"Durch Singen die Mauern im Kopf überwinden"

13. Januar 2020
  • Kampagne UNERHÖRT!
  • Armut und Arbeit
  • Engagement und Hilfe

Die Journalistin Jutta Jacobi empfindet ihr Leben im Frieden als großes Glück. Um etwas zurückzugeben, hat sie das Chorprojekt "Klang der Wende" ins Leben gerufen, das sich mit Geschichte der Friedlichen Revolution vor der Deutschen Wiedervereinigung befasst.

Diese Geschichte ist Teil der Kampagne UNERHÖRT! Nicht alles, was erzählt wird, entspricht unserem Menschenbild oder den Positionen der Diakonie. Darüber müssen wir reden. Zuhören bedeutet nicht automatisch Zustimmung.

Zuhören statt verurteilen

Mit "UNERHÖRT!" wirbt die Diakonie Deutschland für eine offene Gesellschaft: Viele Menschen haben heute das Gefühl, nicht gehört zu werden. Sie fühlen sich an den Rand gedrängt in einer immer unübersichtlicheren Welt, in der das Tempo steigt und Gerechtigkeit auf der Strecke zu bleiben droht.

Jede Lebensgeschichte hat ein Recht darauf, gehört zu werden - auch wenn sie Widerspruch herausfordert. Es lohnt sich zum Beispiel, sehr genau hinzuhören, warum sich Menschen von der offenen Gesellschaft distanzieren. Auch sie sind Teil unserer freien und offenen Gesellschaft und können sie mitgestalten, für sie eintreten. Wir sind überzeugt: Zuhören und Streiten hilft hier weiter, und weder Zuhören noch Streiten ist einfach.

Die Kampagne, die von 2018 bis 2020 läuft, will wachrütteln und zugleich aufzeigen, dass die Diakonie zuhört, Lösungen bereithält und eintritt für eine offene und vielfältige Gesellschaft. Die Diakonie will diese Diskussion anstoßen und führen als Plattform für einen Diskurs rund um soziale Teilhabe.

Jutta Jacobis Geschichte zum Nachlesen

Ich heiße Jutta Jacobi. Ich wohne in Hamburg. Ich arbeite als Journalistin und Autorin. Ich bin eine begeisterte Chorsängerin seit vielen Jahren. Ich mache sehr gerne Musik und ich schätze die verbindende Qualität des Chorsingens.

Ich habe im letzten Herbst eine lange Wanderung gemacht, und dann ist mir nochmal bewusst geworden, wieviel Glück ich in meinem Leben gehabt habe, dieses Glück ja so viele Jahre und Jahrzehnte im Frieden gelebt zu haben. Ganz anders als die Generation meiner Eltern und Großeltern. Und ich dachte mir, das ist wirklich jetzt mal ein Moment, was zurückzugeben und meine Arbeitskraft einer Sache zur Verfügung zu stellen, die ich wichtig finde.

Am 3. Oktober 2020 werden wir ja 30 Jahre Deutsche Einheit begehen, und so richtig zusammengewachsen sind wir leider immer noch nicht. Um diese Mauer in den Köpfen, die es immer noch gibt, zu überwinden, da bleibt uns eigentlich nur übrig, uns auszutauschen, miteinander zu reden und – ja – vielleicht auch miteinander zu singen.

Und daraus, aus dieser Idee ist mein Projekt entstanden. Es heißt Klang der Wende. Ich möchte die verbindende Qualität des Chorsingens nutzen. Es wird darum gehen, zwei Chöre zu organisieren, zwei Projektchöre, der eine aus Hamburg, der andere aus Leipzig, und die sollen zusammen ein Stück entwickeln, was diese Zeit zwischen friedlicher Revolution, Fall der Mauer und Wiedervereinigung erzählt und zwar über die Lieder und über die Musik aus dieser Zeit. Wir benutzen aber auch die Sprechchöre, die auch den Fortgang der Ereignisse beleuchten.

Am Ende wird es dann eine, wie wir uns im Moment vorstellen, vielstimmige Kantate geben, und die soll dann zum 3. Oktober, also zum 30. Jahrestag der Deutschen Einheit in der Peterskirche in Leipzig aufgeführt werden. Und die Uraufführung ist in Hamburg, eine Woche davor in der Hauptkirche St. Katharinen.

Text und Audio: Diakonie/Justine Schuchardt