Rune Schohaus: "In jedem Menschen schlummert ein Rockstar"

5. Juni 2018
  • Kampagne UNERHÖRT!
  • Freiwilliges Engagement

Rune Schohaus aus Bramsche leitet seit neun Jahren den TenSing Chor, macht Cross-Over-Konzerte mit seiner Metal-Band und engagiert sich in der Jugendarbeit. Hören Sie seine Geschichte!

Zuhören statt verurteilen!

Diese Geschichte ist Teil der Kampagne UNERHÖRT! Damit wirbt die Diakonie Deutschland für eine offene Gesellschaft: Viele Menschen haben heute das Gefühl, nicht gehört zu werden. Sie fühlen sich an den Rand gedrängt in einer immer unübersichtlicheren Welt, in der das Tempo steigt und Gerechtigkeit auf der Strecke zu bleiben droht. Doch jede Lebensgeschichte hat ein Recht darauf, gehört zu werden.

Andere Menschen wiederum engagieren sich mit viel Zeit und Leidenschaft in ihrer Familie, ihrem Beruf oder ehrenamtlich und sind dabei oft am Limit. Diese Alltagshelden tragen erheblich zum Zusammenhalt unserer Gesellschaft bei, stehen jedoch selten im Licht der Öffentlichkeit. Auch sie kommen in unserer Kampagne zu Wort, damit sie mehr Beachtung finden.

Manche Geschichte fordert Widerspruch heraus. Zuhören bedeutet nicht automatisch Zustimmung. Und nicht alles, was erzählt wird, entspricht unserem Menschenbild oder den Positionen der Diakonie. Darüber müssen wir reden - denn häufig steckt hinter einer Geschichte eine existenzielle Notlage.

Die Kampagne, die von 2018 bis 2020 laufen soll, will wachrütteln und zugleich aufzeigen, dass die Diakonie zuhört, Lösungen bereithält und eintritt für eine offene und vielfältige Gesellschaft. Die Diakonie will diese Diskussion anstoßen und führen, sie will zur Plattform für einen Diskurs rund um soziale Teilhabe werden.

Rune Schohaus' Geschichte zum Nachlesen

Mein Name ist Rune Schohaus, ich bin 25 Jahre alt und ich bin Sozialarbeiter, ich arbeite im Jugendamt im Allgemeinen Sozialen Dienst, und ich engagiere mich ehrenamtlich in der St.Johanniskirchengemeinde in Bramsche. Primär leite ich den Ten Sing Chor bei uns, seit acht oder neun Jahren, wenn ich mich recht erinnere, und da geht es darum Jugendlichen eine Möglichkeit zu geben, Musik zu machen und sich von einer Seite zu zeigen, von der sie sich sonst im Alltag nicht zwangsläufig zeigen können, ich bin der Meinung, dass jeder Jugendliche oder jeder Mensch einen Rockstar in sich drin schlummern hat, und das habe ich mir als meine Aufgabe genommen, diesen Rockstar in jedem der Jugendlichen rauszulassen.

Das mache ich dadurch, dass ich versuche, mit Band, Chorleitung, Solo-Gesang, aber auch Schauspiel, Sketche und Tänze einmal im Jahr ein ganz, ganz großes Konzert auf die Beine zu stellen, mit unfassbar viel Lichttechnik, mit Tontechnik, mit Equipment, was auf Wacken, bei Rock am Ring und bei anderen großen Festivals verwendet wird, dass die Jugendlichen da die Möglichkeit kriegen, einmal aufzutreten und den Rockstar an diesem Punkt rauszulassen.

TenSing ist für mich ein Schnittpunkt zwischen meiner Profession, die ich im Jugendamt auslebe, der Sozialen Arbeit, und der Musik, dass ich da die Möglichkeit habe, das Prinzip der Jugendarbeit und das Prinzip der Musik ein bisschen zu vereinen, also das sind die beiden Charakteristika, die mich auch ausmachen. Diese ganzen zwischenmenschlichen Sachen, die da passieren, während wir Chorfreizeiten haben, zusammen Spaß haben, Spiele spielen, Musik machen zusammen, lachen, aber auch zusammen weinen können, und zu sehen, wie die Jugendlichen da aufblühen, und wirklich den Alltag mal vergessen können und da mal das zu sein, was sie wirklich sind, das tut mir wahnsinnig gut, und ich unterstelle den Jugendlichen, dass es denen auch damit gut geht.

Ich mache das, weil mir das unfassbar viel wiedergibt, ich würde Ten Sing auch nicht als Stressfaktor in meinem Alltag ansehen, also auch wenn ich nach einem langen, Acht-, Neun-, Zehn-Stundentag aus dem Jugendamt nach Hause komme und dann noch den Chor zu leiten habe, fühle ich mich hinterher besser, ich kann dann abschalten, ich kann durchatmen, und ich kann auch mal ein kleines bisschen die Sau rauslassen, was die Jugendlichen auch machen und dürfen, und ich glaube, das ist das Authentische, was da auch hinterstehen muss, und dass das Ganze von Erfolg gekrönt sein kann.

Text und Audio: Evangelischer Kirchenfunk Niedersachsen/Katja Jacob