Thomas Hübner: Nicht jede Kritik an der Flüchtlingspolitik ist rechtsradikal

23. Oktober 2018
  • Kampagne UNERHÖRT!
  • Flucht und Migration

Pfarrer Thomas Hübner aus Köln macht sich Sorgen, weil viele Muslime dass Grundgesetz nicht anerkennen. Er befürchtet, dass Schulen durch den hohen Ausländeranteil überfordert sind und Kinder zu wenig lernen. Der Bildungsverfall habe volkswirtschaftliche Folgen. Er befürchtet den Aufstieg radikaler Gruppen, weil über diese Probleme nicht offen geredet werde. Hören Sie seine Geschichte!

Diese Geschichte ist Teil der Kampagne UNERHÖRT! Nicht alles, was erzählt wird, entspricht unserem Menschenbild oder den Positionen der Diakonie. Darüber müssen wir reden. Zuhören bedeutet nicht automatisch Zustimmung.

Zuhören statt verurteilen

Mit "UNERHÖRT!" wirbt die Diakonie Deutschland für eine offene Gesellschaft: Viele Menschen haben heute das Gefühl, nicht gehört zu werden. Sie fühlen sich an den Rand gedrängt in einer immer unübersichtlicheren Welt, in der das Tempo steigt und Gerechtigkeit auf der Strecke zu bleiben droht.

Jede Lebensgeschichte hat ein Recht darauf, gehört zu werden - auch wenn sie Widerspruch herausfordert. Es lohnt sich zum Beispiel, sehr genau hinzuhören, warum sich Menschen von der offenen Gesellschaft distanzieren. Auch sie sind Teil unserer freien und offenen Gesellschaft und können sie mitgestalten, für sie eintreten. Wir sind überzeugt: Zuhören und Streiten hilft hier weiter, und weder Zuhören noch Streiten ist einfach.

Die Kampagne, die von 2018 bis 2020 läuft, will wachrütteln und zugleich aufzeigen, dass die Diakonie zuhört, Lösungen bereithält und eintritt für eine offene und vielfältige Gesellschaft. Die Diakonie will diese Diskussion anstoßen und führen als Plattform für einen Diskurs rund um soziale Teilhabe.

Thomas Hübners Geschichte zum Nachlesen

Mein Name ist Thomas Hübner. Ich war 35 Jahre Pfarrer in einer Vorstadt von Köln. Ich habe 46 Jahre lang Jugendfreizeiten geleitet, u.a. auch mit Jugendlichen ganz anderer Konfession, zum Beispiel Muslimen und Juden. Ich bin 66 Jahre alt und seit einem Jahr im Ruhestand.

Ich mach mir große Sorgen, weil in dem Zusammenhang, in dem ich hier gefragt werde, Flüchtlinge, die zu uns kommen, in gar keiner Weise unser Grundgesetz anerkennen. Beispiel: weder die Emanzipation der Frau, noch die Notwendigkeit von Bildung, noch die Notwendigkeit, sich über die Bildung und Berufsausbildung einzufinden in einen ganz neuen Kulturzusammenhang.

Ich will aus meiner Gemeindearbeit mal ein Beispiel nennen. Ich habe türkische Jugendliche betreut, die in der dritten Generation kaum einen vollständigen Satz sprechen konnten. Das liegt daran, dass die Mütter der muslimischen Familien so ausgeschlossen werden von dem Kontext, dass eine Überleitung in einen neuen Kulturzusammenhang, sprich: Sprache und Schriftsprache ausgeschlossen ist.

Ich sehe also nicht wegen der anderen Konfession den muslimischen Glauben als eine Gefahr, sondern dass eben die muslimischen Verbände letztendlich ihren Koran über das Grundgesetz stellen.

Wenn ich hier in Köln sehe, wieviele Schulen mit überwiegenden Anteilen von Schülern belastet ist, so dass deutsche Schüler kaum noch ihre Muttersprache lernen, dass keine Lehrerin, kein Lehrer mehr wagt, anzugeben, dass sie bei weitem das Klassenziel nicht erreichen kann, weil sie gar nicht durchkommt bei den Schülern, dass der Verfall unserer Schulbildung, ist meines Erachtens etwas, was nicht nur volkswirtschaftlich Sorgen macht, sondern wo die Politik etwas vernachlässigt. Wer a sagt, muss auch b sagen. Wenn ich Flüchtlinge reinlasse, dann kann ich nicht alles andere dem Zufall überlassen.

Mir geht es darum, dass man differenziert zwischen denjenigen, die kulturbereichernd eine fremde Sozialisation und Kultur mitbringen und die einbringen in einen neuen Lebenszusammenhang. Und mir scheint, was ich jedenfalls lesen kann und hören kann von syrischen Flüchtlingen, dass da eine große Bereitschaft ist.

Die Konsequenzen aus der bundesrepublikanischen Außenpolitik, gerade die Migrationspolitik, in die Länder bis in die Kommunen hinein - Notunterkünfte, , Wohnungsbau, jetzt ist die große Wohnungsnot - dass das nicht klappt, das wird nicht öffentlich diskutiert, sondern es wird unterm Tisch gehalten.

In der Universitätsklinik Charité sind Überfälle von arabischen Gruppen passiert nachts, worüber die Ärzte nicht berichten durften. Wenn dieser notwendige politische Austausch nicht mehr passiert, dann haben die Radikalen alle Chancen, sich zusammenzutun. Die Bundesregierung macht doch im Bundestag alles gleich, und da hat sie ihren dankbaren Gegner der AFD, alles gleich rechtsradikal, was nicht ihrer Meinung ist.

Text und Audio: Diakonie/Justine Schuchardt