Majd: "Ich habe keine deutschen Freunde"

9. Januar 2018
  • Kampagne UNERHÖRT!
  • Flucht und Migration
  • Familiennachzug
  • Integration und Teilhabe

Majd, 17 Jahre alt, ist im Sommer 2016 von Syrien nach Deutschland gekommen. Was er schade findet: In seiner Klasse sind keine deutschen Mitschüler. Hören Sie seiner Geschichte zu.

Zuhören statt verurteilen!

Diese Geschichte ist Teil der Kampagne UNERHÖRT! Damit wirbt die Diakonie Deutschland für eine offene Gesellschaft: Viele Menschen haben heute das Gefühl, nicht gehört zu werden. Sie fühlen sich an den Rand gedrängt in einer immer unübersichtlicheren Welt, in der das Tempo steigt und Gerechtigkeit auf der Strecke zu bleiben droht. Doch jede Lebensgeschichte hat ein Recht darauf, gehört zu werden.

Die Kampagne, die von 2018 bis 2020 laufen soll, will wachrütteln und zugleich aufzeigen, dass die Diakonie zuhört, Lösungen bereithält und eintritt für eine offene und vielfältige Gesellschaft. Die Diakonie will diese Diskussion anstoßen und führen, sie will zur Plattform für einen Diskurs rund um soziale Teilhabe werden.

Majds Geschichten zum Nachlesen

"Ich heiße Majd. Ich bin 17 Jahre alt. Ich komme aus Syrien. Ich wohne in Berlin.

Ich spiele gerne Fußball und ich mag auch sehr Fußballspiele anschauen. Ich bin Barcelona-Fan. Ich liebe Barcelona.

Als ich nach Deutschland kam, habe ich besonders interessant gefunden, dass alles grün ist, alles. Wenn man irgendwohin guckt, sieht man grün.

Letztes Jahr habe ich die Willkommensklasse besucht und dieses Jahr gehe ich in die neunte Klasse.

Also wenn man nett zu den Menschen ist, dann sind die Leute auch nett zu mir. Alle, die ich kenne, sind nett, alle Leute. Das Problem ist, dass ich keine Freunde in meinem Alter habe. Die Freunde in meiner Klasse sind selber Ausländer. Es gibt keine Deutschen in meiner Klasse. Sieben Mitschüler kommen aus Syrien. Und es gibt noch ein paar aus verschiedenen Ländern.

"Weihnachten in Deutschland ist langweilig"

Ich vermisse alle meine Freunde in Syrien. Es wäre super, wenn ich noch mal an Weihnachten oder an Ostern mein Dorf besuchen könnte, weil ich alles vermisse, alle meine Freunde.

Für mich ist Weihnachten hier langweilig. Das ist ganz anders als in Syrien. Da feiert man die ganze Zeit. Da geht man mit Freunden aus und alle warten darauf, dass Weihnachten kommt oder dass Ostern kommt. Hier fühle ich nicht, dass es Weihnachten ist, sondern dass es ein ganz normaler Tag ist.

Was ich schade finde ist, dass es Ausländer gibt, die gar nicht die Sprache lernen wollen, dass sie einfach leben und nichts tun. Und auch dass die deutschen Menschen – manche – sehen das und dann sagen sie, alle Ausländer sind gleich. Aber das stimmt gar nicht."

Redaktion: Diakonie/Ulrike Pape