Fernsehgottesdienst zum Thema "Zuhören"

9. September 2018
  • Kampagne UNERHÖRT!

Viele Menschen haben heute das Gefühl, nicht gehört zu werden. Die Diakonie setzt sich dafür ein, den "Unerhörten" eine Stimme zu geben. Im ZDF-Gottesdienst aus Kloster Lehnin stand "Zuhören" im Mittelpunkt. "Wir lernen nie aus in der Kunst des genauen Hinsehens und Hinhörens", so Diakonie-Präsident Ulrich Lilie in seiner Predigt.

Auf großen lilafarbenen Plakaten macht die Diakonie aktuell das Zuhören zum Thema: „Unerhört, diese Flüchtlinge! Unerhört, diese Alten! Unerhört, diese Obdachlosen!“ – so stellt die Kampagne die Frage nach den unerhörten Menschen in unserem Land, nach den vielen alten Einsamen. Nach den Wohnungslosen, die vor dem Supermarkt sitzen und um ein Almosen bitten. Nach denen, die nicht gehört, die nicht gefragt werden, was sie brauchen, was sie denken.

 

 

 

In diakonischen Einrichtungen geht es immer auch ganz konkret um das Zuhören. So auch auf dem Gelände des früheren Klosters Lehnin, wo der Gottesdienst am 9. September 2018 stattfand. Dort stehen heute ein Krankenhaus, eine Rehaklinik, ein Hospiz und ein Altenzentrum, ein Kindergarten und Einrichtungen für Menschen mit Behinderung sowie ein Gäste- und Tagungshaus – alles Einrichtungen des Evangelischen Diakonissenhauses Berlin Teltow Lehnin. Hierher kommen Menschen, weil sie wissen, dass man sich ihrer Sorgen und Hilfsbedürftigkeit annimmt.

Die Krankenschwester Martina Haufe beschrieb es im Gottesdienst so: „In meiner Arbeit ist Zuhören manchmal das Wichtigste. Dabei geht es auch um die Zwischentöne. Ich versuche dabei auch wahrzunehmen, was unausgesprochen im Raum steht.“ Und Lehnins Bürgermeister Uwe Brückner, dem die Bürgerinnen und Bürger viele Fragen stellen, hat beobachtet: „Wenn ich antworte, merke ich manchmal, dass sie an der Antwort schon gar mehr nicht interessiert sind. Sie haben sich die Frage schon selbst beantwortet.“

Heilung beginnt mit Zuhören, erklärte Ulrich Lilie, Präsident der Diakonie Deutschland, in seiner Predigt. Eine der schönsten Heilungsgeschichten der Bibel erzählt davon, dass Jesus einen Kranken fragt: „Was willst du, dass ich für dich tun soll?“ Der blinde Bartimäus hatte Jesus hinterher geschrien. „Und Jesus hört den Un-Erhörten. Im Beifall und Rufen der Menge hört er die verzweifelte Stimme dieses blinden Mannes, dem schon lange niemand mehr zuhört.“ Aber die Jünger wollten sich nicht ablenken lassen, gehen weiter, drängen auch Jesus, weiterzugehen. Aber Jesus schickt sie zu Bartimäus zurück, er „schickt seine Jünger, die ihm wie die vielen anderen Leute auch einfach nur nachgelaufen sind - wieder einmal - auf eine kurze Lernreise: Er lehrt sie den Unterschied zwischen Nachlaufen und Nach-folgen. Sie sollen ihm eben nachfolgen und nicht einfach hinterherlaufen.“

Für Bartimäus beginnt damit ein neues Leben. Aus einem Unerhörten wird ein Gehörter, ein Gesehener  –  und jetzt auch selbst Sehender. „Zum ersten Mal in seinem Leben ist er ein gefragter, ein gesehener, ein eigener, vor Gott ganz besonderer und einzigartiger Mensch mit eigenen Wünschen und Sehnsüchten.“ So habe auch ein kluger Theologe die Diakonie definiert: „Diakonie, das heißt, anderen helfen, ein eigener Mensch zu sein.“ Und das beginnt manchmal ganz klein schon mit der Frage: „Was willst du, dass ich für dich tun soll?“