"Ich habe ein Gehalt von minus 1500 Euro"

14. Januar 2020
  • Kampagne UNERHÖRT!
  • Armut und Arbeit

Alex lebt von Hartz IV, obwohl er Arbeit hat. Sein Arbeitgeber hat ihm nachträglich die Krankenkassenbeiträge vom Gehalt abgezogen. Er geht zur Suppenküche und ist auf der Suche nach einem anderen Job.

Diese Geschichte ist Teil der Kampagne UNERHÖRT! Nicht alles, was erzählt wird, entspricht unserem Menschenbild oder den Positionen der Diakonie. Darüber müssen wir reden. Zuhören bedeutet nicht automatisch Zustimmung.

Zuhören statt verurteilen

Mit "UNERHÖRT!" wirbt die Diakonie Deutschland für eine offene Gesellschaft: Viele Menschen haben heute das Gefühl, nicht gehört zu werden. Sie fühlen sich an den Rand gedrängt in einer immer unübersichtlicheren Welt, in der das Tempo steigt und Gerechtigkeit auf der Strecke zu bleiben droht.

Jede Lebensgeschichte hat ein Recht darauf, gehört zu werden - auch wenn sie Widerspruch herausfordert. Es lohnt sich zum Beispiel, sehr genau hinzuhören, warum sich Menschen von der offenen Gesellschaft distanzieren. Auch sie sind Teil unserer freien und offenen Gesellschaft und können sie mitgestalten, für sie eintreten. Wir sind überzeugt: Zuhören und Streiten hilft hier weiter, und weder Zuhören noch Streiten ist einfach.

Die Kampagne, die von 2018 bis 2020 läuft, will wachrütteln und zugleich aufzeigen, dass die Diakonie zuhört, Lösungen bereithält und eintritt für eine offene und vielfältige Gesellschaft. Die Diakonie will diese Diskussion anstoßen und führen als Plattform für einen Diskurs rund um soziale Teilhabe.

Alex' Geschichte zum Nachlesen

Ich heiße Alex. Meine Situation ist momentan folgende, dass mein Arbeitgeber für mich über zwei Jahre keine Krankenkassenbeiträge gezahlt hat. Dann kam irgendwann raus, ach ich bin ja krankenversichert, dann wurde mir mal eben alles komplett vom Gehalt abgezogen. Ich habe ein momentanes Gehalt von minus 1500 Euro und deshalb bin auf Hilfe Fremder und Hartz IV angewiesen.

Ja, wie komme ich rum? Abends dann hier zur Suppenküche gehen, mich so gut wie es geht für den nächsten Tag mit Brot, Brötchen eindecken, damit ich eben was habe oder wie jetzt eben Wasser auffüllen lasse, damit ich auch was zu trinken habe. Anders geht’s momentan überhaupt nicht.

Wie sich das anfühlt? Richtig scheiße. Und ehrlich gesagt, es ist auch jetzt schon so, dass ich sag, mit so‘nem Arbeitgeber, der so‘ne Sachen mit mir abzieht, auf keinen Fall mehr. Ich bin jetzt grad dabei, dass ich nebenbei trotz der Schwierigkeiten mir eine andere Arbeit suche und hoffe, da auch möglichst bald was zu finden.

Ich sehe Möglichkeiten für mich, da wieder rauszukommen, ja. Wenn ich mich dahinter klemme, und das mache ich jetzt auch schon seit drei Tagen, dann sieht das sehr gut aus.

Was muss die Politik ändern? Also jetzt zum Beispiel meine Situation, weil ich in einer Arbeit bin, aber von meiner Arbeit nicht leben kann, weil mir mein Arbeitgeber mal eben alles weggezogen hat, wäre zum Beispiel sinnvoll, dass man auch mal kündigen darf. Und dann bekommt man eben mal ein, zwei Monate Unterstützung vom Staat, aber man sieht dann, dass man wieder auf einen normalen Weg kommt. Das wäre mal ein richtig wichtiger und guter Punkt.

Interview: Diakonie/Barbara Maria Vahl
Redaktion: Diakonie/Justine Schuchardt