Jannes (17): "Es liegt an unserer jungen Generation, das Miteinander zu gestalten"

29. Juni 2018
  • Kampagne UNERHÖRT!
  • Engagement und Hilfe

Nachmittags nach der Schule fängt die Arbeit für den 17-jährigen Jannes Wiesner erst so richtig an. In der SPD und mit seiner eigenen Antidiskriminierungskampagne "Together" engagiert er sich für mehr Toleranz in der Gesellschaft.

Zuhören statt verurteilen

Diese Geschichte ist Teil der Kampagne UNERHÖRT! Damit wirbt die Diakonie Deutschland für eine offene Gesellschaft: Viele Menschen haben heute das Gefühl, nicht gehört zu werden. Sie fühlen sich an den Rand gedrängt in einer immer unübersichtlicheren Welt, in der das Tempo steigt und Gerechtigkeit auf der Strecke zu bleiben droht. Doch jede Lebensgeschichte hat ein Recht darauf, gehört zu werden.

Andere Menschen wiederum engagieren sich mit viel Zeit und Leidenschaft in ihrer Familie, ihrem Beruf oder ehrenamtlich und sind dabei oft am Limit. Diese Alltagshelden tragen erheblich zum Zusammenhalt unserer Gesellschaft bei, stehen jedoch selten im Licht der Öffentlichkeit. Auch sie kommen in unserer Kampagne zu Wort, damit sie mehr Beachtung finden.

Manche Geschichte fordert Widerspruch heraus. Zuhören bedeutet nicht automatisch Zustimmung. Und nicht alles, was erzählt wird, entspricht unserem Menschenbild oder den Positionen der Diakonie. Darüber müssen wir reden - denn häufig steckt hinter einer Geschichte eine existenzielle Notlage.

Die Kampagne, die von 2018 bis 2020 laufen soll, will wachrütteln und zugleich aufzeigen, dass die Diakonie zuhört, Lösungen bereithält und eintritt für eine offene und vielfältige Gesellschaft. Die Diakonie will diese Diskussion anstoßen und führen, sie will zur Plattform für einen Diskurs rund um soziale Teilhabe werden.

Jannes Wiesners Geschichte zum Nachlesen

Mein Name ist Jannes Wiesner, ich bin 17 Jahre alt und engagiere mich auf der einen Seite in der Partei, in der SPD, für mehr Gerechtigkeit und auf der anderen Seite mit der Gründung der Antidiskriminierungskampagne „Together“ vor einem halben Jahr auch für gesellschaftliche Dialogprozesse zwischen den verschiedenen Generationen und Religionsvertretern, was mir persönlich ein wichtiges Anliegen ist. Und nebenbei die „Unerhört“-Kampagne, die wir in Wilhelmshaven unterstützen, beispielsweise durch das Projekt „House of One“, wo wir eine Möglichkeit schaffen wollen, dass alle Religionen unter einem Dach beten können. Das ist dieses Thema: dass wir ein Forum für den Dialog schaffen, dass sich die verschiedenen Gesellschaftsschichten und sozialen Strukturen besser miteinander vernetzen können.

Die Antidiskriminierungskampagne „Together“ organisiert sich selbst durch Veranstaltungen. Wir bieten gerade jungen Leuten die Möglichkeit, über Veranstaltungen die religiöse Vielfalt besser kennenzulernen. Beispielsweise bei Diskussionen, wo die verschiedenen Meinungen deutlich und Vorurteile abgebaut werden. Im Moment sind wir hauptsächlich in Friesland aktiv. Es ist eine Kampagne vom Jugendparlament Friesland. Das Ziel ist aber, dass wir auch weiter aktiv sind, in Leipzig beispielsweise, wo momentan geplant ist, diese Kampagne aufzubauen. Langfristig ist mein Ziel, dass die Kampagne zum Selbstläufer wird. Dass wir andere Leute dazu motivieren, sich gesellschaftlich zu engagieren und ihnen nur noch die Anleitung geben müssen, wie das funktionieren kann.

Ich denke einfach, dass das gesellschaftliche Engagement sehr wichtig ist, gerade von jungen Leuten, da wir erkennen müssen, dass es jetzt an unserer Generation liegt, die Zukunft zu gestalten, das gemeinsame Miteinander zu gestalten. Zum einen erlebt man es durch die Medien jeden Tag: Wir haben die populistische Hetze der AfD, die wieder aufkommt, und die ja nicht mehr im Rahmen irgendwelcher politischen Diskurse stattfindet, sondern teilweise einfach nur noch erschreckend und beleidigend ist. Das ist die eine Seite. Und auf der anderen Seite erlebt man es in der Politik vor Ort. In Wilhelmshaven ist die AfD stark vertreten. Und man erlebt, dass Teile dieser Partei nicht an einem Dialog interessiert sind, sondern diese plumpen Lügen anbringt, um Wähler für sich zu gewinnen. Wir möchten natürlich auch mit der AfD im Dialog sein, aber es geht uns auch darum zu sagen, wir müssen diese Vorurteile überwinden. Das war auch für mich persönlich die Motivation.

Ich gehe selbst noch zur Schule in die 11. Klasse jetzt und es kommt natürlich viel dazu, wenn man sich nachmittags noch mit verschiedenen Vertretern der Parteien oder Verbände treffen muss, wenn man selbst noch Konzepte ausarbeitet, wie die Kampagne weiter fortgeführt werden kann, das ist ein entscheidender Faktor. Aber auch dass Menschen auf der Straße, im Familien- und Freundeskreis auf einen zukommen, die mitwirken wollen. Ich selbst erlebe eine unheimlich positive Resonanz und große Unterstützung. Das freut mich natürlich und motiviert mich weiterzumachen und diese politischen und gesellschaftlichen Ziele weiter zu verfolgen.

Interview und Audioschnitt: Diakonie/Ulrike Pape, Maja Schäfer