Jung, weiblich und nicht ernst genommen

19. April 2021
  • Kampagne UNERHÖRT!
  • FSJ und Freiwilligendienste

Mit 17 Jahren ist Lorena von zu Hause ausgezogen, ist nach Berlin gegangen und hat ihr Freiwilliges Soziales Jahr begonnen. Es folgten ihre Erzieherausbildung und ihre Heirat mit 21 Jahren. Ob privat oder beruflich, Lorena fühlt sich häufig auf ihr Alter reduziert und nicht ernst genommen. Hören Sie Ihre Geschichte. 

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Mit "UNERHÖRT!" wirbt die Diakonie Deutschland für eine offene Gesellschaft: Viele Menschen haben heute das Gefühl, nicht gehört zu werden. Sie fühlen sich an den Rand gedrängt in einer immer unübersichtlicheren Welt, in der das Tempo steigt und Gerechtigkeit auf der Strecke zu bleiben droht.

Jede Lebensgeschichte hat ein Recht darauf, gehört zu werden – auch wenn sie Widerspruch herausfordert. Es lohnt sich zum Beispiel, sehr genau hinzuhören, warum sich Menschen von der offenen Gesellschaft distanzieren. Auch sie sind Teil unserer freien und offenen Gesellschaft und können sie mitgestalten, für sie eintreten. Wir sind überzeugt: Zuhören und Streiten hilft hier weiter, und weder Zuhören noch Streiten ist einfach.

Die Kampagne will wachrütteln und zugleich aufzeigen, dass die Diakonie zuhört, Lösungen bereithält und eintritt für eine offene und vielfältige Gesellschaft. Die Diakonie will diese Diskussion anstoßen und führen als Plattform für einen Diskurs rund um soziale Teilhabe.

Lorenas Geschichte zum Nachlesen

Ich bin Lorena, ich bin 22 Jahre alt und aktuell bin in der berufsbegleitenden Erzieherausbildung und arbeite auf einer Wohngruppe für Kinder und Jugendliche mit Behinderung.

Ich fühle mich manchmal unerhört oder nicht ganz ernst genommen wegen meines Alters. Das fing an als ich damals mit 17 Jahren sagte, ich möchte nach Berlin, ich möchte da mein Freiwilliges Soziales Jahr machen. Und ich kam eben aus Baden-Württemberg. Also, das war erstmal ein großer Schritt. Aber das war ein Schritt, den wollte ich einfach bewältigen, weil ich das für mich selber sehr wichtig fand.

Ich habe ja erstmal mein FSJ auf meiner jetzigen Arbeitsstelle absolviert, und da war es auch erstmal ein großer Sprung von der FSJlerin zur Gruppenmitarbeiterin. Also, da hatte ich eine ganz andere Rolle und die musste ich natürlich dann auch ausfüllen. Dann war ich aber auch trotzdem noch relativ jung. Zu dem Zeitpunkt war ich dann 18. Und ich war so das Küken im Team und ich habe zu allem immer Ja und Amen gesagt, weil ich einfach noch nicht so die Erfahrung hatte. Und ich habe auch immer noch teilweise das Gefühl, dass es so…man lebt immer gern diese Einstellung, naja, wir machen das ja schon immer so und wir sind ja hier jetzt länger und du werd´ erstmal älter, du Küken.

Und dann war es auch, als ich dann mit 21 Jahren hatte ich dann geheiratet. Und dann war es auch so schwierig, die Menschen um mich herum zu überzeugen, es gibt kein zu früh oder kein zu spät oder kein richtiges Alter zu heiraten. Sondern wenn ich mich dazu bereit fühle und wenn ich meine, dass ich den richtigen Partner gefunden habe, dann sollte man darauf vertrauen, dass ich trotz meines für viele dann eben zu geringen Alters einfach weiß, was für mich am besten ist.

Also, wenn ich höre als junger Mensch, dass junge Menschen in der Corona-Pandemie verantwortungsloser sind als andere, dass die geltenden Regeln nicht ernst genommen werden. Ich weiß gar nicht, ob ich mich dann aufregen soll oder ob ich eher darüber lachen soll. Und das kann halt auch nicht sein, dass ich im Bus sitze, von meinem Spätdienst nach Hause fahre, mir die ganze Zeit durch den Kopf geht, oje, die Leute denken bestimmt, jetzt Samstagabend ich fahre auf irgendeine Party, dabei komme ich von der Arbeit.

Die Gesellschaft sollte mehr zuhören und was Jugendliche tun nicht immer irgendwie abtun. Und ich finde, das ist halt ein Abwerten. Weil wenn man Menschen nicht als vollwertige Menschen betrachtet, weil sie sich in einer hormonellen Phase befinden oder weil sie eben nicht die Alterszahl erfüllen, die man jetzt anscheinend für irgendeine Aufgabe braucht. Es gibt für gewisse Dinge einfach keine Zahlen, wenn man das so sieht. Und vielleicht sollte man mehr auf den Menschen gucken anstatt auf die Zahl des Alters.

Text und Audio: Diakonie/Claudine da Rocha