Frank Joung: "Ich muss mich nicht integrieren, ich bin hier geboren!"

26. September 2018
  • Kampagne UNERHÖRT!

Frank Joung ist Deutscher mit koreanischen Wurzeln. Schon als Kind merkte er, dass er anders ist und in zwei Welten lebt. Was ihn früher gestört hat, empfindet er heute als positive Ausnahme. Hören Sie seine Geschichte!

Zuhören statt verurteilen

Diese Geschichte ist Teil der Kampagne UNERHÖRT! Damit wirbt die Diakonie Deutschland für eine offene Gesellschaft: Viele Menschen haben heute das Gefühl, nicht gehört zu werden. Sie fühlen sich an den Rand gedrängt in einer immer unübersichtlicheren Welt, in der das Tempo steigt und Gerechtigkeit auf der Strecke zu bleiben droht. Doch jede Lebensgeschichte hat ein Recht darauf, gehört zu werden.

Andere Menschen wiederum engagieren sich mit viel Zeit und Leidenschaft in ihrer Familie, ihrem Beruf oder ehrenamtlich und sind dabei oft am Limit. Diese Alltagshelden tragen erheblich zum Zusammenhalt unserer Gesellschaft bei, stehen jedoch selten im Licht der Öffentlichkeit. Auch sie kommen in unserer Kampagne zu Wort, damit sie mehr Beachtung finden.

Manche Geschichte fordert Widerspruch heraus. Zuhören bedeutet nicht automatisch Zustimmung. Und nicht alles, was erzählt wird, entspricht unserem Menschenbild oder den Positionen der Diakonie. Darüber müssen wir reden - denn häufig steckt hinter einer Geschichte eine existenzielle Notlage.

Die Kampagne, die von 2018 bis 2020 laufen soll, will wachrütteln und zugleich aufzeigen, dass die Diakonie zuhört, Lösungen bereithält und eintritt für eine offene und vielfältige Gesellschaft. Die Diakonie will diese Diskussion anstoßen und führen, sie will zur Plattform für einen Diskurs rund um soziale Teilhabe werden.

Frank Joungs Geschichte zum Nachlesen

Jeder muss sich in die Gesellschaft integrieren, aber warum muss ich das mehr machen, nur weil ich anders aussehe? Ich bin hier geboren und aufgewachsen, muss mich nicht integrieren, ich bin hier.

Mein Name ist Frank Joung, ich bin 42 Jahre alt, Journalist in Berlin und geboren in Hannover. Meine Eltern stammen allerdings aus Korea. Ich bin in einem kleinen Vorort, in Altwarmbüchen aufgewachsen, das ist ein kleiner Ort vor Hannover, und hab eigentlich eine ganz normale deutsche Kindheit gehabt. Nur mit dem Unterschied, dass ich zu Hause Little Corea hatte.

Ich persönlich habe jetzt wenig Rassismus oder Diskriminierung im Alltag erlebt, in der Kindheit. Es gibt so Dinge, wie "Lass mal deine Haare anfassen"! Ich hatte früher so eine Igelfrisur, die schwarzen Haare standen so ab vom Kopf, dann wollte sie immer anfassen "Ah, das piekst ja!" und so. Oder ich hatte tatsächlich auch so Kimbap, das ist eine Art koreanische Sushi, mit in der Schule und dann war es auch "Äh, was ist das denn? Is´ ja ecklig!". Man merkt dann, dass das Anders sein nicht jetzt unbedingt super positiv aufgenommen wird, sondern eher so ein bisschen, äh komisch, merkwürdig. Und dann versucht man das auch so ein bisschen wahrscheinlich unterschwellig, unbewusst wegzuschieben. Weil man ja als Kind immer so gern sein möchte wie die anderen.

Als ich zwölf Jahre alt war, dann waren wir in Korea nochmal, sechs Wochen in den Sommerferien. Und für mich ist das natürlich ein fremdes Land, also ich hab´ das nicht verstanden. Es war laut, es war eine zehn, elf Mio. Stadt, ich konnte die Sprache nicht so richtig und trotzdem sehe ich natürlich, dass ich so aussehe, wie die. Ich hatte so eine emotionale Verbindung zu dem Land, aber jetzt kein Heimatgefühl. Also, es war schon so, ich bin hier fremd, nur keiner merkt´s. Und in Deutschland war es eher so, hier bin ich nicht fremd, aber die Leute denken vielleicht ich bin fremd.

Bei mir hat es auch länger gedauert, dass man das Gefühl kriegt, ok, ich brauch jetzt meine Wurzeln, ich muss mal gucken, wo ich herkomme. Ich hab´ angefangen um die zwanzig rum, dann habe ich Taekwondo gemacht, koreanische Kampfkunst, weil jeder fragt, "Kannst du Karate, kannst du das?" Nee, Karate nicht, aber wenn dann schon koreanische Kampfkunst! Jetzt bin ich, würde ich so sagen, sehr im Reinen mit mir. Dass ich weiß, ich sitze zwar zwischen den Stühlen, aber das ist kein Manko, sondern im Gegenteil. Das ist quasi so wie ein Kleber, das ist eher gut. Und ich bin zwar eine Ausnahme, aber eine gute Ausnahme, so empfinde ich mich zumindest. Und man möchte einfach, dass Leute akzeptieren, "Ja, ok, der ist halt asiatisch aussehend, ist aber hier geboren und heißt Frank. Das ist ein bisschen weird, ein bisschen komisch, aber akzeptiere ich!" Mehr braucht man eigentlich nicht, einfach nur so, "Ok, alles klar, ich sehe dich und es ist ok, wie du bist!" Das ist eigentlich alles, was man sich erhofft.

Redaktion: Diakonie/Claudine da Rocha-Fahlbusch