Mehr Antisemitismus auch durch Flüchtlinge

14. Januar 2019
  • Kampagne UNERHÖRT!

Yorai Feinberg ist Jude und betreibt in Berlin das Restaurant Feinberg's. Der Gastronom erhält häufig unter dem Namen Adolf Hitler Tischreservierungen. Antisemitismus begegnet ihm aus allen Schichten der Gesellschaft. Er beschäftigt auch viele Flüchtlinge. Diese arbeiten gern bei ihm. Doch darüber reden sie mit keinem. Zu verbreitet ist unter Flüchtlingen der Hass auf Juden.Hören Sie seine Geschichte!

Diese Geschichte ist Teil der Kampagne UNERHÖRT! Nicht alles, was erzählt wird, entspricht unserem Menschenbild oder den Positionen der Diakonie. Darüber müssen wir reden. Zuhören bedeutet nicht automatisch Zustimmung.

Zuhören statt verurteilen

Mit "UNERHÖRT!" wirbt die Diakonie Deutschland für eine offene Gesellschaft: Viele Menschen haben heute das Gefühl, nicht gehört zu werden. Sie fühlen sich an den Rand gedrängt in einer immer unübersichtlicheren Welt, in der das Tempo steigt und Gerechtigkeit auf der Strecke zu bleiben droht.

Jede Lebensgeschichte hat ein Recht darauf, gehört zu werden - auch wenn sie Widerspruch herausfordert. Es lohnt sich zum Beispiel, sehr genau hinzuhören, warum sich Menschen von der offenen Gesellschaft distanzieren. Auch sie sind Teil unserer freien und offenen Gesellschaft und können sie mitgestalten, für sie eintreten. Wir sind überzeugt: Zuhören und Streiten hilft hier weiter, und weder Zuhören noch Streiten ist einfach.

Die Kampagne, die von 2018 bis 2020 läuft, will wachrütteln und zugleich aufzeigen, dass die Diakonie zuhört, Lösungen bereithält und eintritt für eine offene und vielfältige Gesellschaft. Die Diakonie will diese Diskussion anstoßen und führen als Plattform für einen Diskurs rund um soziale Teilhabe.

Yorai Feinbergs Geschichte zum Nachlesen

Ich bin Yorai Feinberg, komme aus Jerusalem, Gastronom, wohne in Berlin. Und ich habe hier das Restaurant Feinberg’s. Als Jude mache ich mir Sorgen wegen Antisemitismus, aber nicht nur Antisemitismus. Generell der Hass in der Gesellschaft steigt und steigt.

Letzte Woche zum Beispiel jemand hat angerufen, hat gefragt, ob wir Juden sind. Wir haben mit „Ja“ geantwortet und dann hat er dreimal „fick dich“ gesagt und aufgelegt. Solche Anrufe bekommen wir ständig. Emails mit „verpisst euch aus unserem Land“, „Kindermörder“, hat sehr viel mit Israel zu tun, sehr viele Kommentare auf Facebook, Reservierungen auf dem Reservierungssystem von Adolf Hitler. Wir haben auch ein bisschen gefährlichere Geschichten hier gehabt, dass Leute sind vorbeigegangen oder gefahren und haben eine Batterie mit Feuerwehrkörpern auf die Gäste geschossen.

Die antisemitischen Angriffe kommen leider von allen Religionen und von allen politischen Winkeln. Es kommt auch sehr viel von der Linke und von der Mitte der Gesellschaft. Das fängt sehr oft mit Israelkritik an, dass wir sind schlecht zu den Palästinensern, entwickelt sich aber dann zu Verschwörungstheorien, dass wir beherrschen die Medien und die Wirtschaft undsoweiter. Ich denke, dass viele von dieser Israelkritik Schrägstrich von mich-zusammenbringen-mit-Israel automatisch ist antisemitisch, basiert auf alle-Juden-sind-so.

Es gab schon vor mehreren Jahren eine Karte von einer Rechtsgruppierung von alle jüdischen Lokalen, inclusive Kitas, Schulen, Synagogen, Buchhandlungen undsoweiter. Mein Restaurant war auch drin mit einer Überschrift „Juden unter uns“. Auf Facebook Kommentare mit „o Bruder, überfallen wir den Laden“.

Ich glaube, dass Flüchtlingswelle in Bezug auf Antisemitismus, hat Verschlechterung gebracht. Das ist eindeutig. Man kann es nicht bestreiten. Ich habe persönlich sehr gute Erfahrungen gemacht. Wie gesagt, mein bester Freund ist Iraker. Er hat mir dann vor zwei Jahren einen Cousin von sich geschickt, damit ich ihn ausbilde zum Koch. Er hat auch sehr gut gearbeitet, hatte ein paar Freunde gebracht und langsam langsam habe ich sehr viele Flüchtlinge in der Küche gehabt. Aber leider ihre Freunde, ihre Gesellschaft – sie sind extrem antisemitisch. Sie haben Angst zu sagen, wo sie arbeiten, weil sie werden ein Problem mit ihren Freunden haben. Oder sie sagen offen, dass Hitler war gut und dass Juden muss man umbringen. Das habe ich noch nie von einem Deutschen gehört. Nicht alle sind so. Es gibt dort wunderbare Menschen, und wir müssen diese Leute auch stärken.

Ich bekomme auch sehr viel Solidarität von der Gesellschaft, von der Politik von den Medien. Das zeigt mir, dass ich hier nicht allein bin.

Text und Audio: Diakonie/Justine Schuchardt