Petra Lampe: "Das lauteste Amen kommt von Muslimen"

31. Juli 2018
  • Kampagne UNERHÖRT!
  • Diakonie und Glauben

Petra  Lampe leitet das Kulturcafé Y not in Berlin. Die begeisterte Poetry Slammerin hilft jungen Flüchtlingen beim Schreiben und Vortragen ihrer Erlebnisse. Hören Sie ihre Geschichte!

Zuhören statt verurteilen

Diese Geschichte ist Teil der Kampagne UNERHÖRT! Damit wirbt die Diakonie Deutschland für eine offene Gesellschaft: Viele Menschen haben heute das Gefühl, nicht gehört zu werden. Sie fühlen sich an den Rand gedrängt in einer immer unübersichtlicheren Welt, in der das Tempo steigt und Gerechtigkeit auf der Strecke zu bleiben droht. Doch jede Lebensgeschichte hat ein Recht darauf, gehört zu werden.

Andere Menschen wiederum engagieren sich mit viel Zeit und Leidenschaft in ihrer Familie, ihrem Beruf oder ehrenamtlich und sind dabei oft am Limit. Diese Alltagshelden tragen erheblich zum Zusammenhalt unserer Gesellschaft bei, stehen jedoch selten im Licht der Öffentlichkeit. Auch sie kommen in unserer Kampagne zu Wort, damit sie mehr Beachtung finden.

Manche Geschichte fordert Widerspruch heraus. Zuhören bedeutet nicht automatisch Zustimmung. Und nicht alles, was erzählt wird, entspricht unserem Menschenbild oder den Positionen der Diakonie. Darüber müssen wir reden - denn häufig steckt hinter einer Geschichte eine existenzielle Notlage.

Die Kampagne, die von 2018 bis 2020 laufen soll, will wachrütteln und zugleich aufzeigen, dass die Diakonie zuhört, Lösungen bereithält und eintritt für eine offene und vielfältige Gesellschaft. Die Diakonie will diese Diskussion anstoßen und führen, sie will zur Plattform für einen Diskurs rund um soziale Teilhabe werden.

Petra Lampes Geschichte zum Nachlesen

Mein Name ist Petra Lampe, und ich bin 36 Jahre alt. Ich leite das Y not Kulturcafé. Das ist in Berlin Schöneberg. Und dort arbeite ich mit jungen Erwachsenen. Gemeinsam gestalten wir bunte Kulturabende mit Konzerten, Musik, Improvisationstheater, Poetry Slam.

Gleichzeitig sind wir aber auch ein christliches Café. Der CVJM ist ein christlicher Verein. Das heißt jeder mit jeder Glaubensrichtung ist willkommen oder auch Leute, die an gar nichts glauben. Es kommen Leute, und sie merken wirklich, sie dürfen hier alle sein, egal an was sie glauben oder auch nicht glauben. Sie erleben auch dass wir gemeinsam beten, dass wir ne Andacht haben, dass wir in der Bibel lesen. Ja und sie merken aber auch, was für ein hoffentlich authentisches christliches Leben wir führen, und das macht es ihnen dann leicht, mit uns ins Gespräch zu kommen.

Und so ergeben sich tolle Gespräche, aus denen auch Leute, die schon seit zehn Jahren Christen sind, was mitnehmen, weil sie auch da wieder ihre Blickrichtung ändern oder auch einfach mal selber formulieren müssen und dürfen, an was sie eigentlich glauben und sich somit ja auch selbst reflektieren.

Es kommt tatsächlich ganz viel vor, dass Muslime hier mit uns beten. Ich bin immer wieder darüber erstaunt, wie gering die Berührungsängste da sind. Wenn ich dann manchmal ganz vorsichtig erkläre,  jetzt gibt es eine Andacht und wir beten, ihr müsst es nicht mitmachen, ihr könnte auch leise sein, zuhören, ihr dürft auch rausgehen, dann ist es für die auch ganz verständlich . Das lauteste Amen am Ende kommt von den Muslimen. Ja es ist, wie ich es erlebe, sehr leicht mit Muslimen ins Gespräch zu kommen über Glauben.

Also ich selber bin leidenschaftliche Poetry Slammerin und schreibe sehr gerne Texte, trage die auch auf Bühnen vor und ja so haben wir dann gestartet damit, mit Geflüchteten zusammen ein Buch zu schreiben, heißt Hässlich willkommen und ja da sind von lustigen Alltagstexten, was junge Geflüchtete in Deutschland erleben, was einfach neu für sie ist oder was witzig ist, weil man eine ganz andere Außensicht auf uns bekommt bis hin zu ja auch traurigen Fluchtgeschichten alles dabei. Die Geflüchteten tragen mittlerweile auch selber ihre Texte auf Bühnen vor. Ich erlebe auch, dass sie ja auch mit sehr viel Selbstbewusstsein  auftreten, wenn sie woanders etwas sagen wollen oder ihre Meinung sagen wollen.

Ich glaube, so hat Gott uns auch zusammengestellt als Gemeinschaft, und da gibt es eben nicht den einen Alltagshelden oder die eine Alltagsheldin, sondern als Gemeinschaft sind wir stark.

Text und Audio: Diakonie/Justine Schuchardt