Marit hört nicht mehr auf jeden Lehrer

1. Dezember 2020
  • Kampagne UNERHÖRT!
  • Corona

In der Coronazeit ist für Marit nicht nur viel Unterricht ausgefallen, auch Partys fanden keine mehr statt. Während die 18-Jährige von einigen Erwachsenen hört, die Jugend solle mehr Rücksicht nehmen und nicht so viel feiern, raten andere - Lehrer - davon ab, eine Maske zu tragen. Hören Sie ihre Geschichte!

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Mit "UNERHÖRT!" wirbt die Diakonie Deutschland für eine offene Gesellschaft: Viele Menschen haben heute das Gefühl, nicht gehört zu werden. Sie fühlen sich an den Rand gedrängt in einer immer unübersichtlicheren Welt, in der das Tempo steigt und Gerechtigkeit auf der Strecke zu bleiben droht.

Jede Lebensgeschichte hat ein Recht darauf, gehört zu werden – auch wenn sie Widerspruch herausfordert. Es lohnt sich zum Beispiel, sehr genau hinzuhören, warum sich Menschen von der offenen Gesellschaft distanzieren. Auch sie sind Teil unserer freien und offenen Gesellschaft und können sie mitgestalten, für sie eintreten. Wir sind überzeugt: Zuhören und Streiten hilft hier weiter, und weder Zuhören noch Streiten ist einfach.

Die Kampagne will wachrütteln und zugleich aufzeigen, dass die Diakonie zuhört, Lösungen bereithält und eintritt für eine offene und vielfältige Gesellschaft. Die Diakonie will diese Diskussion anstoßen und führen als Plattform für einen Diskurs rund um soziale Teilhabe.

Marits Geschichte zum Nachlesen

Ja also ich finde, man hört schon oft Kommentare wie ‚die Jugend soll aufhören feiern zu gehen‘, ‚die sollen mal an uns ältere Leute denken‘. Also normalerweise würden wir uns sicher viel öfter mit großen Gruppen treffen. Wir würden Partys feiern, wir würden Geburtstage feiern.

Ich bin Marit. Ich bin 18 Jahre alt. Ich wohne in einem Dorf in Schleswig-Holstein und ich mache nächstes Jahr mein Abitur. Aktuell ist Corona natürlich ein großes Thema, gerade für mich, ich mach jetzt also bin im Abiturjahrgang, und da macht das natürlich einen großen Unterschied, dass wir jetzt im Lockdown nicht so viel Unterrichtszeit hatten. Da haben wir viel verpasst. 

Also ich persönlich hab Probleme zum Beispiel in Mathe, und ich brauch das eigentlich, dass mir das jemand wirklich erklärt. Also, ich kann mir das nicht so gut selber beibringen, indem ich das zum Beispiel aus einem Buch ablese. Und während der Coronazeit war es eben nicht möglich, dass meine Lehrerin mir das wirklich Face to Face erklären konnte.

Nach dem Abi möchte ich mir erstmal ein Jahr Zeit nehmen. Ich würd gerne entweder ein FSJ oder einen Bundesfreiwilligendienst machen, und danach würde mich ein Psychologiestudium interessieren, ich würd sehr gerne Psychotherapeutin werden, und da muss ich natürlich auch schauen, dass ich den NC schaffe, dass ich da auch angenommen werde.
Jetzt hatten viele Leute ihren 18. Geburtstag in letzter Zeit. Die sind ausgefallen oder mussten in ganz kleinem Kreis stattfinden. Ich habe das Gefühl, dass viele ältere Menschen denken, dass wir gar nicht sehen, was die Probleme sind. Aber ich nehme das so wahr, dass da ein Bewusstsein in jedem Fall da ist. Wir versuchen, dass alles so gut wie möglich umzusetzen.

Tatsächlich lerne ich Lehrer von einer neuen Seite kennen und das auch nicht nur positiv. Ich hab gerade erzählt, dass ich das Gefühl habe, dass die Lehrer uns sehr unterstützen und auch sehen, was für Schwierigkeiten wir schulisch dadurch bekommen haben, dass wir so lange zu Hause waren. Es gibt aber auch Lehrer, die uns raten, unsere Masken nicht zu tragen, die also aktiv was Anderes sagen als die Experten. Da hab ich gemerkt, dass Menschen, von denen ich bisher wirklich sehr sehr viel gehalten habe und zu denen ich auch ein stückweit aufgeschaut habe vielleicht, weil‘s Lehrer sind, die ich wirklich sehr schätze, dass die plötzlich ganz anderer Meinung sind als ich. Jetzt durch Corona habe ich das Gefühl, dass sich die Gesellschaft so’n bisschen spaltet, und das merkt man in der Schule sehr sehr gut. Es gibt auch Lehrer, die tragen einfach keine Maske. Und da ist auch unsere Klassengemeinschaft irgendwie gefragt, dass wir uns jetzt aktiv selber dafür entscheiden müssen, das zu tun und nicht nur darauf zu hören, was uns unsere Lehrer sagen.

Text und Audio: Diakonie/Justine Schuchardt