Einsamkeit gehört zum Leben

2. November 2020
  • Kampagne UNERHÖRT!
  • Diakonisches Profil

Früher hat sich Manuela mit Essen getröstet, wenn sie sich einsam fühlte. Heute geht sie in die Natur und fühlt sich mit der Welt verbunden. Auch ihr Glaube gibt ihr Halt. Hören Sie ihre Geschichte!

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Diese Geschichte ist Teil der Kampagne UNERHÖRT! Nicht alles, was erzählt wird, entspricht unserem Menschenbild oder den Positionen der Diakonie. Darüber müssen wir reden. Zuhören bedeutet nicht automatisch Zustimmung.

Mit "UNERHÖRT!" wirbt die Diakonie Deutschland für eine offene Gesellschaft: Viele Menschen haben heute das Gefühl, nicht gehört zu werden. Sie fühlen sich an den Rand gedrängt in einer immer unübersichtlicheren Welt, in der das Tempo steigt und Gerechtigkeit auf der Strecke zu bleiben droht.

Jede Lebensgeschichte hat ein Recht darauf, gehört zu werden – auch wenn sie Widerspruch herausfordert. Es lohnt sich zum Beispiel, sehr genau hinzuhören, warum sich Menschen von der offenen Gesellschaft distanzieren. Auch sie sind Teil unserer freien und offenen Gesellschaft und können sie mitgestalten, für sie eintreten. Wir sind überzeugt: Zuhören und Streiten hilft hier weiter, und weder Zuhören noch Streiten ist einfach.

Die Kampagne will wachrütteln und zugleich aufzeigen, dass die Diakonie zuhört, Lösungen bereithält und eintritt für eine offene und vielfältige Gesellschaft. Die Diakonie will diese Diskussion anstoßen und führen als Plattform für einen Diskurs rund um soziale Teilhabe.

Manuelas Geschichte zum Nachlesen

Meine Strategie schon ganz früh als Kind, mit der Einsamkeit umzugehen, war, das mit Essen zu kompensieren und dass das für mich so’n ganz großen Trosteffekt hatte.

Also ich bin Manuela. Ich wohn‘ in Stuttgart. Ich bin 40 Jahre alt. Es gab Zeiten, wo ich sehr einsam war. Aber ich hab‘ das selber gar nicht gemerkt. Oder ich hatte irgendwie so Strategien, das so für mich und auch für andere sozusagen zu überdecken. Und erst als ich besser nachvollziehen konnte, dass es halt einen Unterschied gibt zwischen alleine sein und einsam sein, ist das klarer geworden, dass in Situationen, wo ich mich mit sehr viel Leuten umgeben habe oder mit sehr viel Beschäftigung, ich damit eigentlich zudecken wollte, dass ich mich vielleicht einsam oder alleine fühle.

Mir haben dann mal Freunde gesagt ‚vermisst Du denn nicht, auch mal nur so für Dich auf der Couch zu sitzen so und zur Ruhe zu kommen?‘. Und da hab‘ ich gedacht, oh Gott nee, das ist ja ganz schrecklich. Und da habe ich mich gefragt, warum finde ich das eigentlich so schrecklich, mal ruhig auf der Couch zu sitzen. Und da ist mir glaube ich so bewusst geworden, ja, weil ich mich dann mit Gefühlen und Gedanken, die in mir sind, dass ich die mehr wahrnehme und dass das halt nicht nur angenehm ist.

Also wenn ich mich einsam fühle, versuch ich als allererstes quasi nicht in diesen Panikmodus zu gehen so ‚oh Gott, jetzt kommt irgendsoein unangenehmes Gefühl, wie kann ich mich jetzt am schnellsten davon befreien?‘ Und heute versuche ich, dass dieses Gefühl, vielleicht auch so’n bisschen körperlich so in mir aufsteigt. Und heute würde ich sagen also zum Beispiel ja rausgehen in die Natur. Da fühle ich dann schon eine gewisse Verbundenheit mit sozusagen der ganzen Welt oder sehe mich nicht mehr so vereinzelt.

Ja also mir hilft der Glaube und das Lesen in der Bibel, Einsamkeit auch Teil des Lebens anzunehmen. Also in der Bibel finde ich gibt’s ganz viele ja positive Beispiele für Einsamkeit oder zumindest, wo Einsamkeit für eine gewisse Zeit ganz wichtig ist, so um ne Entscheidung zu treffen, um sich über Dinge irgendwie klar zu werden. Und in den Geschichten bleibt’s dann ja auch nicht bei der Einsamkeit, sondern es geht dann irgendwie wieder mit was weiter, was wieder in Gemeinschaft ist.

Text und Audio: Diakonie/Justine Schuchardt