Martina Maschke (60) ist berentet und wünscht sich Geld zum Reisen

3. Juli 2018
  • Kampagne UNERHÖRT!
  • Armut und Arbeit
  • Psychische Erkrankungen

Martina Maschke aus Hannover ist 60 Jahre alt. Seit knapp zehn Jahren ist sie zu Hause, lebt von ihrer Rente und bessert ihr Gehalt mit dem Verkauf einer Obdachlosenzeitung auf. Irgendwie schafft sie es immer, mal mit Freunden in die Kneipe oder ins Kino zu gehen oder sich eine neue Blume für den Balkon zu kaufen. Hören Sie ihre Geschichte!

Zuhören statt verurteilen

Diese Geschichte ist Teil der Kampagne UNERHÖRT! Damit wirbt die Diakonie Deutschland für eine offene Gesellschaft: Viele Menschen haben heute das Gefühl, nicht gehört zu werden. Sie fühlen sich an den Rand gedrängt in einer immer unübersichtlicheren Welt, in der das Tempo steigt und Gerechtigkeit auf der Strecke zu bleiben droht. Doch jede Lebensgeschichte hat ein Recht darauf, gehört zu werden.

Andere Menschen wiederum engagieren sich mit viel Zeit und Leidenschaft in ihrer Familie, ihrem Beruf oder ehrenamtlich und sind dabei oft am Limit. Diese Alltagshelden tragen erheblich zum Zusammenhalt unserer Gesellschaft bei, stehen jedoch selten im Licht der Öffentlichkeit. Auch sie kommen in unserer Kampagne zu Wort, damit sie mehr Beachtung finden.

Manche Geschichte fordert Widerspruch heraus. Zuhören bedeutet nicht automatisch Zustimmung. Und nicht alles, was erzählt wird, entspricht unserem Menschenbild oder den Positionen der Diakonie. Darüber müssen wir reden - denn häufig steckt hinter einer Geschichte eine existenzielle Notlage.

Die Kampagne, die von 2018 bis 2020 laufen soll, will wachrütteln und zugleich aufzeigen, dass die Diakonie zuhört, Lösungen bereithält und eintritt für eine offene und vielfältige Gesellschaft. Die Diakonie will diese Diskussion anstoßen und führen, sie will zur Plattform für einen Diskurs rund um soziale Teilhabe werden.

Tina Maschkes Geschichte zum Nachlesen

Ich heiße Martina Maschke, bin 60 Jahre alt, lebe in Hannover und ich bekomme Erwerbsunfähigkeitsrente, weil ich nicht mehr acht Stunden arbeiten kann, ergänzende Sozialhilfe Grundsicherung, und habe einen Minijob, das ist Asphaltzeitungsverkauf, das mache ich hier auch in Hannover-Linden, ja.

So ungefähr seit neun bis zehn Jahren bin ich erwerbsunfähig. Habe die Rente bekommen, vorher war ich ne ganz lange Zeit arbeitslos, also ich habe mal Erzieherin gelernt als Beruf und habe in meinem ganzen Leben nur fünf Jahre dort gearbeitet, hatte zum Glück Kindererziehungszeiten drin, habe dadurch genügende Erwerbsunfähigkeitsrente, sonst wäre das schwierig geworden. Und durch diese lange Arbeitslosigkeit, und noch durch ne psychische Sache, ich war zwei Monate mal in der Klinik in Wunstorf, weil ich die Trennung von meinem Sohn nicht verkraftet hatte, als er ausgezogen ist, dadurch ist gekommen, dass ich nicht mehr so arbeitsfähig war. 

Ich hatte damals, weil ich auch Schulden hatte, eine rechtliche Betreuerin und die hat das dann glücklicherweise durchgesetzt, dass ich diese Rente bekommen habe, weil ich habe mich beworben, ohne Ende, als ich arbeitslos war und ich bin einfach nicht mehr reingekommen, es gab wohl zu viel Erzieher, vielleicht zu alt, oder ich weiß es nicht, aus welchen Gründen, dann fielen eben diese ganzen Bewerbungen weg, und diese Last, seelisch, sich so perspektivlos zu bewerben.

Ich hatte mal so ne Nachzahlung von der Heizung, und da hat mir auch das Diakonische Werk sehr geholfen.

Ich habe so knapp 1000 Euro, 840 Euro Rente, dann bekomme ich von der Grundsicherung die Krankenkasse bezahlt und 20 Euro aufs Konto, dann habe ich noch Asphalt. Dann bin ich ungefähr bei 1100 Euro.

Aber wofür ich noch gern mehr Geld hätte, das wäre fürs Reisen. Zum Beispiel zu meinem Sohn fahre ich einmal im Jahr, nach Schleswig-Holstein, und da muss ich doch immer gucken, dass ich mir das dann zusammen krame.

Na gut, könnte mehr gebrauchen noch, aber ich kann jetzt im Moment nicht sparen, ich hatte auch mal ne Zeit, wo ich was zurückgelegt habe, das schaffe ich im Moment nicht, aber ich habe auch ehrlich gesagt so viel geschenkt bekommen, also z.B. hier diese Stehlampe, oder auch meine Terrassenmöbel. Ich habe immer wirklich Glück gehabt, und nette Leute, auch über diesen Asphaltkontakt jetzt, ich bin ganz zufrieden, wo man dann eben auch kein Geld mehr ausgeben muss.

Text und Audio: EKN/Katja Jacob