Rita Otte arbeitet ehrenamtlich im Allerweltsladen und in Schulen

5. Juni 2018
  • Kampagne UNERHÖRT!
  • Freiwilliges Engagement

Rita Otte verkauft seit 21 Jahren ehrenamtlich im Allerweltsladen in Hannover fair gehandelte Produkte. Sie macht dort und in Schulen Bildungsarbeit für Kinder und Jugendliche. In ihrem Hauptberuf fhilft sie Opfern von Menschenhandel. Hören Sie Ihre Geschichte!

Zuhören statt verurteilen

Diese Geschichte ist Teil der Kampagne UNERHÖRT! Damit wirbt die Diakonie Deutschland für eine offene Gesellschaft: Viele Menschen haben heute das Gefühl, nicht gehört zu werden. Sie fühlen sich an den Rand gedrängt in einer immer unübersichtlicheren Welt, in der das Tempo steigt und Gerechtigkeit auf der Strecke zu bleiben droht. Doch jede Lebensgeschichte hat ein Recht darauf, gehört zu werden.

Andere Menschen wiederum engagieren sich mit viel Zeit und Leidenschaft in ihrer Familie, ihrem Beruf oder ehrenamtlich und sind dabei oft am Limit. Diese Alltagshelden tragen erheblich zum Zusammenhalt unserer Gesellschaft bei, stehen jedoch selten im Licht der Öffentlichkeit. Auch sie kommen in unserer Kampagne zu Wort, damit sie mehr Beachtung finden.

Manche Geschichte fordert Widerspruch heraus. Zuhören bedeutet nicht automatisch Zustimmung. Und nicht alles, was erzählt wird, entspricht unserem Menschenbild oder den Positionen der Diakonie. Darüber müssen wir reden - denn häufig steckt hinter einer Geschichte eine existenzielle Notlage.

Die Kampagne, die von 2018 bis 2020 laufen soll, will wachrütteln und zugleich aufzeigen, dass die Diakonie zuhört, Lösungen bereithält und eintritt für eine offene und vielfältige Gesellschaft. Die Diakonie will diese Diskussion anstoßen und führen, sie will zur Plattform für einen Diskurs rund um soziale Teilhabe werden.

Rita Ottes Geschichte zum Nachlesen

Also, ich bin Rita Otte, bin noch 59 Jahre alt, und arbeite ehrenamtlich im Allterweltsladen in Hannover, das ist ein Fachgeschäft für fairen Handel.

Ich habe vorher sehr lange in der Entwicklungsarbeit gearbeitet, ich war in Chile und in der Dominikanischen Republik, und da ist mir nochmal das Thema aufgefallen, die Arbeitsbedingungen bzw auch die Verkaufsbedingungen, und als ich dann nach Deutschland zurückgekommen bin, nach Hannover, ist mir der Allerweltsladen aufgefallen, da habe ich gedacht, das ist doch eigentlich eine gute Fortführung meiner Arbeit, die ich als Entwicklungshelferin gemacht habe.

Das Besondere ist, wir verkaufen ausschließlich Waren, Lebensmittel und Kunsthandwerk, die fair gehandelt sind. Das bedeutet, dass die Menschen, die das produziert haben, einen Lohn bekommen, von dem sie anteilig leben können, und wir nicht einfach nur verkaufen, sondern dass wir auch den Anspruch haben, dass wir auch Bildungsarbeit machen, dass wir Leute informieren, dass wir auch den Zusammenhang zwischen unserem Konsum, den wir hier haben und der Situation von Menschen in den Südländern auch nochmal darstellen.

Ich mache schon Bildungsgeschichten, das ist nicht so häufig, leider haben wir nicht so viele Anfragen, oder Gott sei Dank, weil ich noch berufstätig bin, ich arbeite mit Menschen, die Opfer von Menschenhandel geworden sind.

Manchmal macht mir der Verkauf sehr viel Spaß, es ist ganz interessant, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen, es ist kein Verkauf wie im Supermarkt, sondern es gibt doch viele Leute, die sehr interessiert sind.

Und ich habe jetzt auch schon zweimal die Möglichkeit gehabt, Projektpartner zu besuchen, mit den Menschen in Kontakt zu kommen, das ist auch ganz toll zu merken, das sind die Menschen, die die Produkte herstellen, und das passiert auch mit denen, oder auch das Wissen, dadurch verändert sich auch deren Leben. Das finde ich auch eine ganz gute Rückmeldung auch nochmal. Ich war jetzt in Sri Lanka, und vor zwei Jahren war ich in Ruanda.

Ich find es immer schwierig, Erfolg zu messen. Wir haben a) Erfolg, indem wir merken, unsere Waren werden ganz gut verkauft. Uns gibt es seit 36 Jahren , das ist schon noch ein Erfolg, das muss man einfach mal so sagen, und ich finde, es ist schon ein Erfolg, wenn die Leute anfangen zu denken und sagen, Mensch, das ist richtig. Wenn Leute ins Denken kommen, wenn Menschen anfangen zu gucken, wie leben sie eigentlich. Das nochmal so zu hinterfragen.

Ich glaube, das ist einfach meine Überzeugung. Mein Herz schlägt dafür. Ich bin sehr davon überzeugt, dass auch kleine Sachen was verändern, Ich denke, es ist einfach noch viel zu tun. Es ist nicht so, dass ich das Gefühl habe, jetzt haben wir alles geschafft.

Ich würde mir eigentlich wünschen, dass es einfach noch mehr Interessierte gibt.

Text und Audio: Evangelischer Kirchenfunk Niedersachsen/Birke Schoepplenberg