Seit einem Jahr eingesperrt

9. Juni 2021
  • Kampagne UNERHÖRT!
  • Corona

Annabelle studiert wegen Corona seit einem Jahr online. Doch sie vermisst den lebendigen Austausch mit anderen an der Uni. In ihrer letzten Klausur hat sie aus Protest nur ein Gedicht geschrieben und abgegeben. Weil ihr das Lernen am Bildschirm nichts mehr bringt, hat sie ihr Studium unterbrochen. Hören Sie ihre Geschichte!

Hiermit akzeptiere ich die von mir zur Kenntnis genommene Datenschutzerklärung über SoundCloud, um den SoundCloud-Player anzuzeigen.
Mit Ihrer Zustimmung verarbeiten wir Ihre Daten gemäß § 6 DSG-EKD.

Mit "UNERHÖRT!" wirbt die Diakonie Deutschland für eine offene Gesellschaft: Viele Menschen haben heute das Gefühl, nicht gehört zu werden. Sie fühlen sich an den Rand gedrängt in einer immer unübersichtlicheren Welt, in der das Tempo steigt und Gerechtigkeit auf der Strecke zu bleiben droht.

Jede Lebensgeschichte hat ein Recht darauf, gehört zu werden – auch wenn sie Widerspruch herausfordert. Es lohnt sich zum Beispiel, sehr genau hinzuhören, warum sich Menschen von der offenen Gesellschaft distanzieren. Auch sie sind Teil unserer freien und offenen Gesellschaft und können sie mitgestalten, für sie eintreten. Wir sind überzeugt: Zuhören und Streiten hilft hier weiter, und weder Zuhören noch Streiten ist einfach.

Die Kampagne will wachrütteln und zugleich aufzeigen, dass die Diakonie zuhört, Lösungen bereithält und eintritt für eine offene und vielfältige Gesellschaft. Die Diakonie will diese Diskussion anstoßen und führen als Plattform für einen Diskurs rund um soziale Teilhabe.

Annabelles Geschichte zum Nachlesen

Ich hatte neulich eine Klausur, und in der letzten Phase der Vorbereitung war ich einfach kräftemäßig am Ende und hab mich dann auch nicht mehr in der Lage gefühlt, mich wirklich angemessen auf die Klausur vorzubereiten. Ich bin dann trotzdem in die Klausur reingegangen, um einfach wieder ein Klausurerlebnis zu haben oder eine Prüfungssituation zu haben ohne den Druck und den Stress und hab mir die Zeit dort genommen und hab ein Gedicht geschrieben über die aktuelle Situation als Studentin unter Coronabedingungen und daraus lese ich jetzt eine Strophe vor.

Seit einem Jahr eingesperrt
Hauptsache, die Wirtschaft läuft
Daran ist doch nichts verkehrt
Doch ist es
Denn wir haben die Verantwortung in Zukunft
Aber wie
Wenn wir nichts verstehen von unserer Zunft
Am Bildschirm lesen
Davon lernt man nichts
Da lese ich lieber Asterix

Ich bin Annabelle Mangold. Ich bin 20 Jahre alt und studiere Soziologie und Geographie in Tübingen und das jetzt seit einem Jahr online. Wenn man alleine vorm Bildschirm sitzt und sich irgendwelche Vorlesungen anhört oder anschaut, lern ich persönlich deutlich weniger, als wenn ich mich da mit irgendwelchen Freunden, Kommilitonen austauschen würde. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass dieses Bedürfnis der Studierenden nicht wirklich gehört wird, weil die Onlinelehre funktioniert ja irgendwie. Ich arbeite und arbeite, und es wird irgendwie überhaupt nichts wahrgenommen.

Ich würde gern in die nachhaltige Unternehmens- und Politikberatung gehen. Die Coronapandemie ist ja nur ein kleiner Teil der Auswirkungen des Klimawandels beziehungsweise des Eingriffs des Menschen in die Natur. Für die Krisen, die uns jetzt in Zukunft erwarten, brauchen wir innovative und kreative Lösungen. Wir können nicht weitermachen wie bisher.

Aus dem Grund, dass ich mich aktuell von der Uni nicht gut genug vorbereitet fühle für das Berufsleben, für das, was uns in Zukunft erwarten wird, hab ich mich entschieden, dass ich gerne ein bisschen mehr Praxiserfahrungen sammeln würde und hab mich dazu entschieden, ein Praktikum zu machen bei einer Startup-Gründungsberatung und einem Coworking Space und hoffe, dass ich dort wichtige Erfahrungen bekomme, die ich, glaube ich, aktuell im Studium nicht bekommen würde.

Text und Audio: Diakonie/Justine Schuchardt