Juan Bello (31): "Hier startet man von null"

24. Januar 2018
  • Kampagne UNERHÖRT!
  • Flucht und Migration

Juan Bello ist Techniker aus Syrien. Mit seinen deutschen Nachbarn kommt er gut aus. Hören Sie seine Geschichte!

Zuhören statt verurteilen!

Diese Geschichte ist Teil der Kampagne UNERHÖRT! Damit wirbt die Diakonie Deutschland für eine offene Gesellschaft: Viele Menschen haben heute das Gefühl, nicht gehört zu werden. Sie fühlen sich an den Rand gedrängt in einer immer unübersichtlicheren Welt, in der das Tempo steigt und Gerechtigkeit auf der Strecke zu bleiben droht. Doch jede Lebensgeschichte hat ein Recht darauf, gehört zu werden.

Manche Geschichte fordert Widerspruch heraus. Zuhören bedeutet nicht automatisch Zustimmung. Und nicht alles, was erzählt wird, entspricht unserem Menschenbild oder den Positionen der Diakonie. Darüber müssen wir reden - denn häufig steckt hinter einer Geschichte eine existenzielle Notlage.

Die Kampagne, die von 2018 bis 2020 laufen soll, will wachrütteln und zugleich aufzeigen, dass die Diakonie zuhört, Lösungen bereithält und eintritt für eine offene und vielfältige Gesellschaft. Die Diakonie will diese Diskussion anstoßen und führen, sie will zur Plattform für einen Diskurs rund um soziale Teilhabe werden.

Juan Bellos Geschichte zum Nachlesen

Ich bin seit drei Jahren in Deutschland. Ich wohne in Berlin. Ich bin 31 Jahre alt. Ich bin verheiratet und habe ein Kind. Ich bin Techniker von Beruf. Ich habe in Syrien drei Jahre in meinem Job gearbeitet. Aber hier habe ich leider keine Ausbildung um in einer Firma zu arbeiten und einen Job zu haben. Alle sagen, wir brauchen zuerst Sprache, dann Ausbildung. Zur Zeit mache ich Sprachkurs. Ich möchte eine Ausbildung machen als Techniker.

Bei Ämtern dauert es zwei bis drei Stunden. Maximal musst Du warten; bei Jobcenter, Ausländerbehörden ist es nicht gut. Wir gehen um drei Uhr morgens, müssen warten bis sieben Uhr. Und der Winter ist sehr kalt und Du musst warten eine Nummer.. Das ist sehr schwer.

Wenn ein Mensch kommt in ein anderes Land, zum Beispiel nach Deutschland, dann muss ich ein neues Leben bilden – Sprache, Freunde, Platz. Ich habe in Syrien 18 Jahre gelernt, hatte meine Wohnung und Familie aber hier man startet von null bis... Das finde ich ein bisschen schwer. Aber ich habe viele Menschen, die mir geholfen haben.

Meine Nachbarn sind sehr sehr nett. Neben mir habe ich eine Familie, auch mit Kindern und eine deutsche Familie, auch sehr nett,  alter Mann und alte Frau. Sie sind sehr gut, wirklich, fragen immer: Wie geht es Dir? Wie geht es Deinem Kind? Wie geht es Deiner Familie in Syrien? Alles gut bei Dir? Brauchst Du Hilfe? Brauchst Du etwas? Wenn ich ein Ticket buchen oder kaufen muss, ich rufe und sie helfen. Wenn ich etwas brauche, gehe ich zu diesen deutschen Freunden, und diese deutschen Freunde helfen mir. Ich brauche eine neue Wohnung. Meine Wohnung hat eineinhalb Zimmer, und ich habe ein Kind. Wir schlafen alle zusammen in einem Zimmer. Ich brauche jetzt zwei oder drei Zimmer.

Ich wünsche, dass das nächste Jahr besser wird, für mich und für alle Leute, für kurdische Leute oder deutsche Leute oder arabische Leute, für alle Leute, weil es viel Krieg gibt. Ich und mein Bruder, meine Schwester und ich wir sind in Deutschland, mein Bruder  ist in Türkei, meine Schwester ist im Libanon, mein Vater ist im Libanon. Wir sind alle ganz weit. Ich möchte wieder, dass alle zusammen sind.

Und ich wünsche auch gut deutsch zu reden, sprechen, lesen, schreiben.

Ich möchte sagen, wenn jemand kann helfen, zum Beispiel wenn ein anderer Mensch Hilfe braucht, bitte diesem Mensch helfen. Wenn jemand keine Hilfe braucht, er sagt, nein ich brauche keine Hilfe. Aber wenn man sagt, ich brauche Hilfe, ich glaube, er braucht Hilfe – auf der Strasse, in der Schule, im Job. Also man kann helfen allen Menschen in allen Plätzen.

Text und Audio: Diakonie/Justine Schuchardt