Dinara (14) möchte gerne ein eigenes Zimmer

28. November 2018
  • Kampagne UNERHÖRT!
  • Flucht und Migration

Vor fünf Jahren ist Dinaras Familie von Tschetschenien in ein kleines Dorf nach Niedersachsen gekommen. Die 14-Jährige träumt von einem eigenen Zimmer und würde gerne in Berlin wohnen. Hören Sie ihre Geschichte.

Diese Geschichte ist Teil der Kampagne UNERHÖRT! Nicht alles, was erzählt wird, entspricht unserem Menschenbild oder den Positionen der Diakonie. Darüber müssen wir reden. Zuhören bedeutet nicht automatisch Zustimmung.

Zuhören statt verurteilen

Mit "UNERHÖRT!" wirbt die Diakonie Deutschland für eine offene Gesellschaft: Viele Menschen haben heute das Gefühl, nicht gehört zu werden. Sie fühlen sich an den Rand gedrängt in einer immer unübersichtlicheren Welt, in der das Tempo steigt und Gerechtigkeit auf der Strecke zu bleiben droht.

Jede Lebensgeschichte hat ein Recht darauf, gehört zu werden - auch wenn sie Widerspruch herausfordert. Es lohnt sich zum Beispiel, sehr genau hinzuhören, warum sich Menschen von der offenen Gesellschaft distanzieren. Auch sie sind Teil unserer freien und offenen Gesellschaft und können sie mitgestalten, für sie eintreten. Wir sind überzeugt: Zuhören und Streiten hilft hier weiter, und weder Zuhören noch Streiten ist einfach.

Die Kampagne, die von 2018 bis 2020 läuft, will wachrütteln und zugleich aufzeigen, dass die Diakonie zuhört, Lösungen bereithält und eintritt für eine offene und vielfältige Gesellschaft. Die Diakonie will diese Diskussion anstoßen und führen als Plattform für einen Diskurs rund um soziale Teilhabe.

Dinaras Geschichte zum Nachlesen

Ich heiße Dinara Mamysheva, bin 14 Jahre alt und wohne in Sibbesse. Ich wohne mit meiner Familie, ich habe vier Geschwister, einen Bruder und drei Schwestern. Ich bin hier in Deutschland, weil mein Vater Probleme hatte, aber ich weiß nicht, warum er Probleme hatte.

Meine Familie kommt aus Tschetschenien. Schon fünf Jahre war ich nicht in Tschetschenien. Als ich hierhergekommen bin, konnte ich nicht so gut Deutsch. Wir haben zuerst in Berlin gewohnt und dann wurden wir hierhergeschickt.

In Sibbesse ging ich zur Grundschule in die zweite Klasse gleich. Weil ich nicht so gut Deutsch konnte, musste ich wiederholen. Es war schon schwierig. Meine Klassen-, meine Nachhilfelehrerin, die hat mir dann Deutsch beigebracht.

Mein Vater findet keine Arbeit. Installateur hat er früher gearbeitet, mit Heizungen und so. Meine Mutter kann nicht arbeiten gehen und nicht Deutsch lernen gehen, weil sie auf meine kleinen Geschwister aufpassen muss, weil ich noch eine Schwester habe, die erst ein Jahr und neun Monate ist. Wenn wir in Berlin wohnen würden, da wohnt ja meine Tante und die Cousine von meiner Mutter, meine Tanten und so, die wohnen schon lange hier. Die können richtig gut Deutsch und arbeiten auch. Wenn meine Mutter dabei wäre, würde sie auch Deutsch lernen und arbeiten, aber hier sind unsere Verwandten nicht in Sibbesse.

In Sibbesse gibt es keine tschetschenische Familie. Ich wünsche mir, dass wir ein großes Haus bekommen, dass ich ein eigenes Zimmer bekommen würde. Wir brauchen eine Wohnung mit sieben Zimmern. Wir dürfen nicht nach Hildesheim ziehen, steht auf unserem Ausweis drauf.

Mein Zuhause ist in Tschetschenien, also wo meine Familie wohnt in Tschetschenien. Meine Oma vermisse ich.

Mein Traum wäre schon, dass ich Zahnärztin werden würde. Es gibt auch viele Menschen, die mit Zähnen Probleme haben und dann wenn ich Zahnärztin werden würde, würde ich gerne helfen. Dass ich dann wegziehen werde, wenn ich Mann und Kinder habe. Ich würde gerne in Berlin wohnen.

 Redaktion: Diakonie/Ulrike Pape