Hubert Baum: "Ich habe Angst vor zu vielen Muslimen in Deutschland"

8. Oktober 2018
  • Kampagne UNERHÖRT!
  • Armut und Arbeit
  • Flucht und Migration
  • Engagement und Hilfe

Hubert Baum* hat schon viele Briefe an Politiker geschrieben, weil er sich Sorgen um Deutschlands Zukunft macht. Als Rentner engagiert er sich freiwillig bei der Tafel, neuerdings wählt er die AfD. Hören Sie seine Geschichte.

Zuhören statt verurteilen

Diese Geschichte ist Teil der Kampagne UNERHÖRT! Damit wirbt die Diakonie Deutschland für eine offene Gesellschaft: Viele Menschen haben heute das Gefühl, nicht gehört zu werden. Sie fühlen sich an den Rand gedrängt in einer immer unübersichtlicheren Welt, in der das Tempo steigt und Gerechtigkeit auf der Strecke zu bleiben droht. Doch jede Lebensgeschichte hat ein Recht darauf, gehört zu werden.

Andere Menschen wiederum engagieren sich mit viel Zeit und Leidenschaft in ihrer Familie, ihrem Beruf oder ehrenamtlich und sind dabei oft am Limit. Diese Alltagshelden tragen erheblich zum Zusammenhalt unserer Gesellschaft bei, stehen jedoch selten im Licht der Öffentlichkeit. Auch sie kommen in unserer Kampagne zu Wort, damit sie mehr Beachtung finden.

Manche Geschichte fordert Widerspruch heraus. Zuhören bedeutet nicht automatisch Zustimmung. Und nicht alles, was erzählt wird, entspricht unserem Menschenbild oder den Positionen der Diakonie. Darüber müssen wir reden - denn häufig steckt hinter einer Geschichte eine existenzielle Notlage.

Die Kampagne, die von 2018 bis 2020 laufen soll, will wachrütteln und zugleich aufzeigen, dass die Diakonie zuhört, Lösungen bereithält und eintritt für eine offene und vielfältige Gesellschaft. Die Diakonie will diese Diskussion anstoßen und führen, sie will zur Plattform für einen Diskurs rund um soziale Teilhabe werden.

Hubert Baums Geschichte zum Nachlesen

Als wir Lehrer beschimpft wurden, wir wären alle faulen Säcke, habe ich nicht mehr SPD gewählt und jetzt da das Land geflutet wird mit Moslems, habe ich die einzige Partei gewählt, die gesagt hat, so geht das nicht, und das war die AfD.

Ich habe in meinem Unterricht, ich habe ja auch Politik unterrichtet, immer versucht, die Sache darzustellen, wofür, wogegen spricht das und dann: Eure eigene Meinung. Man muss seine Meinung sagen dürfen, ohne dass man gleich in die rechte Ecke gestellt wird.

Mein älterer Sohn ist bei der AfD und das gibt Zoff in der Familie, weil der andere Sohn sagt: "Die gleiten ab ins Nazitum - tritt da aus!" Für uns Eltern schwierig, das auszubalancieren, beide zu dämpfen, so dass sie miteinander reden.

Jetzt als Rentner arbeite ich für die Tafel seit zehn Jahren, weil ich auch der Meinung war, dass zu viele Lebensmittel vernichtet werden. Da waren, als ich anfing, 80 Prozent Deutsche: Arbeitslose, Hartz4-Empfänger. Heute sind es 80 Prozent Moslems.

Ich fahre mit herum mit dem Wagen und sammle die Lebensmittel ein. Eine Angestellte im Bäckerladen sagte mir: "Ja, wissen Sie, irgendwas mache ich doch falsch." Ich sage: "Wieso?" "Ja, ich arbeite hier acht Stunden, von dem Lohn zahle ich meine Dreizimmer-Wohnung und den Unterhalt für meine beiden Kinder. Das Brot, das Sie hier abholen, und den Kuchen und so weiter, den kriegen ja die Asylanten, die Flüchtlinge, die im Asylantenheim wohnen. Ich kann mir kein Auto leisten und vor deren Tür stehen lauter Autos - wie geht das?"

Bei der Tafel bin ich mit niemandem befreundet von den Moslems. Das ist klar, wir reden miteinander über alltägliche Dinge bei der Ausgabe. Es sind auch zu viele da, als dass man fragen könnte: "Was ist dein persönliches Schicksal?". Das würden sie wahrscheinlich auch gar nicht verstehen. Die meisten von denen sprechen ja kein Wort Deutsch.

Also ich habe ein bisschen Angst. Ja, was heißt Angst, das werde ich nicht erleben. Ich werde jetzt in ein paar Jahren sterben, das ist ganz klar, aber nachfolgende Generationen werden vielleicht sagen: "Wieso habt Ihr es erlaubt, dass wir hier plötzlich fifty-fifty mit Christen und Moslems sind, die sich gar nicht mehr an unsere Gesetze halten wollen?" Wenn da das Wort Mohammeds fällt, dann gilt dessen Wort und nicht unsere Verfassung und davor, muss ich sagen, habe ich Angst.

Redaktion: Diakonie/Ulrike Pape

*Name und Bild von der Redaktion geändert