort melden, sondern auch auf die stillen Menschen zugehen, ihre Sorgen und Ängste wahrnehmen. "Wir müssen auch die Leute sehen, die keine Schwierigkeiten haben. Der Zusammenhalt der Gesellschaft kommt aus der Mitte heraus, aber auch die Mitte hat Ängste", sagt Brinkhaus. "Ängste und Sorgen kann man nicht mit Statistiken widerlegen, man muss den Menschen zuhören und sie müssen sich Ernst genommen fühlen", ergänzt Lilie.

Auch die Ereignisse 2015 sind Thema des Gesprächs. Einig sind sich die beiden Gesprächspartner, dass zu wenig einander zugehört wurde: "Wer es gewagt hat, darauf hinzuweisen, dass es auch Probleme gibt, ist weggebasht worden", erinnert sich Brinkhaus. Dazu Diakonie-Präsident Ulrich Lilie: "Es ist zu wenig gesagt worden: Es wird auch schwierig. Wir sind auf dem Honig gerutscht, dass alles wunderbar ist. Das war ein Fehler in der politischen Kommunikation - das ist nach Silvesternacht auf der Kölner Domplatte gekippt."

"Es geht nicht nur darum, zu reden, sondern auch Verantwortung zu übernehmen und zu handeln", so Lilie weiter. Und Brinkhaus ergänzt: "Wir sind trotz allem, was schief läuft, ein gutes Land."

Mit der Kampagne "Unerhört!" stärkt die Diakonie die Kunst des Zuhörens. In ihr kommen Menschen zu Wort, die sich nicht gehört und an den Rand der Gesellschaft gedrängt fühlen.

Zuhören statt verurteilen

Mit "UNERHÖRT!" wirbt die Diakonie Deutschland für eine offene Gesellschaft: Viele Menschen haben heute das Gefühl, nicht gehört zu werden. Sie fühlen sich an den Rand gedrängt in einer immer unübersichtlicheren Welt, in der das Tempo steigt und Gerechtigkeit auf der Strecke zu bleiben droht.

Die Kampagne, die von 2018 bis 2020 läuft, will wachrütteln und zugleich aufzeigen, dass die Diakonie zuhört, Lösungen bereithält und eintritt für eine offene und vielfältige Gesellschaft. Die Diakonie will diese Diskussion anstoßen und führen als Plattform für einen Diskurs rund um soziale Teilhabe.